Der Weintipp
Nicht Fisch noch Fleisch? Im Gegenteil!
Was unterscheidet den Rosé – abgesehen von der Farbe und den Rebsorten – vom Weißwein? In der Regel schmeckt Rosé etwas voller und cremiger als vergleichbare Weißweine, ist aber wegen fehlender Gerbstoffe zugänglicher als Rotwein. Möglicherweise liegt es daran, dass das Image des Rosé lange Zeit „nicht Fisch nicht Fleisch“ war. Ergo machte fast jeder, der in Sachen Wein etwas auf sich hielt, einen Bogen um den Kompromisswein. Dabei ist es ja eigentlich ein Vorteil, dass ein ordentlicher, trockener Rosé sowohl zu Fisch als auch zu Fleisch passt. Das hilft vor allem im Restaurant, wenn die angsteinflößend dicke Weinkarte keine Wissensmängel aufdecken sollte.
Im Trend: der Syrah
In jüngeren Jahren hat sich das Image der hellroten bis blassrosa getönten Weine etwas gewandelt. Der Anteil des Rosé am gesamten Weinverbrauch steigt und zunehmend gibt es hochwertige Rosés, die sich keineswegs als Kompromiss verstehen. Das eröffnet kellertechnische Möglichkeiten jenseits des üblichen Ausbaus im gekühlten Stahltank.
Vermehrt greifen Kellermeister zum Syrah, dessen pfeffrig-würzige Art sich deutlich vom üblichen, nach Erdbeerkonfitüre duftenden Rosée absetzen kann.
Volker und Bernd Schreieck aus Maikammer haben gleich an mehreren Schräubchen gedreht, um einen besonderen Rosé auf die Flasche zu bringen. Erstens haben sie Syrah-Trauben relativ früh geerntet, weshalb der Wein mit nur 11,5 Prozent Alkohol auskommt und frische, zarte und würzige Aromen behält. Außerdem haben sie den Wein in gebrauchten Tonneaus ausgebaut. Das gibt ihm ein zartes Vanillegerüst und puffert das Aroma durch einen Hauch frisches Leder ab. Nicht nur die blassrote Farbe erinnert an die Weine der Provence, der es als erste Region gelang, Rosé als „ernsthaften“ Wein anzubieten. Eine kluge Entscheidung war angesichts des niedrigen Alkohols auch, eher auf verhaltene Säure zu setzen. Das dichte Geschmacksprofil gibt dem Wein auch so genügend Länge.
Der Wein
2024 Syrah Rosé Fumé, Wein- und Sekthaus Schreieck, Maikammer, Telefon 06321/5067, Preis: 13,50 Euro
Der Autor
Jürgen Mathäß ist Weinjournalist und Seminarleiter, er war Chefredakteur verschiedener Weinzeitschriften und ist Experte für Pfälzer Weine sowie für die Weine der iberischen Halbinsel und Südamerikas. Seit 2007 schreibt er alle zwei Wochen den „Weintipp“ für die RHEINPFALZ am SONNTAG. Er lebt in Landau-Arzheim.