Sportpolitik RHEINPFALZ Plus Artikel Olympia in Deutschland: Klares Ja zu einem Bewerbungskonzept

Die große Mehrheit der Delegierten bei der Mitgliederversammlung stimmt dafür, dass sich Deutschland für OlympischenSpiele bewer
Die große Mehrheit der Delegierten bei der Mitgliederversammlung stimmt dafür, dass sich Deutschland für OlympischenSpiele bewerben soll.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) darf sein neues Lieblingsprojekt weiter vorantreiben und im nächsten Jahr ein Konzept für eine Olympiabewerbung entwickeln. Es geht um die Spiele 2036 oder 2040. Aber wer bezahlt den Spaß?

Waldorf und Statler, die beiden Puppen-Greise aus der Muppet-Show, nörgeln auf ihrem Balkon die ganze Zeit rum. Dies passt ihnen nicht, jenes finden sie doof. Zu alle, was auf der Theaterbühne geschieht, geben sie ihren komödiantischen Senf hinzu. Die beiden Grantler-Rentner sind typisch deutsch. Immer erst das Haar in der Suppe suchen statt das Essen zu genießen.

Thomas Weikert, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), sieht noch nicht ganz so alt aus wie Waldorf und Statler – er ist ja auch erst 62 –, viel wichtiger aber ist: Er will auf keinen Fall so sein wie das zeternde Duo. Vielmehr noch wünscht er sich, dass Deutschland endlich seinen Ruf als Nörgel-Nation ablegt. Zu spüren bekommen hat er das nämlich beim neuen Lieblingsprojekt des DOSB: Olympische Spiele in Deutschland. In der Bevölkerung herrscht gegenüber dem größten Sportereignis der Welt noch zu viel Skepsis, findet Weikert. „Die Lust am Kritisieren überdeckt die Stärken, die eine Bewerbung mit sich bringen würde“, sagt er. „Wir sind doch eine begeisterte und begeisternde Sportnation.“ Klotzen statt knurren wäre ihm lieber. Rühmen statt rügen.

Harmonie statt Grantelei

Weikert steht mit seiner Haltung nicht alleine da. Die Mitgliederversammlung des DOSB am Samstag in Frankfurt ähnelte weniger eine Muppet-Show, sondern vielmehr einer harmonischen Romanze. Die Delegierten votierten bei zwei Enthaltungen einstimmig für die „Frankfurter Erklärung“, in der die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für Olympische Spiele in der Bundesrepublik skizziert werden. Dabei geht es etwa um den Wunsch nach „maximaler Nachhaltigkeit“ und die Idee, dass die Spiele und der Weg dorthin Impulse für den gesamten Sport in der Bundesrepublik und das ganze Land bringen sollen. Die Infrastruktur würde verbessert werden, Sporthallen würden renoviert, Schwimmbäder saniert, Bewegungsbegeisterung ausgelöst. Doof, wenn sich die Gesellschaft nur bedingt für das Projekt interessiert.

Nichtsdestotrotz: Die breite Zustimmung aus den Reihen des organisierten Sports sieht Weikert als „starkes Signal“, als Auftrag gar. Nun kann der Dachverband 2024 ein konkretes Bewerbungskonzept erstellen, denn bislang ist die Idee noch sehr abstrakt. Bislang ist nicht einmal ersichtlich, wo in Deutschland die Spiele beheimatet sein könnten. München, Leipzig, Hamburg, Düsseldorf und Berlin als potenzielle Ausrichter haben eine Absichtserklärung, als Kandidaten in Betracht zu kommen.

In der Pflicht: Den Worten müssen auch Taten folgen, fordert DOSB-Präsident Thomas Weikert. Damit sind auch Innenministerin Nanc
In der Pflicht: Den Worten müssen auch Taten folgen, fordert DOSB-Präsident Thomas Weikert. Damit sind auch Innenministerin Nancy Faeser und die Bundesregierung gemeint.

Zwar bevorzugen die Deutschen Sommerspiele, das habe sich im Austausch mit der Bevölkerung – vor Ort und online – in den vergangenen Monaten gezeigt. Daher geht es um eine Kandidatur für das Megaevent 2036 oder 2040. Winterspiele bleiben aber ausdrücklich eine Option. Getreu dem Motto: Hauptsache Olympia. Nach sieben gescheiterten Bewerbungen und mehr als 50 Jahre nach München 1972 wird es Zeit für einen neuen Anlauf.

„Wer soll es sonst machen?“, fragt Weikert, um zugleich zu bedenken zu geben: „Wenn wir Deutsche es nicht machen, dann brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn die anderen es machen.“ Ein Seitenhieb in alle Richtungen – nach Peking, Katar oder Saudi-Arabien als Ausrichter von Sportveranstaltungen, aber auch an die deutsche Bevölkerung. Schließlich war schon manch negativer Bürgerentscheid verantwortlich für das Erlöschen eines Olympischen Funkens – Nörgeln nach Waldorf und Statler.

Wegen Haushaltssperre: Keine Geldversprechen

Als grantelnde Oma möchte auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) nicht in Erinnerung bleiben. „Der Bund will eine starke, glaubwürdige Bewerbung. Und wir werden den DOSB dabei unterstützen“, sagt sie. Sportgroßveranstaltungen „geben uns die Chance, uns als weltoffenes, modernes Deutschland zu präsentieren und das Wir-Gefühl zu stärken. Sie sind wichtig für die Gesellschaft. Deshalb sagen wir Ja zu Olympia.“ Nur: Die Haushaltssperre hindert den Bund derzeit daran, finanzielle Zusagen für 2024 und den Bewerbungsprozess zu machen. Das enttäuscht den DOSB. Ohne Bundesmittel geht’s nicht. Präsident Weikert wünscht sich ein glaubhaftes Signal und erinnert auch an den Koalitionsvertrag der Bundesregierung, in dem eine Olympia-Bewerbung als eines der Ziele ausgegeben wurde. „Worte allein reichen auf Dauer nicht“, sagt Weikert. Es müssten nun auch „Taten folgen.“ Das klingt einigermaßen diplomatisch – und nur ein bisschen nach Waldorf und Statler.

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