Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel FK Pirmasens siegt im Verbandspokal: Das Trauma überwunden (mit Video)

Jubel pur: Der FK Pirmasens gewinnt den Verbandspokal, Kapitän Yannick Grieß stemmt den Pott in die Höhe.
Jubel pur: Der FK Pirmasens gewinnt den Verbandspokal, Kapitän Yannick Grieß stemmt den Pott in die Höhe.

Der FK Pirmasens hat Revanche genommen – und gegen Schott Mainz den Verbandspokal gewonnen. Nun wartet der DFB-Pokal. Vor allem am Ende ist es ein Nervenspiel.

Für einen Trainer müssen die letzten Minuten eines Pokalfinals die Hölle sein. Daniel Paulus tigert an der Seitenlinie auf und ab, immer wieder geht der Coach des FK Pirmasens in die Hocke, lehnt sich mit dem Rücken an die Bande. Seine Mannschaft führt 2:1 im Finale des Südwestdeutschen Fußballpokals. Doch der TSV Schott Mainz drückt nach dem späten Anschlusstreffer nun auf den Ausgleich. Fünf Minuten Nachspielzeit zeigt der Vierte Offizielle an. „Wo sollen die denn herkommen?“, schreit Paulus und zieht sich in der mittagssonnengefluteten „Arena“ in Weingarten einen Pulli über den Kopf. „Wir wussten, dass es einen Sturmlauf von Schott Mainz geben wird“, sagt Paulus später im Gespräch mit dieser Zeitung. Dreimal hintereinander hat das Team aus der Landeshauptstadt den Verbandspokal gewonnen, mit dieser Serie soll aus FKP-Sicht nun Schluss sein. „Es ging nur noch darum, leidenschaftlich zu verteidigen“, sagt Paulus, „aber für einen Trainer ist das heftig, da ist man nah am Herzkasper.“

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netzwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Rund zweieinhalb Stunden zuvor. Schwierige Parkplatzsuche, Schlangen an den Kassen – in Weingarten, der kleinen Gäu-Gemeinde, ist am Samstagmittag richtig was los. In etwa so viele Zuschauer, wie der Ort Einwohner hat, füllen die „Arena“, in der einst der SV Weingarten um Oberligapunkte spielte. Von den Parkplätzen strömen die Zuschauer zum Platz, vorbei am Feuerwehrgerätehaus, vorbei an der Kirche. Die Blech-Lawine kämpft sich durch das Dorf, keine Lücke ist klein genug, um das Auto nicht doch noch abzustellen.

Vor dem Anpfiff: Volle Konzentration bei den FKP-Spielern (von links) Mike Andreas, Marc Ehrhart, Michael Müller und Manuel Grün
Vor dem Anpfiff: Volle Konzentration bei den FKP-Spielern (von links) Mike Andreas, Marc Ehrhart, Michael Müller und Manuel Grünnagel.

Kommentator mit Leidenschaft dabei

Am Eingang macht die Bundeswehr Werbung für sich als Arbeitgeber. Viel Blau und Weiß ist zu sehen hinter den beiden Toren, schließlich haben die Finalisten die gleichen Farben. Die Anhänger aus Mainz und Pirmasens haben Transparente mitgebracht und Banner. Ein Endspiel zwischen Fünftligisten, die Atmosphäre ist höherklassig. Der „Finaltag der Amateure“ ist in seiner zehnten Auflage eine Institution, die ARD überträgt die Endspiele der Landespokale in drei Konferenzen über den Tag verteilt. „Wir müssen viel mehr an die Basis, zu den Amateuren, das ist das Herz des Fußballs“, sagt Kommentator Tom Bartels später, „für mich ist das ein großer Spaß. Ich bin mit derselben Leidenschaft dabei wie bei jedem Profispiel.“ Neben der Trophäe gibt es für den Sieger noch etwas weitaus Lukrativeres zu gewinnen: ein Ticket für den DFB-Pokal.

Der Finaltag der Amateure feiert zehnten Geburtstag.
Der Finaltag der Amateure feiert zehnten Geburtstag.

Die Vereinslieder erklingen – der Mainzer Song ist von künstlicher Intelligenz erschaffen. Die meisten Zuschauer beziehen hinter den Toren ihre Stehplätze, die kleine Tribüne ist schon vor Wochen ausverkauft gewesen. Dort zählen auch der ehemalige Weltschiedsrichter Markus Merk, der frühere Bundesligaprofi Benjamin Auer (2015 Verbandspokalsieger mit Pirmasens) und Sebastian Reich, der den FKP 2006 beim DFB-Pokal-Sensationssieg gegen den damaligen deutschen Vizemeister Werder Bremen mit 1:0 in Führung geköpft hatte, zum Publikum. Nun geht es für den FK Pirmasens auch darum, ein Trauma zu überwinden. Vor drei Jahren hat die Mannschaft im Endspiel, ebenfalls gegen Schott Mainz, 0:3 verloren. Die Leistung damals: indiskutabel.

Überraschungen in der Aufstellung

Die Stadionsprecher beider Vereine lesen die Aufstellungen vor. Diese beinhalten Überraschungen. Der noch verletzt geglaubte Manuel Grünnagel ist nun doch fit genug, um die rechte Pirmasenser Seite zu besetzen. Und bei Mainz sitzt der vergangenen Sommer vom FKP gekommene Ex-Drittliga-Profi Daniel Bohl zunächst mal nur auf der Ersatzbank.

Luka Dimitrijevic bejubelt seinen Treffer zum 1:0.
Luka Dimitrijevic bejubelt seinen Treffer zum 1:0.

Schon nach gut einer halben Stunde schickt der Mainzer Trainer Samuel Horozovic alle seine Ersatzspieler zum Aufwärmen. Denn was der erst 28-Jährige sieht, gefällt ihm gar nicht. Die Pirmasenser, vielleicht beflügelt durch das 1:1 von Wormatia Worms gegen ihren Oberliga-Aufstiegsrivalen FCK II am Vorabend, spielen vom Anpfiff weg gegen den bis dato seit August 2024 ungeschlagenen Oberligameister ungemein couragiert und giftig. „Hier regiert der FKP!“, skandieren die Anhänger der Westpfälzer immer wieder. In der 14. Minute sind sie aus dem Häuschen: Luka Dimitrijevic, seit Wochen in Topform, setzt sich auf der linken Seite durch, und sein strammer Schuss springt vom Innenpfosten zum 1:0 ins Tor. „Ole, super FKP“, hallt es durch das Stadion. Unter den Anfeuerungsrufen sind aber auch schlimme Gesänge.

Wütende Angriffe des Titelverteidigers

„Anspannung war in der Kabine zu spüren, aber keine Nervosität“, sagt FKP-Kapitän Yannick Grieß später. Und Trainer Paulus befindet: „Die Mannschaft hat in den vergangenen Wochen noch eine enorme Gier entwickelt.“ Die Pirmasenser machen auch nach der Führung weiter Druck. Kevin Büchler hat Pech mit einem Pfostentreffer (30.). Drei Minuten später steht Marc Ehrhart nach schönem Pass von Tobias Jänicke frei vor dem Ex-Pirmasenser im Mainzer Tor, Jan Schulz, und erhöht auf 2:0. „Die erste Halbzeit war eine der besten, die wir je gespielt haben, schließlich hat Schott eine richtig gute Mannschaft“, sagt Dimitrijevic.

Tobias Jänicke feiert vor den eigenen Fans das 2:0, das Marc Ehrhart erzielt hat. Für viele Beobachter war es die beste erste Ha
Tobias Jänicke feiert vor den eigenen Fans das 2:0, das Marc Ehrhart erzielt hat. Für viele Beobachter war es die beste erste Halbzeit des FKP seit langer Zeit.

Der Oberligameister reagiert auf den Zwei-Tore-Rückstand mit wütenden Angriffen. FKP-Keeper Benjamin Reitz rettet gegen Shai Neal und Jacob Roden, ein Drehschuss von Dominik Ahlbach verfehlt knapp sein Ziel. An der Bande fiebert die E-Jugend des FKP mit. Der Nachwuchs ist in der abgelaufenen Saison Meister geworden, nun drücken die Kleinen den Großen die Daumen. „Meinst du, sie gewinnen?“, fragt einer hoffnungsvoll.

1628 Zuschauer

Zwar tauscht Horozovic sein Personal nicht direkt nach seinem Aufwärm-Aufruf aus, dafür wechselt er direkt nach der Pause dreimal. Auch Bohl kommt nun. Schott erhöht den Druck, Pirmasens versucht, den Vorsprung zu verwalten. Alle wissen: Eine Zwei-Tore-Führung ist eine trügerische Sicherheit. Reitz pariert glänzend gegen Leon Kern. Doch trotz des Mainzer Dauerdrucks ist auch das 3:0 möglich: Luca Eichhorn vergibt eine große Konterchance, und in Minute 70 hätte Schiedsrichter Benedikt Steitz bei einem Foul an Aaron Basenach (nach Traumpass von Tobias Jänicke) im Strafraum auf Elfmeter entscheiden können, ja müssen. „Wir haben eine super Saison gespielt, sie aber leider nicht gekrönt. Aufgrund der ersten Halbzeit hat Pirmasens verdient gewonnen“, analysiert Schott-Trainer Horozovic.

FKP-Coach Daniel Paulus und sein Staff liegen sich in den Armen.
FKP-Coach Daniel Paulus und sein Staff liegen sich in den Armen.

Während der Südwestdeutsche Fußballverband die 1628 Zuschauer aufruft, ihre Stimme zum „Man of the match“ abzugeben, ist Schott in seinem Drängen auf das Anschlusstor nach 87 Minuten erfolgreich. Der ansonsten hervorragende Benjamin Reitz sieht beim Kopfball von Leon Kern nicht gut aus. „Ich wollte raus, aber der Stürmer war halt früher dran“, sagt der Schlussmann. Weil er in diesem Moment eine Bierdusche bekommt, ist klar, dass sein Patzer ohne Folgen bleibt. Den Pirmasensern bieten sich etliche im Ansatz gute Konterchancen, allein: sie nutzen keine davon.

Bei der Party wird improvisiert

Fünf Minuten Nachspielzeit, die FKP-Kräfte schwinden. „In der ersten Halbzeit sind wir ein unheimlich hohes Tempo gegangen, in der zweiten mussten wir dafür büßen“, stellt der Pirmasenser Co-Trainer Hagen Burkart fest. FKP-Kapitän Yannick Grieß liegt, von einem Krampf geplagt, am Boden. Kurz vor Schluss noch mal eine Ecke für Mainz. Der Ball flippert durch den Pirmasenser Strafraum, am Ende hält ihn Reitz fest. Die FKP-Fans auf der Tribüne rufen immer wieder „FKP, FKP!“. Die Erlösung folgt um 14.24 Uhr, mit dem Abpfiff ist der FK Pirmasens zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder Pokalsieger im Südwesten. „Unbeschreiblich“ findet Torschütze Ehrhart, dass auf „die Klub“ unun der DFB-Pokal wartet.

Die FKP-Spieler hüpfen im Kreis, singen, begießen ihren Triumph. Die Pokalsieger-Shirts liegen bereit, der Verband hat sie gestiftet. Eine Party haben die Pirmasenser nicht geplant, sie wollen improvisieren. „Aber die Nacht wird lang“, verspricht Kapitän Grieß. Er stemmt den goldenen Pokal in den Mittagshimmel von Weingarten. Mittendrin ist auch Daniel Paulus. Der Herzkasper ist ausgeblieben.

SO SPIELTEN SIE

FK Pirmasens: Reitz - Grieß, Andreas, Müller - Grünnagel, Eichhorn, Selensky (61. Deho), Jänicke (80. Krob), Büchler - Dimitrijevic (71. Gutmann), Ehrhart (61. Basenach)

Info

Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.

x