Hintergrund
Boule-Boom: Warum das Kugelspiel auch in der Pfalz immer beliebter wird
Boule ist ein geselliges Spiel – und dabei mehr als nur Freizeitspaß. Zwei Teams treten gegeneinander an, um ihre Kugeln möglichst nah an eine kleine Zielkugel, das sogenannte „Schweinchen“, zu platzieren. Vom markierten Wurfkreis aus wird zunächst das Schweinchen einige Meter weit geworfen. Anschließend versuchen die Teams, ihre Kugeln zu „legen“ – also präzise zu platzieren – oder durch gezieltes „Schießen“ gegnerische Kugeln zu verdrängen. Ob im Stehen oder aus der Hocke, beim Boule ist beides erlaubt.
Was steckt hinter Boule?
Die Kugeln wiegen zwischen 650 und 800 Gramm und kommen stets in Dreiersets, die durch eingravierte Merkmale weltweit eindeutig zu erkennen sind. Gespielt wird auf einem Spielfeld mit einer Mindestgröße von 12x3 uMetern, international sogar 15x4 Metern. Das Besondere: „Man braucht nicht wirklich ein Spielfeld. Es geht überall auf unbefestigten Böden“, wie Sebastian Hein, Boule-Abteilungsleiter beim ASV 1898 Ludwigshafen, erklärt.
Hat jedes Team seine Kugeln gespielt, wird gezählt: Punkte erhält die Mannschaft, deren Kugeln näher am Schweinchen liegen als die beste Kugel des Gegners. Jede näher platzierte Kugel bringt einen Punkt. Üblicherweise wird bis 13 gespielt. „Im Endeffekt ist es das Ziel des Spiels, mit möglichst vielen eigenen Kugeln näher an die Zielkugel, also das Schweinchen, zu kommen, als die beste Kugel des Gegners“, sagt Hein. Dank der simplen Regeln ist Boule auch für Einsteiger leicht zugänglich. Interessant dabei: Boule ist ein Sammelbegriff für verschiedene Kugelspiele. Die hierzulande populärste Variante heißt Pétanque und stammt ursprünglich aus Südfrankreich. Im Alltag wird sie oft mit Boule gleichgesetzt.
Beim ASV 1898 Ludwigshafen ist die Begeisterung für den Boulesport längst angekommen. Seit 1898 gibt es den Verein, der ursprünglich auf Turnen und Handball spezialisiert war. Vor vier Jahren wurde die Bouleabteilung eingegliedert. „Das ist eine sehr schöne Entwicklung“, freut sich Hein. 25 Spieler sind Teil der Abteilung, treffen sich donnerstags und sonntags, um auf insgesamt 24 Plätzen ihrem Hobby nachzugehen – aus Freude am Spiel. Die erste Mannschaft des ASV tritt in der Bezirksliga Mitte Süd an.
Boule-Boom in der Pfalz?
In einer Boule-Liga treten sechs bis acht Mannschaften gegeneinander an. Der Spieltag beginnt mit zwei Triplettes, bei denen jeweils drei Spieler pro Team antreten, gefolgt von drei Doublettes mit je zwei Spielern. Eine Mannschaft benötigt also mindestens sechs Spieler. „Wir veranstalten auch Turniere als Verein selbst. Vor Jahren gab es hier auch einen Bundesliga-Spieltag“, berichtet Hein. Die Begeisterung für Boule in Ludwigshafen macht dabei auch vor prominenten Gästen nicht Halt: Im April besuchten einige Bundesligateams den ASV für ein Vorbereitungsturnier, darunter der damals amtierende deutsche Meister. Hein betont: „Wir haben hier in der Region generell sehr starke Mannschaften, deren Aktive national und international erfolgreich sind“.
Doch gibt es auch außerhalb der Vereine einen Boule-Boom zu beobachten? Sebastian Hein, seit zwei Jahren Abteilungsleiter beim ASV, ist sich sicher. „Man sieht mittlerweile in fast jedem Dorf einen Bouleplatz“, sagt er: „Ich glaube es gibt definitiv einen Boom.“ Die Gründe für den Aufschwung liegen für Hein auf der Hand. „Es gibt keine großen Hürden, um zu beginnen“, findet Hein. Kugeln könne man leicht erwerben, außerdem seien keine Vorkenntnisse nötig und man könne vergleichsweise schnell gute Ergebnisse erzielen. „Gleichzeitig ist Boule eine der wenigen Sportarten, bei der drei Generationen gemeinsam spielen können“ betont der Abteilungsleiter: „Hier spielen auch Erwachsene gegen Kinder.“ Sogar im Winter bleibt der Sport attraktiv, da er problemlos in entsprechenden Hallen ausgeübt werden kann.
Gemeinschaft im Mittelpunkt
Trotz aller sportlichen Ambitionen legt der ASV Ludwigshafen großen Wert auf Gemeinschaft. „Die Mitglieder hier geben sich viel Mühe. Wir wollen Spaß am Sport auf unserer schönen Anlage haben“, betont Hein. „Und wir wollen den Boulesport für jedermann attraktiv und bekannter machen.“ Dass das auch gelingt, daran hat Hein keine Zweifel. Denn nicht nur für ihn bedeutet Boule in erster Linie „Spaß, aufgrund des Wettkampfcharakters in Verbindung mit der schönen Gemeinschaft. Boule ist zudem jedes Mal anders, man lernt in jedem Spiel dazu.“