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Supermarkt: Wie man der Einkaufsfalle entgeht
Brot, Eier, eine Packung Milch und eine Gurke: Eigentlich wollte man doch nur schnell ein paar Kleinigkeiten im Supermarkt besorgen. Und trotzdem ist der Einkaufwagen am Ende wieder voll. Ein paar Süßigkeiten, ein paar Packungen Tiefkühlgemüse für den Vorrat und am Obstregal gab es die zwei Kilo Orangen zum Preis von einem – ein Schnäppchen, da musste man ja einfach zuschlagen.
Dass wir im Supermarkt oft mehr Geld ausgeben, als wir eigentlich wollen, ist kein Zufall. Die Ladenbetreiber haben schließlich ein wirtschaftliches Interesse daran – und verführen uns zu Spontankäufen. Fast 70 Prozent der Entscheidungen treffen wir erst am sogenannten Point of Sale, also beim Einkauf im Laden, hat eine Studie des Marktforschungsinstituts GfK gezeigt.
Produktplatzierungen und Marketingtricks spielen dabei ebenso eine Rolle wie Preispsychologie. Ein Beispiel: der Einkaufswagen. Je voluminöser der Wagen ist, desto mickriger wirkt es, wenn nur wenig drin liegt. Und das verführt dazu, mehr hineinzulegen, als man eigentlich will.
Ähnlich ist es beim Einkaufswagen für Kinder: Da wird der Nachwuchs dazu animiert, selbst etwas hineinzulegen – und die Eltern können sich dann überlegen, ob sie das Zeug unter mitunter lautstarkem Protest vor der Kasse wieder ins Regal räumen oder doch um des lieben Friedens willen ausnahmsweise mitnehmen.
Blumen, Obst, Gemüse am Eingang
Frisches Obst und knackiges Gemüse finden sich immer im Eingangsbereich der Supermärkte – egal, ob es sich um Discounter wie Lidl oder Aldi handelt oder um Ketten wie Rewe oder Edeka. Die Farben und Düfte regen nämlich die Sinne an. Und das hebt die Stimmung – und verstärkt unsere Neigung zum unüberlegten Hamstern.
Gleiches gilt für frische Blumen am Eingang: Wer so schön begrüßt wird, der tritt gerne ein, bleibt ein wenig länger und kauft dann vermutlich auch ein wenig mehr. Und weil frisches Brot und frische Brötchen appetitanregend riechen, stehen auch die Backautomaten oft dort, wo man in den Laden hereinkommt.
Selbst die Hintergrundmusik, die den Kunden in einigen Läden berieselt, ist bewusst gewählt: vormittags laufen bevorzugt Schlager für Rentner, abends Popsongs für Jüngere. Und wenn es voll wird im Markt, ist die Musik tendenziell unruhiger, um die Einkäufer dazu zu animieren, sich etwas zu beeilen.
Und dann wäre da noch die Wegeführung: Abkürzungen auf dem Weg zur Kasse gibt es kaum, unterwegs versperren immer wieder Aufsteller mit Sonderangeboten den Weg. Das Tiefkühlregal, meist der Ort für überlegte Vorratskäufe, befindet sich recht weit hinten im Markt, sodass man zuvor an den Regalen mit Schokolade, Chips und anderem Knabberkram vorbei muss.
Teures steht auf Blickhöhe im Regal
Auch die Anordnung der Waren in den Regalen ist kein Zufall: Günstige Eigenmarken und Grundnahrungsmittel wie Mehl oder H-Milch sind meist in den unteren Regalreihen platziert. Man muss sich also bücken, um dranzukommen – und sieht sie nicht direkt. Auf Augenhöhe befinden sich hingegen jene Produkte, die dem Supermarkt mehr Marge versprechen – Markenprodukte und teure Fertigprodukte zum Beispiel.
Manche Warengruppen sind direkt auf Spontankäufer ausgelegt – Schokoriegel zum Beispiel. „Im Gegensatz zur Tafelschokolade, bei der Kunden großen Wert auf hohe Markenwerte legen und sich zum großen Teil bereits vor dem Betreten des Geschäfts auf die Marke der Wahl festlegen, spricht der Riegel vor allem Spontankäufer an“, erklärt GfK-Experte Markus Frank. „Hier kommt es auf die physische Präsenz der Ware an. Der Kaufimpuls wird durch die auffällige Platzierung im Geschäft gesetzt.“ Meist befinden sich diese Snacks in der Nähe der Kassen, wo man zwangsläufig vorbeikommt.
Doch wer die Tricks der Supermarktbetreiber kennt, kann auch etwas tun, um nicht darauf hereinzufallen. Denn impulsiv einkaufen wollen die wenigsten Menschen, erklärt Anand Krishna, Psychologe an der Universität Würzburg. Sein Tipp: Man legt sich beispielsweise einen kleinen Zettel in den Geldbeutel, auf dem „Stopp!“ steht.
Auch der gute, alte Einkaufszettel kann hilfreich sein: Wer ihn abhakt wie eine To-do-Liste, nimmt meist nicht so viel mit wie derjenige, der sich merkt, was er kaufen wollte, und ohne Zettel loszieht. Zudem vergisst man so nichts.
Auf Einkaufswagen verzichten
Wer sowieso nur ein paar Kleinigkeiten braucht, verzichtet am besten von vorneherein auf den Einkaufswagen. Vier oder fünf Produkte kann man problemlos in den Händen zur Kasse tragen – und für mehr hat man dann automatisch keine Kapazitäten mehr. Außerdem gibt es Körbe.
Wichtig außerdem: nie hungrig einkaufen gehen. Wer Hunger hat, lässt sich von duftenden Backwaren oder dem Süßigkeiten-Aufsteller leichter verführen. Eine Kleinigkeit essen, bevor man einkaufen geht – und sei es nur eine Banane im Auto auf dem Supermarktparkplatz – kann in der Hinsicht Wunder wirken und dafür sorgen, dass man nur das holt, was man wirklich braucht.
Das schont den Geldbeutel – und Ressourcen. Denn wer Mahlzeiten vorab plant und entsprechend loszieht, vermeidet unnötige Lebensmittelabfälle.
Info
Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.