Kernaussage RHEINPFALZ Plus Artikel Stilkolumne: Play statt Playlist – warum die Kassette wieder cool ist

Wird gerade wiede entstaubt: die Musikkasette.
Wird gerade wiede entstaubt: die Musikkasette.

Es gibt Dinge, von denen man dachte, sie seien für immer im Museum der Menschheitsirrtümer verschwunden. Hawaiihemd und Faxgerät zum Beispiel. Und natürlich die Kassette. Während wir uns noch mit Hi-Res-Streaming und Cloud-Backups brüsten, erhebt sie sich wieder aus der staubigen Plastikhülle wie ein analoger Phönix: die gute alte Kompaktkassette. Dieses rechteckige Symbol einer Zeit, in der Bandsalat kein veganes Gericht, sondern eine Lebenskrise war. Immer mehr Popstars veröffentlichen ihre Alben auch auf Kassette. Von Taylor Swift über Harry Styles bis hin zu Lady Gaga. Play statt Playlist. Und die Nachfrage steigt. Wie die Schallplatte verlangt auch die Kassette Hingabe. Man muss sie umdrehen. Man muss vorspulen. Oder warten. Sie ist das Gegenteil der Skip-Kultur. Natürlich klingt die Kassette nicht „besser“. Auch heute noch klingt sie nach Jugendzimmer, nach Mixtape mit krakeliger Handschrift. Beim Comeback der Kassette geht es aber weniger um technischen Fortschritt als um Kult. Es ist der Wunsch, Musik wieder anfassen zu können. Und ein stiller Protest gegen eine Welt, in der alles sofort verfügbar ist. Totgesagte leben länger. Manchmal brauchen sie nur einen Bleistift.

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Jan Peter Kern schreibt alle zwei Wochen eine neue Kolumne in der RHEINPFALZ am SONNTAG.
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