Sport Axel Roos: „Der FCK muss zu seiner Identität zurückfinden“

Axel Roos (weiße Jacke) inmitten seiner Musikerfreunde.
Axel Roos (weiße Jacke) inmitten seiner Musikerfreunde. Foto: PRIVAT/FREI

Axel Roos (55) gehört zu den Legenden des 1. FC Kaiserslautern: Heute betreibt er eine Fußballschule und tritt als Gastmusiker mit „Carpe Diem Unerhört & Freunde“ bei Benefizkonzerten auf. Roos spielt Klavier, Gitarre und das armenische Blasinstrument Duduk. Das Tour-Finale findet am 22. November (19 Uhr) im Emmerich-Smola-Saal des SWR in Kaiserslautern statt.

22 Jahre trug der „treue Axel“ das Trikot der Roten Teufel, 17 Jahre war er Profi, bestritt 328 Punktspiele. Roos, verheiratet, zwei Söhne, die studieren, wurde mit dem FCK 1991 und 1998 deutscher Meister, 1990 und 1996 DFB-Pokalsieger. Herr Roos – was macht diese Konzerte so besonders?
Die Band der Reha-Westpfalz-Förderstätte Landstuhl gibt’s seit 25 Jahren – es ist eine integrative Band; Behinderte und Nicht-Behinderte musizieren zusammen. Das macht den besonderen Reiz und Charakter aus. Achim Pauli ist der Bandleader. Als Gastmusiker sind Isabel Fuchs und Manuel Lothschütz von der speziell in der Westpfalz sehr renommierten Band „Die üblichen Verdächtigen“ dabei. Diese Band macht jetzt auch fünf Weihnachtskonzerte bei denen ich dabei sein darf. Das ist eine große Ehre für mich. Das Finale am 22. November findet wieder beim SWR statt…
Ich allein habe über 70 Anfragen für Karten. 300 Plätze gibt es – ich denke es wird wieder voll. Ich fühle mich wohl bei der ganzen Sache, mir geht es gut, wenn ich sehe wie glücklich die Menschen dabei sind. Wir haben Spaß miteinander – du kannst, du darfst auch Fehler auf der Bühne machen. Du kannst den Menschen aber auch viel geben. Von Norbert Thines, unserem Präsidenten damals beim FCK , habe ich gelernt, wie wichtig es ist, sich sozial zu engagieren. Norbert hat mir gesagt: Axel, du stehst in der Öffentlichkeit, du bist irgendwo auch Vorbild, du musst dich einbringen. Das tue ich gerne! Seit wann gibt’s Ihre Fußballschule?
Seit 2006. Als ich aus Albanien zurück kam, ich war dort ja Co-Trainer von Peter Briegel bei der Nationalmannschaft, habe ich mir überlegt: Was machst du jetzt? Fußballcamps waren damals ja total angesagt. Wenn du eine Fußballschule machst, brauchst du einen langen Atem. Es gab ja mit dem FCK immer mal wieder Gespräche und Kontakt über Zusammenarbeit – man hat sich mit mir über die Schule und über Fußballcamps unterhalten, mich ausgehorcht und dann selbst Feriencamps gemacht. Aus Ihrer Fußballschule wurde ein Verein, wie viele Jugend-Mannschaften haben Sie im Spielbetrieb, wie viele Kids sind in der Fußballschule?
In der Fußballschule derzeit rund 100. Wir haben mit dem SFC Kaiserslautern, dem Sport- und Fußballclub Kaiserslautern, fünf Mannschaften im Spielbetrieb, haben eine Kooperation mit der JFV Nordwestpfalz. Am besten wäre eine Kooperation mit dem FCK, der auch von unserem Scouting und unserer Ausbildung profitieren würde. Aber das will man irgendwie nicht. Da hieß es dann – du arbeitest ja mit Hoffenheim zusammen, obwohl seit Bestehen der Fußballschule und des Vereins über 70 Kids zum FCK und lediglich drei nach Hoffenheim gewechselt sind. Wie ist das mit der Zusammenarbeit mit Hoffenheim denn wirklich?
Beim Ausbau auf unserem Gelände hat mich Herr Hopp finanziell unterstützt, weil er mein soziales Engagement schätzt. Unsere Trainer können sich in Hoffenheim weiterbilden, wir haben Testspiele. Wir empfehlen auch Talente weiter. Wenn Spieler von uns nach Mainz, Homburg oder Elversberg gehen haben wir immer etwas bekommen. Vom FCK gab es noch nie etwas. Ich habe in der Sache an Herrn Bader geschrieben, aber nie eine Antwort erhalten. Wir stehen für eine gute Ausbildung, haben sehr gute Trainer wie Thomas Riedl, Stefan Caporaso und Andreas Gaebler, die auch Fußballprofis waren. Gerade im unteren Bereich ist es wichtig, dass die Jungs eine gute Basis bekommen. Bei uns spielte Jonna Brengel, die jetzt beim SC Freiburg ist, und auch Weston Mc Kennie, den ich bei Phönix Otterbach trainierte, der dann mit seinem Vater zurück in die USA ging, und jetzt Profi in Schalke ist. Der FCK war Ihre große Fußball-Liebe – warum sind Sie ausgetreten?
Das war in der Zeit von Stefan Kuntz. Es gab immer wieder Gespräche über Funktionen, Zusammenarbeit, Kooperation – dann habe ich nie wieder was gehört. Ich habe 22 Jahre für den FCK gespielt, 17 als Profi. Aber es ist schon so: Der Prophet gilt nichts im eigenen Land. Wie sehen Sie die sportliche Talfahrt des FCK – die Mannschaft steckt in der Dritten Liga mitten im Abstiegskampf?
So lange es in der Führung nicht stimmt, stimmt es auch auf dem Platz nicht. Ich kann nur an alle appellieren zusammen zuhalten, um die Mannschaft zu unterstützen. Was muss passieren, dass Axel Roos wieder FCK-Mitglied wird?
Ich war noch nie weg! Ich lese und verfolge alles über den FCK in der RHEINPFALZ und medial, aber mir hat in all den Jahren nach meiner Karriere – wie bei vielen meiner Ex-Kollegen – die Wertschätzung gefehlt. Ein Team mit vertrauenswürdigen Menschen ist für mich ganz wichtig um erfolgreich zu sein. Hans-Peter Briegel hat vorgeschlagen, dass Sie mit Ihrer großen Erfahrung als Jugendtrainer und als erfolgreicher Ausbilder das Nachwuchsleistungszentrum leiten sollten. Ist das für Sie nach den Neuwahlen und mit neuer Führung denkbar?
Ich arbeite gerne mit einem Team. Im heutigen Fußballgeschäft ist die Teamarbeit unheimlich wichtig. Ich weiß nicht, wie die Konstellation im FCK nach dem 1. Dezember sein wird, ich bin für alles offen. Wer sich mit Fußball beschäftigt weiß, dass Otto Rehhagels Satz – Geld schießt Tore – richtig ist. Der FCK wird nur wieder Erfolg haben, wenn er zu seiner Authentizität und Identität zurückfindet. | Interview: Horst Konzok