Handball
28:32 gegen Spanien – das frühe WM-Aus droht
Wie schon zwei Tage zuvor nach der Niederlage gegen Ungarn schlichen die Spieler des Deutsche Handballbundes (DHB) und Bundestrainer Alfred Gislason mit hängenden Köpfen vom Feld. Sie hatten über weite Strecken richtig gut gespielt, aber letztlich gegen clevere Spanier chancenlos. Bundestrainer Alfred Gislason sagte nach dem Spiel: „Wir haben überragend gespielt und sind dann zu viel Risiko gegangen. Wir haben mehrere freie Bälle verworfen und uns alles kaputt gemacht.“
Das Problem vor der Pause war nicht die deutsche Abwehr, obwohl kurz vor der WM der Innenblock neu besetzt werden musste. Einer der Ersatzspieler, Sebastian Firnhaber, bekam bereits in der zehnten Minute zum zweiten Mal zwei Minuten und blieb danach auf der Bank. Die Defensivreihe um Johannes Golla und Fabian Böhm, der für Firnhaber kam, machte einen guten Job gegen die cleveren Spanier.
Spaniens Keeper Corrales überragend
Der Drei-Tore-Rückstand nach 30 Minuten (13:16) resultierte aus den Schwierigkeiten im Angriff, besser gesagt aus der schlechten Chancenverwertung. Die Iberer sorgten mit einer offensiven 5+1-Abwehr für Stress bei den deutschen Angreifern. Dennoch spielten sich Spielmacher Philipp Weber und Co. immer wieder beste Chancen heraus, die sie aber nicht nutzten. Der spanische Keeper Rodrigo Corrales wurde zum herausragenden Akteur des Europameisters, er hatte zur Pause bereits acht Paraden gezeigt. Daraus resultierten immer wieder einfache Tore über den Gegenstoß, zudem wurden die Deutschen zwei Mal von der schnellen Mitte überrascht – die kampfstarke DHB-Auswahl hatte sich den Rückstand selbst zuzuschreiben, er war keinem übermächtigen Gegner geschuldet.
Diese Tatsache musste den Deutschen Hoffnung geben. Direkt nach der Pause halfen ein paar Paraden von Johannes Bitter, der kurz vor dem Wechsel für Andreas Wolff ins Tor gekommen war, um wieder Anschluss zu finden. Kai Häfner und Timo Kastening sorgten in der 36. Minute mit ihren Treffern für den 18:18-Ausgleich. Kurz darauf – Parade Bitter, Gegenstoßtor Kastening – führten die Deutschen beim 20:19 erstmals nach der Anfangsphase wieder (38.).
Nach 43 Minuten mit 25:22 vorne, aber dann ...
Plötzlich war der Glaube in der fast menschenleeren Halle spürbar, die Gislason-Schützlinge strahlten die Überzeugung aus, die im ersten Abschnitt nicht immer sichtbar geworden war. Im Angriff kam der junge Juri Knorr aufs Feld und bildete mit Weber und Häfner eine formidable Rückraumachse. Der 20-Jährige strahlte Torgefahr aus und gefiel mit klugen Anspielen. Nach 43 Minuten lagen die Deutschen 25:22 vorne. Doch die Freude währte nur kurz, vier Minuten später waren die Spanier beim 26:25 wieder in Führung gegangen.
Wenig später hatte Uwe Gensheimer einen Gegenstoß verworfen, Timo Kastening eine gute Chance vergeben und Marcel Schiller einen Siebenmeter an die Latte geballert – Spanien war in einer kritischen Phase ruhig geblieben und führte nach 51 Minuten 28:25. Jetzt waren die Iberer zu erfahren, um diesen Vorsprung noch einmal aus der Hand zu geben. Die Deutschen probierten in den Schlussminuten noch einmal alles, aber ausgerechnet in der stärksten Phase hatten sie kurzzeitig den Kopf verloren. Der starke Johannes Bitter bilanzierte: „Wir haben ein geiles Spiel gemacht, haben stark dagegengehalten, dann haben uns ein paar dumme Fehler das Genick gebrochen.“
So spielten sie
Deutschland: Wolff, Bitter (ab 28.) - Häfner (6), Weber (2), Kühn - Kastening (7), Gensheimer (3) - Golla (4) - Knorr (1), Firnhaber, Groetzki, Schiller (3/3), Böhm, Preuss, Schmidt, Drux (2)
Spanien: Corrales, Perez de Vargas (ab 40.) - Alex Duschebajew (5), Entrerrios (4), Daniel Duschebajew (3) - Sole (5/3), Fernandez (6) - Marchan - Maqueda (2), Sarmiento (2), Figueras (2), Canellas (2), Morros, Gomez (1), Arino, Guardiola
Spielfilm: 2:2 (7.), 6:9 (15.), 9:13 (25.), 13:16 (Hz.), 20:19 (38.), 25:22 (43.), 25:28 (51.), 28:32 (Ende) - Beste Spieler: Häfner, Kastening - Corrales, Entrerrios - Siebenmeter: 4/3 - 4/3 - Zeitstrafen: 5/3 - Rote Karte: Firnhaber (55., dritte Zeitstrafe) - Schiedsrichter: Gubica/Milosevic (Kroatien).