Reise RHEINPFALZ Plus Artikel Frühling in Italien: Das sind die schönsten Plätze für Cappuccino in der Sonne

Auf der Vespa Kaffee zu trinken, ist keine gute Idee. Aber mit dem Roller ins Caffè auf eine nette Piazza fahren schon – und dan
Auf der Vespa Kaffee zu trinken, ist keine gute Idee. Aber mit dem Roller ins Caffè auf eine nette Piazza fahren schon – und dann die Sonne genießen.

Wintermüde? Dann nichts wie weg in den italienischen Vorfrühling. Diese sieben Städte machen Appetit auf einen Kurztrip.

Von Sandra Ehegartner

Während Skifans über die Schneelage jubeln, überfällt Sonnenanbeter spätestens ab März eine leise Sehnsucht. Nach Sonne, Wärme, Leichtigkeit. Genau der richtige Zeitpunkt für einen Ausflug der Sonne entgegen. Zwar werden – gerade in Italien – noch dicke Jacken und Schals getragen, aber das Leben findet zunehmend wieder auf der Piazza statt. Was im Hochsommer unvorstellbar scheint, ist im Vorfrühling ein Luxus für alle Sinne: ein Platz in der Sonne und eine Tasse Espresso vor sich. Wir haben für den anstehenden Italien-Besuch ein paar Vorschläge.

Triest

Kaffeehauskultur und Meer

Wo, wenn nicht in der Stadt des Kaffees, könnte der erste Sonnen-Espresso besser schmecken? Die unaufgeregte Stadt an der Adria gilt unter Kennern als wahre Kaffeemetropole. Ihre Lage machte sie zum Importtor des ehemaligen Habsburgerreichs unter anderem für Kaffee. Ein besonders schöner Ort für den ersten Sonnen-Cappuccino ist das Caffè degli Specchi an der Piazza Unità d'Italia. Die langen Stuhlreihen erinnern an ein Theater. Und zu sehen gibt es genug. Zum einen natürlich das Meer, und auf der Piazza selbst das komplette Spektrum Italiens. Nur ist es um diese Jahreszeit etwas ruhiger und heimeliger. Das „Café der Spiegel“ schuldet seinen Namen nicht der Eitelkeit der Besitzer, vielmehr wurden früher die wichtigsten Neuigkeiten auf Glas und Spiegel geschrieben. Drei davon sind noch im Inneren zu bewundern. Zum Cappuccino schmeckt in Triest besonders gut ein Stück Linzer Torte, ein feines Gedenken an die ehemalige Verbundenheit mit Österreich.

Neapel

Quirliges Straßenleben

Wer zusätzlich zum Koffeinkick noch einen ganz anderen „Hallo-wach-Effekt“ braucht, trinkt seinen Cappuccino in der umtriebigen Metropole am Vesuv. Von den bequemen Stühlen des Traditionscafés Gambrinus nahe der Piazza Trieste e Trento lässt sich das morgendliche neapolitanische Spektakel bestens beobachten und bewundern. Keine Lust mehr aufzustehen? Einfach dableiben und eine Sfogliatella, eine Blätterteigtasche mit süßer Ricottafüllung, Zimt und Orangenblütenaroma, bestellen. Wer sein Heißgetränk ein bisschen ruhiger genießen möchte, schlendert zur Piazza Bellini ins Caffè Letterario Intra Moenia. Das Grün des benachbarten Belliniparks wirkt ebenso beruhigend wie das fröhliche Geplauder anderer Gäste. Und wenn man die Zeit versäumt hat, bleibt man einfach sitzen und bestellt zum Pranzo, also zum Mittagessen, eine Parmigiana, den typisch neapolitanischen Auberginenauflauf.

Florenz

David trinkt mit

In der romantischen Stadt der Renaissance gibt es viele Möglichkeiten, den Cappuccino zu genießen. Wer gleich so richtig wach werden möchte, geht zum Mercato Centrale und genießt ihn – vielleicht zusammen mit Lieferanten und Händlern – in einer Bar in der Nähe oder direkt auf dem Markt. Romantiker suchen sich ein Café am Arno, und wer es ganz traditionell möchte, besucht das Caffè Rivoire auf der Piazza della Signoria. Vielleicht schmecken mit Blick auf die makellose Figur des David von Michelangelo die verführerischen Gebäckstückchen nicht mehr ganz so gut, andererseits ist man ja auch viel zu Fuß unterwegs. Neben typisch toskanischen Cantuccini schmecken Pasticcini, Backwaren mit Schokolade oder Pistaziencreme, besonders gut. Für die grüne Creme wurde die florentinische Pasticceria sogar mit einem Preis ausgezeichnet.

Venedig

Salongefühl mit Tauben

In der Serenissima haben Besucher die sprichwörtliche Qual der Wahl. Und das auch noch dann, wenn sie sich bereits auf einen Platz festgelegt haben. Im mondänen Salon Venedigs, auf dem Markusplatz, gibt es gleich drei Säulen der Kaffeehauskultur: das Caffè Lavena, das Caffè Quadri und den Klassiker für heiße Schokolade, das Caffè Florian schräg gegenüber. Welches bevorzugen? Livemusik von einem Orchester bieten alle drei Cafés, natürlich abwechselnd. Und auch die Preise bieten leider keine Orientierung, da alle drei Lokalitäten sich ihre Lage gut bezahlen lassen. Eine salomonische Entscheidung wäre der Sonnenstand: Morgens liegen Quadri und Lavena in der Sonne, am Nachmittag eher das Florian. Alternativ und deutlich kontemplativer geht's an der Fondamenta delle Zattere im Stadtteil Dorsoduro mit Blick auf die Insel Giudecca zu. Gemütlich an die Hauswand der Gelateria Nico gekuschelt lässt es sich auch mit ein bisschen Seebrise aushalten.

Rom

Ewig schön

Auch in der Hauptstadt Italiens wird es Liebhabern diverser Kaffeespezialitäten einfach und gleichzeitig schwer gemacht. Es gibt eben so viele schöne Plätze. Die Jugend trifft sich gerne auf dem malerischen Campo dei Fiori. Dort haben sich zahlreiche Caffès und Bars angesiedelt und bieten Kaffeefreunden alles, was das Herz begehrt. Die nahe gelegene Piazza Navona scheint ihrer Geschichte als Vergnügungsplatz Roms treu geblieben zu sein. Mit Blick auf Maler und ihre Werke lässt es sich fast bis zum Aperitivo aushalten. Wer sich vor einem ausgiebigen Stadtbummel im Bermudadreieck um die Spanische Treppe stärken möchte, ist vormittags im Rosati an der Piazza del Popolo bestens aufgehoben. Nachmittags lockt das gegenüberliegende Caffè Canova. Leckermäuler bestellen sich eine Ciambella, ein kreisrundes Gebäck. Aber Achtung: Das lieben auch die Spatzen rund um den Platz und setzen sich mit an den Tisch – besser gesagt: auf den Tisch.

Bologna

Studentenleben und Musik

Dass es in der Studentenstadt Bologna eine besonders große Auswahl an Cafés gibt, liegt auf der Hand. Einer der traditionellsten Orte für Cappuccino oder Latte macchiato ist die Piazza Maggiore, direkt vor dem Palazzo del Podestà, genau genommen sogar ein bisschen im Säulengang des Palastes. Von den Stühlen des Caffè Paviglione aus lässt sich trefflich das typische Piazzatreiben beobachten und ein Blick auf andere Sonnenanbeter werfen, die sich fröhlich auf dem Platz tummeln (wenn nicht gerade wieder eine Baustelle dort ist). Dazu ein Bomboloni, ein krapfenähnliches Gebäck, und schnell wird klar, warum Bologna neben La Rossa, der Roten, und La Dotta, der Gelehrten, auch den Beinamen La Grassa, die Fette, hat. Romantischer und ruhiger, vielleicht aber auch etwas schattiger, geht es auf der Piazza vor dem Kirchenkomplex Le Sette Chiese zu. Auf den kleinen, runden Steinen stehen die Stühle der Straßencafés zwar etwas wackelig, doch der herrliche Blick auf die Glyzinienkaskaden, die von der Kirchenmauer gegenüber fallen, ist dieses Risiko allemal wert.

Verona

Schaulaufen auf der Piazza

Das Schöne an Verona ist, dass es zum einen überschaubar ist und doch so vieles bietet. Natürlich zuallererst die Arena, dieser magische Ort großer sommerlicher Operngefühle. Und weil der Weg vom Stadttor zur Arena und damit auch zur Fußgängerzone weit sein kann, ist er mit Restaurants und Cafés gesäumt, in denen sich ein Cappuccino ganz fabelhaft genießen lässt. Besonders traditionell und mit sehr bequemen Korbstühlen ausgestattet lässt er sich im Vittorio Emanuele schlürfen. Dazu ein Cornetto alla Crema, ein Hörnchen mit Cremefüllung – wie könnte der Tag noch schöner werden? Wer es kuscheliger mag, begibt sich auf die Piazza delle Erbe, ins Caffè Filippini, und erlebt typisches Piazza-Feeling mit Brunnen, spielenden Kindern und verliebten Pärchen. Und bestimmt hätten auch Romeo und Julia gerne gemeinsam eine Tasse Cappuccino – natürlich mit Herz im Schaum – getrunken.

Info

Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.

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