Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Hoffenheims Frauen beim Neustart ohne Trainer

Am Spielfeldrand beim ersten Sieg 2020: Jürgen Ehrmann am 1. März beim 4:1-Erfolg der TSG-Frauen über den SC Freiburg.
Am Spielfeldrand beim ersten Sieg 2020: Jürgen Ehrmann am 1. März beim 4:1-Erfolg der TSG-Frauen über den SC Freiburg.

Was lange währt, wird gut: So oder so ähnlich lässt sich die Erfolgsgeschichte des Hoffenheimer Frauen-Fußballs überschreiben. Seit über zehn Jahren ist Jürgen Ehrmann Trainer, nun fehlt er zum ersten mal überhaupt bei einem Spiel, wenn die TSG am Samstag (13 Uhr) beim FC Bayern München zum Kracher beim Bundesliga-Neustart antritt.

Vorhang auf für die Frauen, die beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) im Gleichschritt mit der Dritten Liga vom kommenden Wochenende an den Spielbetrieb wieder aufnehmen dürfen. Es ist ein Privileg, das für die Bundesligafrauen aber auch eine ganze Reihe von Herausforderungen mit sich bringt. Und das fängt beim Trainer an, denn Ehrmann wird in der Spitzen-Begegnung des 17. Spieltags nicht am Spielfeldrand stehen. Der 59-Jährige verpasst als Berufsschullehrer auch diese Quarantäne-Woche im Hotel. Seine Schüler an der Heinrich-Hübsch-Schule in Karlsruhe stehen vor Prüfungen. Also geht der Beruf vor. Und das noch nicht mal schweren Herzens. „Ich habe mich kurz geärgert“, sagt Ehrmann, der sich dann aber auch schnell damit abgefunden hat.

Co-Trainer Gallai ist in München auf der Bank

Im dritten Jahr schon steht ihm in Gabor Gallai ein festangestellter Trainer zur Seite. Der Assistent beobachtet Spiele normalerweise in der ersten Halbzeit von der Tribüne aus, so dass in der Pause in der Kabine Spielszenen betrachtet werden können. Aber in München wird das nicht gehen, weil der Chef, der eigentlich der emotionale Antreiber an der Seitenlinie ist, eben fehlt.

Die Hoffenheimerinnen liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Münchnerinnen um Platz zwei. Das Hinspiel hatte die TSG mit 1:0 gewonnen. „Wir hatten uns in der Pause vorgenommen, die Führung zu verteidigen und am Ende viel Glück“, sagt Ehrmann rückblickend auf den erst zweiten Sieg überhaupt gegen den ehemaligen deutschen Meister. Die Bayern-Frauen liegen mit 38 Zählern einen Punkt vor der TSG. Abonnenment-Meister VfL Wolfsburg ist mit 46 Punkten enteilt.

Die TSG tanzt auf zwei Hochzeiten

Die Hoffenheimerinnen, die ohne ihre verletzte Torhüterin Martina Tufekovic nach München reisen, die im Hinspiel über sich hinausgewachsen war, mischen aber nicht nur um den zweiten Champions-League-Platz mit, sondern tanzen noch auf zwei Hochzeiten. „Wir haben sicher den Vorteil, dass es für uns noch um etwas geht“, sagt Ehrmann mit Blick auf das Viertelfinale im DFB-Pokal der Frauen am 2. Juni bei Bayer Leverkusen.

Bei der TSG stehen am 17. Spieltag in München – sechs Spieltage stehen insgesamt noch aus, der letzte ist für den letzten Juni Sonntag (28.) vorgesehen – nicht alle Spielerinnen zur Verfügung. Drei Spielerinnen fehlen wegen anstehenden Prüfungen, für zwei geht es ums Abitur.

Drei Nationalspielerinnen bei der TSG

In Lena Lattwein (20) stellt die TSG inzwischen eine Nationalspielerin, nominiert für das Team von Trainerin Martina Voss-Tecklenburg waren auch schon die Eigengewächse Maximiliane Rall (26) und Tabea Waßmuth (23). Beide haben keine Jugend-Nationalteams durchlaufen, sind aber eben, wie Ehrmann unterstreicht, sehr wissbegierig und „nehmen Angebote, sich zu entwickeln, an“.

In der Corona-Pause sind in der Mannschaft viele Fragen aufgetaucht, berichtet Ehrmann, dem auch eine ehemalige Weltfußballerin Birgit Prinz als Psychologin zur Seite steht. Dass in der Gesellschaft nicht alle mit der Aufnahme des Spielbetriebs im höherklassigen Fußball einverstanden waren, ist nicht spurlos an den Spielerinnen vorbei gegangen. Doch nun geht’s weiter. An den ersten Sieg 2020, der vor der Corona-Pause ein 4:1-Erfolg über den SC Freiburg war, will das Team anknüpfen.

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