Fußball
Bielefelds pfälzischer Pokalheld Russo: "Stressen die Gegner über 90 Minuten"
Herr Russo, fühlt sich das im Moment alles wie ein Traum an? Am Samstag spielen Sie und Ihre Mannschaft das DFB-Pokal-Finale gegen den VfB Stuttgart.
Mittlerweile haben wir realisiert, was wir geschafft haben. Das ist für uns alle natürlich ein ganz besonderes Ereignis, das größte Spiel im deutschen Fußball. Es fühlt sich einfach gut an zu wissen, dass wir es aus eigener Kraft hierhin geschafft haben.
Die Arminia war im Halbfinale gegen Bayer Leverkusen die bessere Mannschaft. Wie hat das Team das geschafft?
Wir haben den absoluten Glauben an unsere Stärke gehabt und den Willen, es unbedingt durchziehen zu wollen. Uns war klar, dass wir von 100 Spielen vielleicht nur eines gewinnen. Aber warum sollte es nicht genau dieses sein?
Bayer Leverkusen war schon der vierte Bundesligist, den Bielefeld aus dem Wettbewerb warf: nach Union Berlin, dem SC Freiburg und Werder Bremen. Wie kann man das erklären?
Wir sind sicher in kein Spiel als Favorit gegangen. Allerdings steigt natürlich von Runde zu Runde das Selbstvertrauen in die eigene Stärke. Wir spielen sehr intensiv, gehen hohe Intensitäten und stressen die Gegner früh – und das über 90 Minuten. Das ist sicherlich ein Schlüssel zum Erfolg.
Was kommt da auf den VfB Stuttgart zu?
Eine hochmotivierte und disziplinierte Mannschaft, die das Pokalfinale gewinnen will.
Sie treffen vielleicht im Finale auf den offensiven Mittelfeldspieler Enzo Millot. Wie würden Sie diese Aufgabe betrachten?
Ich glaube, dass Stuttgart sehr viele gute Spieler im Kader hat. Es auf einen zu reduzieren, würde der Sache nicht gerecht werden.
Haben Sie schon mal im Berliner Olympia-Stadion gespielt? Waren Sie mal dort?
Nein, bisher habe ich da noch nicht gespielt. Das wird eine Premiere.
Und als Krönung gab es dann ja auch noch den Aufstieg in die Zweite Liga. Unglaublich.
Wir spielten in der Liga eine sehr gute Saison, sind auch während der vergangenen Monate erwachsener und reifer geworden. Man merkt uns an, dass wir kaum noch Fehler machen. Und selbst wenn, lassen wir uns davon nicht beeindrucken.
Kann man persönlich mit so einer Saison rechnen, wenn man von Viktoria Köln kommt?
Ich hatte vor meiner Verpflichtung im vergangenen Jahr sehr gute Gespräche mit unserem Cheftrainer Mitch Kniat und unserem Geschäftsführer Michael Mutzel. Sie haben wir einen klaren Plan für mich und die Mannschaft aufgezeigt. Das hat mir imponiert, und im Moment setzen wir alles einfach gut um.
Warum haben Sie den SV Waldhof verlassen? Dort waren Sie drei Spielzeiten.
Weil ich einen neuen Schritt wagen wollte und ich es für den richtigen Zeitpunkt hielt.
Wie waren Ihre Anfänge beim VfR Friesenheim? Gab es jemanden, der Sie besonders gefördert hat?
Mein Vater, Santo Russo, hat mich besonders gefördert und geprägt. Er hat mich von den Kleinsten, also den Bambini, bis zur U13 trainiert. Das war eine tolle Zeit, auf die ich gerne zurückblicke.
Welche Beziehung haben Sie noch zu Ludwigshafen?
Meine ganze Familie lebt noch da. Sofern es die Zeit erlaubt, bin ich in Ludwigshafen. Deswegen habe ich nach wie vor eine sehr gute Beziehung hierhin.
Zurück auf die Bielefelder Alm: Sie haben gerade Ihren Vertrag verlängert …
Diese Saison war für uns alle überragend. Ein Teil dieser Mannschaft zu sein macht mich richtig stolz, und ich sehe unseren Weg bei Weitem noch nicht abgeschlossen.
Zur Person
Der 24-jährige Stefan Russo erlernte das Fußballspielen beim VfR Friesenheim. Von dort wechselte er 2012 in die Nachwuchsabteilung der TSG Hoffenheim. 2018 schloss er sich der U19 des FC Augsburg an. Im Jahr 2019 kam er in der zweiten Mannschaft des FCA zum Einsatz. Im November 2020 ging’s zum SV Waldhof Mannheim. 2023/2024 spielte er bei Viktoria Köln, danach ging es auf die Bielefelder Alm.