Eishockey
Dennis Endras: Der Kampf mit den Tränen
Mit 3:1 (2:0, 0:1, 1:0) besiegten die Adler Mannheim in der Deutschen Eishockeyliga die Augsburger Panther. In Erinnerung werden aber nicht die Tore oder die Partie an sich bleiben. Im Mittelpunkt stand ein Akteur, der in den 60 Minuten gar nicht zum Einsatz kam und trotzdem von Sprechchören gefeiert wurde: Mannheims Meister-Torhüter Dennis Endras war nach zehn Jahren im Adlertrikot erstmals mit seinem neuen Klub in der SAP-Arena zu Gast.
Anfang November hatte Endras noch verletzt pausieren müssen. Ein kleines bisschen lag seine Rolle als Ersatzmann für Markus Keller an dieser Verletzung. „Dennis ist ein wichtiger Spieler für uns. Er ist lange Zeit ausgefallen. Zuletzt hat er sieben Spiele in Folge gehabt und braucht deshalb wieder eine Pause“, erklärte Augsburgs Trainer Peter Russell die bei den Mannheimer Fans unpopuläre Schonmaßnahme für seinen Stammtorhüter. Scherzhaft schob der Schotte deshalb noch weitere Gründe nach: „Immerhin ist Dennis mittlerweile 400 Jahre alt und durch seine Tränen hätte er den Puck in den ersten fünf Minuten sowieso nicht gesehen.“
Ergriffen von den Abschiedszeremonien
Tatsächlich kämpfte der erst 37-Jährige auf der Augsburger Bank mit Blick auf die Hommage auf dem Videowürfel, die Sprechchöre und Banner der Fans sichtlich mit den Tränen, dankte ergriffen und nahm sich nach dem Spiel auch lange Zeit für den Abschied von Mannheimer Mannschaft und Fans. 538 Spiele, 38 Shutouts und zwei Meisterschaften haben ihre Spuren hinterlassen. Im Trikot der Panther hatte er in Mannheim aber nichts zu feiern. Die Geschichten des Spiels schrieben andere.
Spieler, die für diese Rolle eigentlich gar nicht gedacht waren. So trafen mit Taro Jentzsch (6.) und Luca Tosto (10.) zwei Akteure aus der vierten Sturmreihe zur Führung. Für Adler-Trainer Bill Stewart keine Überraschung. „Wir haben schließlich keine vierte Reihe, sondern wir haben sehr viele sehr gute Spieler.“ Und da sei eben die auf dem Papier als „vierte Reihe“ angekündigte Formation, zu der neben Jentzsch und Tosto Tim Wohlgemuth gehörte, an diesem Abend die stärkste Angriffsreihe gewesen. Wobei die Schiedsrichter beim 1:0-Führungstreffer den Videobeweis bemühen mussten, aber keine Kickbewegung mit dem Schlittschuh des Mannheimers erkannten. Von seinen Kufen prallte die Hereingabe von Korbinian Holzer deshalb regulär über die Linie. Am 2:0 gab es hingegen gar keine Zweifel. Minutenlang hatten die Adler hier die Gäste eingeschnürt und regelrecht müde gespielt. Der 20-jährige Stürmer nutzte den Freiraum im Stile eines Routiniers, guckte den Torhüter aus und vollendete trocken. Er war mit dem Auftritt zufrieden: „Wir haben wieder viele Dinge besser gemacht.“ Vor allem die Defensivarbeit hat ihm gefallen. Als Verbund ließen die Adler hier zunächst kaum etwas zu. Nun müsse der nächste Schritt folgen und die Adler wieder mehr Tore schießen. Das sah auch sein Trainer so: „Wir haben unsere Stabilität in der Abwehr zurück. Darauf können wir aufbauen.“
Kein stabiles Gefüge
Ganz so stabil war das Gefüge aber längst noch nicht. Im zweiten Abschnitt hatte Felix Brückmann im Adler Tor mehr Arbeit, als ihm lieb sein konnte. Mehr als den 2:1-Anschlusstreffer (21.) von Adam Johnson und das aktuell effektivste Überzahl-Spiel der Liga ließen aber weder er noch die Verteidiger zu. Im Gegenteil. Mit Sinan Akdag (42.) traf ein Verteidiger zur Entscheidung – noch so ein Spieler, der eigentlich eher dabei mithelfen soll Tore zu verhindern.