Der Weintipp
Die Hessen kommen
Der Rhein und der Main haben es mit dem Rheingau gut gemeint. Das hessische Anbaugebiet liegt dort, wo die beiden Flüsse von Osten nach Westen fließen und an ihrem nördlichen Ufer sonnenbestrahlte Südhänge hinterließen. Zumindest bevor sich die Auswirkungen des Klimawandels zeigten, war dies ein Vorteil, vor allem für ein recht nördlich gelegenes Anbaugebiet.
Die Region mit nur 3200 Hektar Anbaufläche hat früh bewiesen, dass man mit der Konzentration aufs Wesentliche Erfolg haben kann. Mit noch heute 77 Prozent Rieslinganteil an der Gesamtfläche war es für Weintrinker nicht schwer, den Rheingau gedanklich mit Riesling zu verknüpfen. Weingüter wie Robert Weil, Langwerth von Simmern, Schloß Reinhartshausen, Schloß Vollrads oder Kloster Eberbach waren jahrzehntelang weltweit angesehene Botschafter des deutschen Weins, als die Pfälzer noch große Teile ihrer Erzeugung namenlos an Moselkellereien verkauften.
Das ist lange her und die anderen Gebiete haben aufgeholt. Manche der einst angesehenen Güter verschwanden in Bedeutungslosigkeit, „bürgerliche“ Familiengüter holten auf. Vorreiter waren die Rheingauer immerhin nochmal bei der Lagenklassifikation durch die frühe Einführung von Ersten Gewächsen.
Sicher ist, dass der Rheingau ein besonderes Terroir für Riesling besitzt. Sowohl für trockene als auch für restsüße Weine genießen die Rheingauer bis heute einen ausgezeichneten Ruf.
Stahlige Frische
Die Familie Egert führt in der sechsten Generation ein neun Hektar großes Weingut mit Weinbergen über den ganzen Rheingau verteilt. Die junge Generation hat sich in jüngeren Jahren mit typischen, feinen Weinen profiliert. In der angesehenen Lage „Wisselbrunnen“ bieten leichte, tertiäre Mergelböden einen guten Wasserspeicher, der auch in sehr trockenen Jahren wie 2022 eine hohe Reife ermöglicht. Der typische trockene Riesling zeigt jene besondere, stahlige Frische sehr schön, die finessenreich-säurebetonte Weine der Region weltberühmt gemacht hat.
Der Wein
2022 Hattenheimer Wisselbrunnen Riesling trocken, Weingut Egert, www.weingut-egert.de, Telefon 06723/5557, Preis: 9,80 Euro
Der Autor
Jürgen Mathäß ist Weinjournalist und Seminarleiter, er war Chefredakteur verschiedener Weinzeitschriften und ist Experte für Pfälzer Weine sowie für die Weine der iberischen Halbinsel und Südamerikas. Seit 2007 schreibt alle zwei Wochen den „Weintipp“ für die RHEINPFALZ am SONNTAG. Er lebt in Landau-Arzheim.

Dürfen wir nachschenken?
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