Alltagsmanager RHEINPFALZ Plus Artikel Wie man Kopfläuse schnell loswird

ras_22102022_eingenistet_cg

Inzwischen gibt es ungiftige Mittel, um das große Krabbeln im Haar zu beenden, erklärt ein Experte.

Jan Krüger, Jahrgang 1971, hat 2006 in Hannover gemeinsam mit anderen Eltern die Deutsche Pediculosis Gesellschaft e.V. gegründet und ist seither ihr erster Vorsitzender. Der Verein berät Eltern und gibt kostenlose Diagnosesets für Läuse an Kindertagesstätten und Schulen ab.

Herr Krüger, als pandemiebedingt die Schulen und Kitas geschlossen waren, haben weniger Kinder ihre Köpfe zusammengesteckt. Hat sich das auf die Läusepopulationen in deutschen Haarschöpfen ausgewirkt?
In der Tat, das lässt sich auch schön auf Google Trends verfolgen. Seit die Einrichtungen wieder offen sind, geht es auch den Läusen besser und wir registrieren wieder vermehrt Anfragen.

Sie haben 2006 die Deutsche Pediculosis Gesellschaft gegründet, sind aber gar kein Mediziner oder Biologe, sondern Informationstechniker. Wie kam das denn?
Meine Töchter hatten damals häufig Kopfläuse und ich war einerseits genervt davon, dass sie sich immer wieder ansteckten, andererseits davon, dass wir weder im Internet noch bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Informationen dazu gefunden haben, die uns überzeugt hätten. Der Bedarf war also da.

Ich bin inzwischen gut im Thema, außerdem haben wir einen medizinischen Beirat. Man muss aber auch dazu sagen, dass sich viel geändert hat. Es gibt modernere Flyer und viel gute Aufklärung zum Thema. Damals war noch viel von Putzen und Einfrieren die Rede, das war ja nicht mehr Stand der Dinge. Auch die Behandlungsmöglichkeiten haben sich geändert.

Inwiefern?
Als wir angefangen haben, standen nur neurotoxische Läusemittel zur Verfügung. Die basieren auf Insektengiften, die entweder aus Chrysanthemen gewonnen werden – zum Beispiel Pyrethrum – oder ähnlich sind und künstlich hergestellt werden, wie Permethrin oder Allethrin. Diese Stoffe wirken auf die Nerven der Läuse und töten sie so. Es gibt Studien aus dem Ausland, die bei Läusen Resistenzen gegen die Insektengifte gefunden haben.

Für Deutschland wissen wir das noch nicht genau, aber vermutlich haben wir auch hier resistente Läuse. Allerdings haben wir jetzt auch relativ neu Mittel, die das Silikonöl Dimeticon enthalten. Das ist ein Kriechöl, das – soweit wir das heute wissen – wohl in die Atemöffnungen der Läuse eindringt und sie dadurch umbringt. Dimeticon gilt als ungiftig, bisher sind auch keine Resistenzen bekannt.

Mit welchen Fragen wenden sich die Menschen an Sie?
Eine ganz typische ist die nach den Nissen, die noch im Haar verbleiben. Die werden häufig überdiagnostiziert. Eltern sehen die und denken, die Läuse sind gar nicht weg. Das ist aber eine Fehldiagnose. Nissen sind die Eihüllen der Läuse, und die befinden sich auch, wenn sie leer sind, noch Wochen und Monate nach der erfolgreichen Behandlung am Haar, sie wachsen quasi damit raus. Das liegt daran, dass die Läuse ihre Eihüllen bombenfest verkleben, die kriegt man selbst mit dem Nissenkamm fast nicht ab, da muss man schon beharrlich mit dem Fingernagel dran kratzen.

Woher weiß ich denn, ob die Eihülle leer ist oder doch noch eine Laus drin schlummert?
Die Nissen haben einen kleinen Deckel. Mit dem Mikroskop kann man zwar sehen, ob der offen und die Hülle leer ist oder nicht. Aber das hilft in der Praxis nicht, denn man kann ja unmöglich alle Nissen an allen Haaren untersuchen. Die ungeschlüpften Läuse werden bei einer Behandlung auch nicht getötet. Deswegen zählt der richtige Zeitpunkt: Ich muss sie erwischen, nachdem sie geschlüpft, aber bevor sie geschlechtsreif sind und Eier legen können. Das ist etwas kompliziert, aber höchst effektiv.

Sie sagten, putzen und einfrieren sei gar nicht mehr angesagt?
Nein, das ist wirklich völlig unnötig. Wir wissen, dass Läuse übertragen werden, indem sie von einem Haar auf das andere klettern, wenn sich die Haare berühren. Also wenn Kinder ihre Köpfe zusammenstecken. Erwachsene kriegen Läuse in der Regel nur von Kindern. Eine Übertragung über Gegenstände gibt es nicht. Sie müssen sich das so vorstellen: Nach ihrer Mahlzeit krabbelt die Laus ans Ende eines Haares. Ist dort gerade ein anderes Haar, prima, dann kann sie rübersteigen. Ist dort keines, sondern nur ein Kopfkissen oder eine Mütze, bleibt sie, wo sie ist. Fragen Sie mich nicht, woher die Laus weiß, dass es eben kein Haar, sondern eine Mütze ist, das wissen wir nicht im Detail.

Klar ist, dass die Laus den Kopf nicht freiwillig verlässt. Tut sie es aus irgendwelchen Gründen doch, wird sie nicht mehr lange leben, Kopfläuse können nur 24 Stunden ohne Nahrung auskommen. Dinge wie Betten abziehen, durchsaugen, Großputz in der ganzen Wohnung kann man also getrost in die zweite Reihe der Anti-Läuse-Maßnahmen stellen.

Was ist mit Kuscheltieren? Die könnte eine Laus doch mit echten Haaren verwechseln.
Auch das passiert eher selten, aber wer da Sorge hat, kann die Plüschtiere einfach mal zwei Tage beiseitelegen. Eingefroren werden muss wirklich nichts. Viel wichtiger ist es, bei einem Läusebefall auch die anderen Köpfe in der Familie zu checken: Geschwisterkind, Eltern, Oma und Opa.

Also mit der Lupe den Kopf inspizieren?
Sicherer und zuverlässiger für eine Diagnose ist die Auskämmmethode mit dem Läusekamm, das ist bewiesen. Wer da akribisch ist, kann die Läuse damit fast so effektiv bekämpfen wie mit einem Läusemittel. Wir empfehlen für die Diagnose, die Haare mit Shampoo zu waschen und danach mit einer Pflegespülung einzuschäumen. So entsteht ein Matsch, in dem sich die Läuse nicht mehr bewegen können. Außerdem erleichtert die Spülung das Durchkommen mit dem feinen Kamm. Sie sollten mit dem Läusekamm sorgfältig Strähne für Strähne kämmen und den Kamm auf einem Tuch ausstreichen. Hier erkennen Sie bei Befall die Kopfläuse.

Ausgewachsene Läuse sind gut mit bloßem Auge zu erkennen. Die Babyläuse sind dafür zu klein. Wenn Sie nicht sicher sind, ob etwas eine Laus ist, warten Sie, bis es trocken wird, und halten dann ein Haar daran: Wenn es sich festhält und darauf langkrabbelt, ist es eine Laus. Mit dieser Methode sollten Sie außerdem den Erfolg ihrer Läusebehandlung prüfen. Finden Sie am Tag nach der Behandlung noch lebende ausgewachsene Läuse – nach dem Trocknen kommt wieder Leben in die Tierchen auf ihrem Tuch – ist die Behandlung fehlgeschlagen. Das kann vorkommen, wenn die Läuse beispielsweise unempfindlich, also resistent gegen das eingesetzte Gift sind.

Wie lange sollte ein Kind mit Läusen zu Hause bleiben?
Das Kind kann direkt nach der ersten Behandlung mit einem Läusemittel wieder in Kita oder Schule. Wichtig ist der Hinweis an andere Eltern: Bitte heute alle mal Haare waschen und auskämmen. Dann ist der Spuk auch schnell vorbei. Umgekehrt sind die Läuse genauso schnell wieder da, wenn noch ein Kind mit welchen auf dem Kopf herumläuft. Deshalb ist es so wichtig, offen drüber zu sprechen. Leider sind Läuse oft noch immer ein Tabuthema, die Betroffenen werden schnell stigmatisiert und die Hygiene daheim in Frage gestellt. Das ist totaler Quatsch. Denn häufiges Haarewaschen bringt besonders saubere Läuse – mehr aber nicht.

x