FCK RHEINPFALZ Plus Artikel Ärger im Spiel gegen die Bayern: Herr Potemkin lupft die Fahne

Belebendes Element: Marlon Ritter bereitete das 1:1 vor – und das vermeintliche 2:1.
Belebendes Element: Marlon Ritter bereitete das 1:1 vor – und das vermeintliche 2:1.

Kennen Sie den Begriff „Potemkinsche Dörfer“? Nun, ohne zu sehr in die russische Geschichte des 18. Jahrhunderts vorzudringen: Er fußt auf der unwahren Geschichte, Grigori Alexandrowitsch Potjomkin, deutsch Potemkin, Fürst, Feldmarschall sowie Vertrauter und Liebhaber der Zarin Katharina der Großen, habe auf einer Reise durch Neurussland Kulissen von Dörfern aufgestellt und Menschen von einem Ort zum anderen karren lassen, um der Herzdame Entwicklung und Wohlstand vorzugaukeln. Das „Potemkinsche Dorf“ steht demnach als Synonym für das Vortäuschen falscher Tatsachen. Roman Potemkin täuschte tatsächlich etwas Falsches vor – wenn auch unabsichtlich, das sei an dieser Stelle angenommen.

Assistent Roman Potemkin irrt

Er lupfte in seiner Rolle als Linienassistent die Fahne, nachdem der Kaiserslauterer Offensivspieler Kenny Prince Redondo in der Drittligapartie gegen den FC Bayern München II das 2:1 erzielt hatte. Der 26-Jährige hatte sich mit Vorlagengeber Marvin Pourié und weiteren Kameraden schon auf den Weg gemacht, ein Jubelträubchen zu bilden – und musste den Freudenmarsch kurzerhand abbrechen. Abseits. Doch Potemkin irrte. Münchens Verteidiger Jamie Lawrence stand näher zum eigenen Tor, als Pourié die Hereingabe Marlons Ritters auf Redondo ablegte. „Ich hatte auch selber nicht das Gefühl, dass ich im Abseits stand“, sagte Redondo später. Flankengeber Ritter meinte: „Wir waren alle schon auf dem Weg Richtung Jubel. Die Fahne kam ziemlich spät, würde ich sagen.“

„Einfach nur sauer“

Kam sie. Es dauerte ein paar Sekunden, ehe der 30-jährige Assistent Schiedsrichter Nicolas Winter signalisierte, der Treffer verdiene keine Anerkennung. Sehr zum Missfallen des Kaiserslauterer Trainers Marco Antwerpen. „Mit dem Schiedsrichter sind wir nicht einverstanden. Über 90 Minuten ging das oftmals in die andere Richtung, da haben wir uns schon benachteiligt gefühlt“, führte Antwerpen in seiner Analyse aus. „Die Krönung ist dann, dass du dieses Tor nicht durchwinkst. Ich fragte ihn (den Assistenten): Wie sicher bist du dir? Er sagte: ,Ich musste das noch mal Revue passieren lassen.’ Er war unsicher, das hat man gemerkt. Und wenn du dir nicht sicher bist, darfst du die Fahne nicht heben.“ Für den FCK sei diese Entscheidung „ganz, ganz bitter. Darüber sind wir nicht enttäuscht, sondern einfach nur sauer“.

Auch Trainerkollege Holger Seitz gab Antwerpen Rätsel auf. Schon während der Partie hatten beide sich verbal immer wieder duelliert, vor der Pressekonferenz setzte der Abtausch sich fort. Als bei Youtube noch kein Bild zu sehen, der Ton aber bereits zu hören war, sagte Antwerpen: „Ey, ihr habt uns doch schon das ganze Spiel beleidigt ...“

Der FCK ist selbst schuld

Dass der FCK unter Antwerpens Ägide nicht zum zweiten Sieg in der zweiten Partie kam, hatte er sich jedoch selbst zuzuschreiben. Ab der 51. Minute spielten die Roten Teufel in Überzahl, sie schluckten dennoch das 0:1 und vergaben (wie zuvor) hochkarätige Chancen. Daniel Hanslik durfte sich indes freuen, er markierte mit seinem ersten Treffer für den FCK den Ausgleich. „Wir haben über 90 Minuten ein gutes Heimspiel gemacht und attraktiven Fußball gespielt“, resümierte der Stürmer. „Es ist dann natürlich ein bisschen ärgerlich, dass man eine Chance zulässt und die reingeht. Am Ende fehlt die Chancenverwertung, aber das kann nächste Woche ganz anders aussehen.“

„Zwei verlorene Punkte“

Marlon Ritter hatte Hansliks Premierentor aufgelegt, der 26-Jährige belebte nach seiner Einwechslung das Lauterer Spiel spürbar. Seine Eindrücke fasste er wie folgt zusammen: „Wir haben über 90 Minuten das Spiel gemacht. Wir können mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein.“ Ein Resümee, das Jean Zimmer teilte: „Es ist sehr bitter, dass wir nicht gewonnen haben. Wir hatten genügend Chancen, machen sogar noch ein Tor, das abseits gegeben wird, obwohl es keins ist. Ich bin sehr, sehr traurig und unglücklich darüber, dass wir nicht gewonnen haben.“ Kenny Prince Redondo fand: „Es ist ein sehr bitteres 1:1. Wir haben viele gute Chancen gehabt, viele gute Aktionen, wir haben auch gut dagegengehalten und sind gut zurückgekommen. Am Ende sind es zwei verlorene Punkte.“

Effizienz und Standards – das alte Manko

Gleichwohl, der Auftritt macht unter mehreren Aspekten Mut. Trotz des Rübenackers auf dem Betzenberg präsentierte der FCK eine verbesserte Spielanlage, ohne Stabilität einzubüßen – abgesehen vom Gegentor. Die Mannschaft zeigte Moral, nach dem 0:1 durch Dimitri Oberlin schaffte sie rasch die Kehrtwende, drückte den Kontrahenten in die Defensive und kam dem Sieg nahe. „Wir haben als Einheit funktioniert“, sagte Daniel Hanslik. Die Effizienz bleibt ein Problem; wie die Standards. Marco Antwerpen würde von sich selbst wohl auch nie behaupten, ein Wunderheiler zu sein. Es läge ihm fern, falsche Tatsachen vorzutäuschen.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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