Reise RHEINPFALZ Plus Artikel Wandern mit Kindern in der Ostschweiz: Berge für Zwerge

Kleine Wanderer können in den Appenzeller Alpen viel erleben.
Kleine Wanderer können in den Appenzeller Alpen viel erleben.

Wer mit einem Kleinkind in die Berge fährt, kann sich hohe Gipfel abschminken. Aber das ist kein Grund, bodenständig zu werden. Man muss nur die richtigen Berge finden: in den Appenzeller Alpen in der Ostschweiz zum Beispiel.

Vorbei an einer riesigen Felswand schwebt die blaue Gondel hinauf zum Gipfel des Säntis. Oben an der Bergstation weht ein eisiger Wind, doch die Aussicht ist herzerwärmend: Links macht sich der Bodensee breit, rechts stechen unzählige Schweizer Spitzen wie ein blauschwarzes Schattenvolk in den Himmel. Und ganz hinten am Horizont tragen die Berge Mützen aus Schnee.

Wer ins Appenzeller Land reist, kommt am Säntis nicht vorbei: Der 2501 Meter hohe majestätische Gipfel ist das Aushängeschild der Region und die Aussicht von da oben ist top. Doch welches Kleinkind weiß schon ein Bergpanorama zu schätzen, wenn zu Hause ein Fuhrpark mit Treckern, Bobbycars und Laufrädern wartet - und eine Ziege namens Emmi gefüttert werden will?

Zwölf Feriendörfer in genossenschaftlicher Hand

„Zu Hause“, das ist in diesem Fall das Reka-Dorf in Urnäsch, etwa 20 Busminuten entfernt vom Säntis. Neben Ferienwohnungen gibt es dort zahlreiche Ställe mit Ponys, Ziegen, Hühnern und Kaninchen, ein kleines Hallenbad, zwei Spielplätze und eine beeindruckende Matschstation. Eltern, die von einer Wanderung oder der Gipfeltour zum Säntis heimkommen, können also erst mal die Füße hochlegen und sicher sein: Das Kind ist beschäftigt. Mit den Tieren, mit den Fahrzeugen und mit den vielen anderen Kindern.

Zwölf Feriendörfer der genossenschaftlich organisierten Schweizer Reisekasse „Reka“ existieren in der Schweiz, eins davon liegt in Urnäsch in den Appenzeller Alpen in der Ostschweiz. Von der Ferienwohnung schaut man auf sattgrüne Wiesen, auf Kühe, Schafen, Ziegen - und auf die Dorfkäserei. Manchmal rollt ein roter Zug durch das Panorama, man hört ihn kaum. Die Schweizer sind ja in allem, was sie tun, sehr unaufdringlich - weshalb es in dem Feriendorf auch praktisch nie laut wird.

Region für Käse bekannt

Denn die meisten Gäste in den 50 Ferienwohnungen sind Schweizer, das Appenzeller Land ist offenbar auch für sie eine Reise wert. Die Region ist für ihren würzigen Käse bekannt, für seine freundlichen Menschen und die vielen Wanderwege zwischen Bodensee und Säntis. „Aber man kann hier gut auch einfach mal einen Tag im Dorf bleiben“, sagt Hanskoni Frischknecht, der das Feriendorf zusammen mit seiner Frau Elisabeth seit der Eröffnung 2009 leitet. Er ist Manager, Hausmeister und guter Geist für Mensch und Tier. In der Tat gibt es auf dem Gelände genug zu tun: Zweimal täglich werden Ponys, Ziegen, Hasen und Hühner gefüttert.

Die Kinder dürfen dann mit in die Ställe und beim Ausmisten helfen, Futter verteilen und die Tiere striegeln und streicheln - und zweimal pro Woche auf den Ponys reiten. Die Eltern müssen für das kleine Glück keinen Rappen extra zahlen. Auch die Grillstellen am Fluss stehen allen Familien kostenlos zur Verfügung. Die Bratwürste muss man beim Dorfmetzger selbst kaufen, klar. Aber das Holz liegt schon bereit. Und als ein Vater das Feuerzeug zückt, winkt ein anderer Vater ab: Er wolle zusammen mit seinem vierjährigen Sohn Feuer wie anno dazumal machen: mit einem Feuerstein und viel Geduld. Viele seiner Gäste seien schon zum zweiten oder dritten Mal in Urnäsch, sagt Hanskoni Frischknecht, manche sogar zum zehnten und elften Mal. „Die sind hier einfach happy.“ Warum? „Weil die Welt hier noch heil ist.“

Massentourismus hier kein Thema

Es stimmt: Der Massentourismus ist am Appenzeller Land irgendwie vorbeigezogen. Die Einheimischen pflegen stolz ihr Brauchtum, feiern Alpabfahrten und „Stobete“, fröhliche Sennenfeste mit Streichmusik. „Das ist auch für Schweizer attraktiv, viele Städter kennen unser Brauchtum ja nicht mehr“, sagt Frischknecht. Dann schwärmt er von den Vorzügen der Naherholung: Als wanderfreudige Familie müsse man in Urnäsch nur morgens den Rucksack schultern, sich in einen Zug oder in den Postbus setzen und dann einfach anfangen zu laufen.

Vor den Toren des Reka-Dorfes sind die Berge noch eher gemütliche Hügel als große Herausforderungen. Das passt gerade Familien mit kleineren Kindern gut in den Kram. Denn mit Zwei- bis Vierjährigen im Gepäck ist man ja schon froh, wenn man zwei Kilometer in weniger als einer Stunde schafft. Es gibt für die Kinder ständig etwas zu sehen und zu sammeln. Die Ostschweiz ist längst nicht so überlaufen wie andere Hotspots der Alpen. Selbst auf dem Kronberg, der mit Kletterpark und Sommerrodelbahn Halligalli verspricht, herrscht kein Gedrängel. Man kann vom Gipfel gemächlich bergab wandern und sich auf dem Weg mit Rösti im Berggasthaus stärken. Und am Nachmittag macht man dann wieder auf seinem Balkon im Reka-Dorf die Beine lang und lässt den Kindern ihre Freiheit.

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Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.

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