BeziehungskisteWenn lieb sein zur Last wird: Wie Sie Ihre Wut zulassen und authentisch werden
Wenn Kinder schon früh lernen, unbedingt brav sein zu müssen, kann das im Alter zu Problemen führen.
Anerzogenes Verhalten aus der Kindheit muss manchmal überwunden werden – auch wenn es schwer fällt.
„Ich habe gelernt, immer ,lieb’ zu sein, auch wenn ich innerlich wütend bin. Ich möchte mich klarer abgrenzen, habe aber Angst, dann abgelehnt zu werden. Was soll ich tun?“
Liebe Ratsuchende! Es ist schön, dass Sie erkannt haben, dass es im Grunde gar nicht Ihre eigenen Gefühle sind, die da aus Ihnen sprechen, sondern ein antrainiertes Verhalten, das Sie vermutlich aus Ihrer Kindheit übernommen haben. In früheren Generationen war es tatsächlich gang und gäbe, den eigenen Gefühlen keinen Raum zu geben. Man war quasi dazu angehalten, die eigene Stimme zu ignorieren, um nach außen hin den „schönen Schein“ zu wahren. Dazu gehörte natürlich, „lieb und brav“ zu sein und möglichst wenig zu widersprechen. Denn wenn das doch einmal geschah, musste man oft mit Konsequenzen rechnen. Genau dieses Gefühl ist es, das immer noch in Ihnen verankert ist: „Wenn ich nicht lieb bin, werde ich nicht gemocht oder abgelehnt.“ Mittlerweile weiß man, dass eine solche „Erziehung“ nicht nur sinnlos, sondern im schlimmsten Fall sogar schädlich ist. Sie haben bereits den ersten Schritt getan, indem Sie erkannt haben, dass Sie etwas an Ihrem Verhalten ändern möchten. Wichtig ist jetzt, dass Sie lernen, sich selbst zu lieben – mit all Ihren Stärken und Schwächen. Werden Sie sich bewusst, welch besondere Persönlichkeit Sie sind. Gestehen Sie sich zu, auch einmal wütend oder sauer zu sein und Ihren eigenen Standpunkt mit Kraft und Klarheit zu vertreten. Das ist nicht immer einfach und erfordert Übung. Bauen Sie wieder eine Verbindung zu Ihren eigenen Gefühlen auf – und nicht zu dem antrainierten Verhalten. Fühlt sich etwas nicht gut für Sie an, sagen Sie es klar und deutlich. Haben Sie auf etwas keine Lust – dann sagen Sie das! Trauen Sie sich jedes Mal ein Stückchen mehr. Anfangs wird es Ihr Umfeld vielleicht überraschen, weil es das von Ihnen nicht kennt. Aber je mehr Sie in Ihrer Selbstliebe ankommen, desto weniger werden Sie das „brave Mädchen“ brauchen. Das Leben wird so viel lebendiger, wenn Sie die Stärke und die Sanftheit in sich zulassen und leben. Gutes Gelingen!
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Isabel Asaro arbeitet als systemische Therapeutin in Frankenthal.www.Isabel-Schroth.com
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Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.
Isabel Asaro schreibt alle zwei Wochen ihre Kolumne »Beziehungskiste« in der RHEINPFALZ am SONNTAG.
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