Meinung
Über die Langeweile im Bundesliga-Titelkampf – und was der FCK damit zu tun hat
Über chronische Langeweile zu lamentieren ist … genau, ziemlich langweilig. An dieser Stelle könnte der nächste Kommentar über die drohende Langeweile im Bundesliga-Titelkampf stehen. Das wäre aber … genau, ziemlich langweilig. Also versuchen wir etwas anderes.
Wohin steuert die Fußball-Bundesliga, wenn der Meister spätestens mit Ende der ersten Transferperiode der Saison feststeht?
Wenn Ausnahmen wie in 2023/24 die Regel nur bestätigen? Und selbst dann das nach Abwechslung dürstende Fußballvolk nicht froh machen – weil der Unterschied zwischen Dauermeister und Titel-Eintagsfliege nur ein n (Bayer statt Bayern) ist und kaum jemand im Rest der Republik nachts von Leverkusen träumt?
Rückzug in die Standort-Nischen?
Vielleicht ist die Bundesliga auf dem Weg dorthin, wo andere deutsche Sportligen sich schon lange befinden – und es sich für sie sogar ganz gut leben lässt: in der Nische der Standorte. In Kiel oder Melsungen funktioniert der Handball blendend, ebenso wie in Mannheim oder Köln das Eishockey, aktuell in Trier der Basketball oder in Stuttgart und Schwerin der Frauen-Volleyball. Abseits davon herrscht recht viel Gleichgültigkeit diesen Sportarten gegenüber.
So weit ist der Fußball noch lange nicht. Doch haben sich 17 von 18 Klubs und ihre Anhängerschaft eigene Ziele gesetzt, sozusagen ein Mikroklima geschaffen. In Heidenheim will man nicht absteigen, in Leipzig irgendwann mal geliebt werden, in Dortmund die meisten Zuschauer haben und in Freiburg anders sein als in Leipzig. Nur: Mit der Meisterschaft hat das nicht viel zu tun.
Der FCK zieht viel mehr als die Bundesliga
Ein Problem? Im Moment noch nicht. Ansatzweise aber dort, wo keine Standort-Nische ist. Wir spüren in unseren Leseauswertungen, dass die Pfalz (schon lange – oder noch?) keinen Erstligisten hat. Texte über den 1. FC Kaiserslautern laufen um ein Vielfaches besser – und auch jene über ihre Zweitliga-Gegner. Das Interesse an der Berichterstattung aus Leverkusen, Augsburg, selbst München? Zumeist überschaubar.
Das könnte schon damit zu tun haben, dass die Grundidee des Wettbewerbs nur eingeschränkt funktioniert: am 34. Spieltag einen Meister zu küren und vorher 33 Spieltage lang gespannt auf diesen zu sein.