Klimawandel
Fotoprojekt: Die dürre Pfalz
Gas kann man langfristig ersetzen, Wasser nicht“, sagt Reiner Voß, Fotograf und Biologe aus Kaiserslautern. Seit fünf Jahren hält er den Klimawandel in der Westpfalz auf Fotos fest (wir berichteten mit einer ersten Bilderseite im Oktober 2020). Er sagt: „Die Geschwindigkeit, mit der unsere Landschaft kaputtgeht, ist atemberaubend.“ Grund ist der Regen, der seit Jahren in zu geringen Mengen fällt, wie Daten von Meteorologen bestätigen. Voß, 58 Jahre alt und Chef der Fotoagentur View, nimmt die Folgen in den Blick: den Badesee Gelterswoog und dessen sinkenden Wasserpegel; den verschwundenen Aschbach nahe Trippstadt; sterbende Buchen am Hermersbergerhof oder bei Johanniskreuz; reife Kornfelder im Juni, sodass der Bauer, den er beim Fotografieren trifft, von einer „Noternte“ spricht.
„Wir brauchen Zwischenspeicher für Wasser“
Schon vor Jahren hat Voß festgestellt, dass es nicht mehr der einzelne verdorrte Baum ist, den er sieht, sondern dass die Natur sich dramatisch verändert. Seinen Satz, dass Gas zu ersetzen sei, Wasser aber nicht, will er nicht als Verharmlosung der Energiekrise verstanden wissen, sondern als Weckruf: „Wir müssen eigentlich was machen, sind aber mit anderen Dingen beschäftigt.“ Pech fürs Klima, dass diese anderen Dinge „Corona-Pandemie“, „Krieg in der Ukraine“, und „Gaskrise“ heißen. Dennoch oder erst recht, so lautet das Plädoyer des Klimwandel-Dokumentars, der zum Aktivisten geworden ist, müssten die Menschen gegensteuern, und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt. Voß’ Vorschläge, um der Dürre und steigenden Temperaturen zu begegnen: Zwischenspeicher für Regenwasser, wenn dieses im Winter oder bei Starkregen auch im Sommer in größeren Mengen vom Himmel fällt; massiv Wasser sparen; Flächeln entsiegeln, damit das Wasser wieder versickern kann und sich die Hitze nicht auf dem Asphalt staut; viel mehr Bäume und Pflanzen in Städten, um der Hitze etwas entgegenzusetzen; aber auch der schlichte Appell, einfach mal Bäumen an Straßen eine Gießkanne voll Wasser zu spendieren.
Er wolle nicht daherkommen wie eine Kassandra oder wie ein apokalyptischer Reiter, sagt Voß. Er wolle aber der weit verbreiteten Vorstellung vieler Menschen etwas entgegensetzen, die immer noch glaubten, es könne einfach so weitergehen. Seine Fotos sollen sagen: Schaut hin, Freunde, der Weiter-so-Zug ist abgefahren.