Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel „Bulle“ Roth wird am Dienstag 75 Jahre alt

„Bulle“ Roth vor einigen Jahren bei der Meisterfeier.
»Bulle« Roth vor einigen Jahren bei der Meisterfeier.

Franz Roth hat im Bayern-Dress Europapokalgeschichte geschrieben. Er sorgte bei drei von vier Endspielsiegen für die Führung, zweimal war das auch das Siegtor. Den Spitznamen „Bulle“ verdankt Roth Trainer Tschik Cajkovski und Sepp Maier. Am Dienstag wird Roth 75 Jahre alt.

Heute würde Franz Roth als Sechser geführt. In zwölf Profijahren beim FC Bayern München bewies sich der in Memmingen geborene Mittelfeldmann als Antreiber und Abräumer mit enormer Torgefährlichkeit. 1966, gerade 20 geworden, kam Roth von der SpVgg Kaufbeuren zu den Bayern. In 322 Bundesligaspielen schoss das Kraftpaket 72 Tore, in 65 Europapokalspielen war er elfmal erfolgreich. In der Nationalmannschaft aber war er auch in seiner Glanzzeit nicht gefragt, vier Länderspiele sind zu wenig angesichts seiner Klasse.

Glanzvolle Karriere

Auch ohne eine glanzvolle Länderspielkarriere aber darf „Bulle“ Roth auf eine grandiose Laufbahn zurückblicken: Den DFB-Pokal gewann er mit „seinen“ Bayern 1967, 1969 und 1971. Viermal – 1969, 1972, 1973 und 1974 – wurde Roth mit seinem Herzensverein deutscher Meister, gewann 1967 den Europapokal der Pokalsieger, triumphierte mit dem FCB 1974, 1975 und 1976 im Europapokal der Landesmeister und holte 1976 zudem den Weltpokal.

„Bulle“: Roths Spitzname beschrieb den Spielstil der 1,79 Meter großen Wuchtbrumme sehr gut. Stark im Zweikampf, wuchtig mit dem Ball am Fuß, schussstark. Und so kam das mit dem „Bullen“: Trainer Tschik Cajkovski stellte den WM-Heimkehrern Sepp Maier und Franz Beckenbauer den Neuen mit folgenden Worten vor: „Das ist einer aus dem Allgäu, der hat Kraft wie Muh!“ Das Gebrüll der Spielermeute kann man sich gut vorstellen, zudem Sepp Maier, bis heute eng mit Roth befreundet, korrigierte: „Trainer, das heißt in Bayern Bulle und nicht Stier oder Kuh oder Muh …“

1978 der Abschied von den Bayern

1976 und 1977 erlitt Roth jeweils einen Achillessehnenriss – das bedeutete 1978 den Abschied von den Bayern. Bei Casino Salzburg, dem SV Sandhausen und dem SV Mindelheim klang die Karriere für den Mann aus, der Europapokalgeschichte geschrieben hat. 1967 schoss er die Bayern im Finale um den Europacup der Pokalsieger in Nürnberg in der 108. Minute zum 1:0-Sieg gegen die Glasgow Rangers. 1975, beim zweiten Triumph der Bayern im Europapokal der Landesmeister, brachte Roth die Bayern gegen Leeds United in der 80. Minute in Führung, für das 2:0 sorgte Gerd Müller. Das Landesmeister-Endspiel 1976 in Glasgow gegen AS St. Etienne entschied der „Bulle“ mit seinem goldenen Tor, einem Freistoß, zum 1:0.

Heute lebt Franz Roth auf dem Land, ist dem FC Bayern weiter eng verbunden. Er führte zwei Sportgeschäfte, eins hat er verkauft, das andere hat sein Sohn Claus übernommen. Mit Inka war Roth über 30 Jahre verheiratet, vor 14 Jahren ist sie an Krebs gestorben. Jetzt weiß er eine neue Partnerin an seiner Seite. „Bulle“ Roth – ein ganz Großer, der den Aufstieg der Bayern zur Macht im europäischen Fußball mit prägte.

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