FCK
Balsam für die Stürmerseele – und für viele ein ganz besonderer Tag
Ungewohnt. Seltsam anmutend. Im Mannschaftsbus des SV Sandhausen ist Carlo Sickinger an diesem trüben, windigen Mittwochnachmittag auf dem Gelände des Nachwuchsleistungszentrums des 1. FC Kaiserslautern auf dem Fröhnerhof vorgefahren worden. „Ein komisches Gefühl, aber auch ein gutes, es ist eine hervorragende Anlage hier“, sagte der 23 Jahre alte Neuzugang des SVS nach der kurzen Rückkehr an die alte Wirkungsstätte. Im Sportpark Rote Teufel hat Sickinger viele, viele Stunden als Juniorenspieler des FCK verbracht. Neun Jahre war er für Kaiserslautern aktiv, 2012 kam er aus der Jugend des SV Sandhausen in die Pfalz. Vor Kurzem ist der Defensivakteur zurück zum SVS gewechselt, nachdem sein Vertrag beim FCK ausgelaufen war. Sich woanders weiterentwickeln und eine Liga höher spielen, das waren für ihn wichtige Gründe.
Carlo Sickinger als Dirigent
Nun, Sickinger war bei der verdienten 0:4 (0:1)-Niederlage des SVS beim klassentieferen, aber klar stärkeren FCK als Dirigent im defensiven zentralen Mittelfeld der Beste bei Sandhausen – mit Christian Kinsombi, der die einzigen beiden Chancen für den Zweitligisten besaß (31., 33.). Andere der vielen Neuzugänge bei den Kurpfälzern blieben blass, auch der von YB Bern gekommene Gianluca Gaudino (24), Sohn von Maurizio Gaudino, war kaum zu sehen. Die Lauterer waren wach. Aggressiv. „Sie haben uns nahezu alle Bälle weggefressen“, sagte Stefan Kulovits, der mit Gerhard Kleppinger Sandhausens Trainerteam bildet. Der 38-Jährige weiß, dass noch viel Arbeit wartet.
Marlon Ritter stark verbessert
Für den FCK trafen Angreifer Elias Huth (26., 56.), der in neuer Rolle als spielender Sechser stark verbesserte Marlon Ritter (58.) und Linksverteidiger Hendrick Zuck (80.).
Beim SV Sandhausen, bei dem traditionell viele Ex-Lauterer beschäftigt sind, spielten am Mittwoch unter anderem Jannik Bachmann sowie später Anas Ouahim und Alexander Esswein.
Gerry Ehrmann als Zaungast
Noch mehr FCK-Vergangenheit schaute zu: Unter anderem Ex-Torwarttrainer Gerry Ehrmann (62), der einstige Torjäger und jetzige FCK-Chefscout Olaf Marschall (55) und natürlich Sportchef Thomas Hengen (46) – reichlich Erstligaerfahrung genau 70 Jahre nach dem Gewinn des ersten deutschen Meistertitels in der Geschichte des FCK. Damals, am 30. Juni 1951, siegten die Lauterer im Endspiel gegen den SC Preußen Münster – sehr viel später der Ex-Verein des heutigen FCK-Trainers Marco Antwerpen (49) – mit 2:1. Die von Richard Schneider trainierten und von Fritz Walter als Kapitän angeführten Lauterer drehten nach Felix Gerritzens 1:0 (47.) durch zwei Tore von Ottmar Walter (61. und 74. Minute) das Spiel.
85.000 vor 70 Jahren
Die Partie an diesem Mittwoch im Jahr 2021 war von ihren Voraussetzungen her natürlich gar kein Vergleich zu jenem Juni-Samstag vor 70 Jahren, als 85.000 Besucher zum Duell um die Fußballkrone der Nation ins Berliner Olympiastadion pilgerten. Der Test, der dem FCK zur Vorbereitung auf die Drittligarunde und dem SVS auf die Zweitligasaison diente, fand aus organisatorischen Gründen ohne zahlende Zuschauer statt.
FCK-Stürmer Huth fühlte sich trotzdem wohl, tankte nach einem für ihn schwierigen Jahr Selbstbewusstsein. Wechselgedanken hege er nicht mehr: „Ich bin froh, dass ich jetzt viele Einsatzminuten habe, und ich bleibe hier.“ Das bestätigte Antwerpen vorerst auch für Mittelfeldmann Ritter, dem der Trainer eine positive Entwicklung attestierte.
Generell war der Kaiserslauterer Chefcoach froh über viele Torchancen, vier Treffer, eine recht hohe Laufleistung und geschickte Spielverlagerungen seines Teams. All das machte Carlo Sickinger und seinen neuen Kollegen spürbar zu schaffen.
So spielten sie
1. FC Kaiserslautern: Raab - Hercher (46. Schad), Tomiak (57. Kraus), Senger (57. Winkler), Zuck - Ritter, Sessa (46. Niehues) - Zimmer (57. Gözütok), Wunderlich (57. Redondo), Klingenburg - Huth
SV Sandhausen, 1. Hz.: Drewes - Sicker, Zhirov, Höhn, Jung - Sickinger, Gaudino, Bachmann - Kinsombi, del Valle, Pena Zauner
SV Sandhausen, 2. Hz.: Eisele - Schwab, Röseler, Kister, Franz - Sickinger (71. Jung), Ouahim, Zenga - Sicker (52. del Valle), Esswein, Pena Zauner
Tore: 1:0 Huth (26.), 2:0 Huth (56.), 3:0 Ritter (58.), 4:0 Zuck (80.) - Beste Spieler: Huth, Ritter, Zuck, Hercher - Sickinger, Kinsombi - Schiedsrichter: Gerach (Landau).
