Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Borussia Neunkirchen: Notvorstand will Verein irgendwie retten

Borussia Neunkirchen in den Nuller Jahren mit den Pfälzer Stützen Benny Sorg (links vorne) und Matthias Stumpf (vorn der Zweite
Borussia Neunkirchen in den Nuller Jahren mit den Pfälzer Stützen Benny Sorg (links vorne) und Matthias Stumpf (vorn der Zweite von rechts).

Der Insolvenzverwalter sah den Ex-Bundesligisten schon am Ende. Nun sollen drei Unerschütterliche doch noch Geld aufgetrieben haben.

Benny Sorg wird sentimental, wenn er an „seinen“ Verein, die große Borussia Neunkirchen mit ihrer großen Tradition denkt: „Borussia hatte früher einfach was. Es war eine Ehre, dort zu spielen, im ehrwürdigen Ellenfeld-Stadion.“

Sorg (40) aus Breitenbach im Kreis Kusel zählte mit einem weiteren Breitenbacher, Matthias Stumpf (39), lange zu den Stützen der Borussia, Sorg im Tor und Stumpf im Mittelfeld. Beide Pfälzer gehörten zur Mannschaft, die 2005 Oberliga-Meister wurde, dann aber nicht aufstieg, weil die Vereinsführung es versäumt hatte, eine Lizenz für die Regionalliga zu beantragen.

„Wenn Erfolg da war, dann kamen auch Zuschauer, 8000 im Pokal gegen Saarbrücken, das war schon toll“, erinnert sich Sorg wehmütig. Sein Torwarttrainer war die Vereinslegende Willi Ertz, der das Tor in den Bundesliga-Jahren gehütet hatte. „Er und viele andere: mega-nette Leute waren da zu meiner Zeit bei Neunkirchen.“ Doch Sorg setzt hinzu: „Die letzten Jahre ging zu viel schief. Es wurde immer mehr Geld ausgegeben als eingenommen, und es waren oft die falschen Leute am Werk, leider.“ Nach Sorgs Einschätzung könnte Borussia Neunkirchen „mit gutem Vorstand und einem Sportdirektor mit Kontakten heute locker Regionalliga spielen“.

Die alten Kassenhäuschen unter der Tribüne des denkmalgeschützten Ellenfeld-Stadions.
Die alten Kassenhäuschen unter der Tribüne des denkmalgeschützten Ellenfeld-Stadions.

Doch es kam anders. Vor vier Wochen schienen die Lichter bei Borussia Neunkirchen ganz auszugehen. Der Traditionsverein aus dem Saarland, drei Jahre Erstligist in den Anfangsjahren der Bundesliga, war im Herbst zum dritten Mal in ein Insolvenzverfahren gerutscht. Damals wollte der Vorstand noch kämpfen und Sponsoren finden, die das Überleben des Vereins sichern. Doch Ende März trat das Vorstandstrio geschlossen zurück.

Stefan Kuntz und Jay-Jay Okocha

Zeitgleich erklärte der Insolvenzverwalter alle Versuche, den Verein zu sanieren für gescheitert. Es sei einfach nicht genügend Kapital vorhanden oder eingegangen, um den Gläubigern eine Quote anbieten zu können, die höher ausfällt als bei einer Auflösung des Vereins. Mit anderen Worten: Finden sich nicht auf die Schnelle Sponsoren, die eine erhebliche Summe aufbringen, hört Borussia Neunkirchen auf zu existieren; der Verein, für den Spieler wie Günter, Michael und Stefan Kuntz, Jay-Jay Okocha, Gerd Zewe und Rudi Dörrenbächer im inzwischen denkmalgeschützten Ellenfeld-Stadion aufliefen.

Torwart Benjamin Sorg (heute 40) im Trikot von Borussia Neunkirchen.
Torwart Benjamin Sorg (heute 40) im Trikot von Borussia Neunkirchen.

Dem Vernehmen nach schuldet der Verein den Gläubigern ein paar Hunderttausend Euro, das meiste davon der Berufsgenossenschaft. Folglich müssten wohl mehrere zehntausend Euro aufgetrieben werden, um den Gläubigern ein akzeptables Angebot machen zu können.

In dieser heiklen Situation versucht Spielleiter Boris Schellenberg alles, um die laufende Saison sportlich zu Ende zu bringen. Nur wenn die Borussia bis zum letzten Spieltag der Saarlandliga antritt, erhält sie sich die Chance, regulär abzusteigen und in der kommenden Saison in der Verbandsliga zu spielen. Da im Winter alle bisherigen Spieler das Weite suchten, weil der Verein sie nicht mehr bezahlen konnte, stellte Schellenberg ein Team von Spielern aus der Jugend und der zweiten Mannschaft zusammen, das nun fast jeden Sonntag zweistellig verliert, aber eben antritt. Auch wenn am vorvergangenen Sonntag nur zwölf Spieler da waren und Schellenberg mit seinen 48 Jahren und lädiertem Bein selbst mitkicken musste, zeigt er sich überzeugt, die Saison durchzustehen: „Es sind nur noch vier Spiele. Das schaffen wir, zumal wir noch einmal im Ellenfeld auflaufen.“

Die zweite Voraussetzung für die Zulassung zur Verbandsliga 2026/27 ist, dass das Insolvenzverfahren nicht mangels Masse mit der Auflösung des Vereins endet.

Sorg und Stumpf (links hinterm Linienrichter) laufen hintereinander zum Pokalspiel gegen den 1. FC Saarbrücken ins Ellenfeld ein
Sorg und Stumpf (links hinterm Linienrichter) laufen hintereinander zum Pokalspiel gegen den 1. FC Saarbrücken ins Ellenfeld ein. 8000 Zuschauer kamen.

Für Schellenberg ist noch nicht aller Tage Abend. Er sagt, dieser Tage hätten sich drei Personen, die dem Verein seit Jahrzehnten verbunden sind, dem Insolvenzverwalter als Notvorstand angeboten. Das Trio habe zudem eine größere Summe aufgetrieben, die ausreichen könnte, so Schellenbergs Hoffnung, das Insolvenzverfahren positiv zu beenden. Der Insolvenzverwalter selbst reagierte auf schriftliche und telefonische Anfragen der RHEINPFALZ nicht.

Verdacht auf schmutzige Glasfaser-Geschäfte

Der bisherige Vorstand begründete seinen Rückzug im März zwar damit, dass ihm „die notwendige Kraft“ für die weitere Arbeit fehle. Aber er hatte den Verein irgendwie auch dahin geritten, wo er sich jetzt befindet: im Schlamassel. Seit Herbst ermittelt zudem die Staatsanwaltschaft gegen elf Personen wegen des Verdachts, dass zur Finanzierung von Borussia Neunkirchen schmutzige Geschäfte liefen. Bestimmte Firmen hätten von der Deutschen Glasfaser nur dann Aufträge zur Verlegung von Kabel im Saarland erhalten, wenn im Gegenzug Geld an Borussia floss.

Das Ellenfeld-Stadion ist das einzige originalerhaltene Stadion aus den Anfängen der Fußball-Bundesliga. So kann man es positiv
Das Ellenfeld-Stadion ist das einzige originalerhaltene Stadion aus den Anfängen der Fußball-Bundesliga. So kann man es positiv ausdrücken.

Einer aus dem alten Vorstands war für die Deutsche Glasfaser tätig, trat längere Zeit sogar als deren Repräsentant auf. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft zwar nicht, aber dass der Verein nach Bekanntwerden der Ermittlungen in dieser Konstellation keine neuen Geldgeber fand, verwundert nicht. Neben den Glasfaser-Ermittlungen gab vor allem auch eine Niederlage in einem Rechtsstreit den Ausschlag dafür, sich für zahlungsunfähig zu erklären, wie ein Insider der RHEINPFALZ berichtet. Ihm zufolge stritt sich der Verein über Jahre mit der Berufsgenossenschaft über die Höhe ausstehender Zahlungen aus Oberliga-Zeiten. Die juristische Niederlage besiegelte die Überschuldung.

Mit Bernhard Roth (69) leidet ein weiterer ehemaliger Borusse aus Breitenbach in der Pfalz – er wohnt keine zehn Häuser von Sorg entfernt – mit seinem Ex-Verein. Roth war in den Zweitliga-Jahren der Borussia ihr Mittelstürmer. Ihm tut es besonders leid „ums Umfeld dieses Traditionsvereins, um die vielen Leute, die ehrliche Arbeit geschafft haben und nur für den Verein da waren, sich rührend gekümmert haben, ohne einen Pfennig dafür zu bekommen“.

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