Fitness RHEINPFALZ Plus Artikel Der Bumerang als Sportgerät

Früher diente der Bumerang als Wurfholz bei der Jagd, heute ist er Sportgerät.
Früher diente der Bumerang als Wurfholz bei der Jagd, heute ist er Sportgerät.

Der Bumerang ist mehr als ein Freizeitgerät. Das Werfen und Fangen hat sich zu einer Sportart mit sechs Disziplinen entwickelt, die Menschen auf der ganzen Welt begeistert.

Einen Bumerang geworfen oder gefangen haben viele Menschen schon einmal. Anfangs braucht es etwas Übung und Geduld, um ein Gefühl für die richtige Technik und das nötige Geschick zu entwickeln. Doch hat man den Kniff erstmal raus, ist der Spaßfaktor enorm groß. So wundert es nicht, dass Bumerangwerfen Menschen auf der ganzen Welt begeistert und sich sogar zu einer eigenständigen Sportart entwickelt hat.

Der Ursprung des Bumerangs liegt, so formuliert es offiziell der Deutsche Bumerang Club (DBC), in der Benutzung von Wurfhölzern. Dabei handelt es sich um aerodynamisch geformte Holz-, Elfenbein- oder Metallobjekte, die in ihrer gebogenen Form an einen Bumerang erinnern. Wurfhölzer hatten den großen Vorteil, dass sie aufgrund ihres Profils und ihrer Formgebung im Gegensatz zu einer einfachen Keule auch auf größere Distanz genau geworfen werden konnten. Diese Jagdbumerangs, auch Kylies genannt, wurden vor allem von den australischen Aborigines bei der Jagd eingesetzt – und werden auch heute noch von ihnen genutzt.

Woher das erste Wurfholz kommt

Doch woher stammt das erste Wurfholz der Welt eigentlich? Aus Australien jedenfalls nicht, wie oft angenommen wird. „Es wurde 1985 in den polnischen Karpaten gefunden, ist 18.000 Jahre alt, aus Mammutzahn und wiegt rund 800 Gramm“, weiß Vincent Faika, der seit 39 Jahren begeisterter Werfer und mehrfacher Europa- und Weltmeister sowie Deutscher Meister im Bumerangwerfen ist. Auch in einer ägyptischen Grabkammer sowie in Afrika, Amerika und Asien wurden alte Wurfhölzer gefunden.

Als Sportgerät wurde der Bumerang ab den 1930er-Jahren entdeckt und genutzt. Mittlerweile gibt es weltweit Vereine. In Deutschland ist der wichtigste und bekannteste der Deutsche Bumerang Club. Er ist zentraler Treffpunkt für Bumerang-Enthusiasten, organisiert regelmäßig regionale und nationale Turniere, Veranstaltungen und Workshops. In Rheinland-Pfalz gibt es derzeit zwar keinen eigenständigen Bumerang-Verein. Wer sich aber für die Sportart interessiert, kann über den DBC gezielt nach lokalen Gruppen fragen.

Vincent Faika ist mehrfacher Europa- und Weltmeister sowie Deutscher Meister.
Vincent Faika ist mehrfacher Europa- und Weltmeister sowie Deutscher Meister.

Das Werfen und Fangen eines Bumerangs erfordert anfangs etwas Übung. Damit er richtig fliegt und zu seinem Ausgangspunkt zurückkehrt, muss er mit dem richtigen Griff, dem genauen Wurfwinkel und einer kraftvollen Drehung im Handgelenk geworfen werden. „Man holt mit dem ganzen Arm Schwung und wirft den Bumerang schließlich locker aus dem Handgelenk. Letzteres gibt ihm die nötige Rotation“, erklärt Faika, der Mitte Juli die Bumerang-Europameisterschaft in Köln organisiert hat.

Durch die spezielle Aerodynamik und die Rotation entsteht der Auftrieb, durch den der Bumerang auf einer kreisförmigen Bahn zum Werfer zurückkehrt. „Je mehr Rotation in der Bewegung entsteht, desto schneller wird der Bumerang.“ Beim Abwurf ist ein Handwinkel zwischen 5 und 10 Grad ideal. Wichtig: Den Bumerang nie wie einen Frisbee am Körper vorbeischleudern, denn so steigt er steil auf und stürzt sofort wieder ab.

Auch der Wind mischt mit

Für eine gute Wurfhöhe sollte das Sportgerät fast parallel zum Boden und nicht weit nach oben geworfen werden. Und damit es zurückkommt, ist der Wind und mit ihm die Wurfrichtung entscheidend: „Kommt der Wind aus 12 Uhr, ist der Abwurfwinkel zwischen 2 und 3 Uhr“, nennt Faika ein Beispiel. Der Wind ist beim Bumerangwerfen der wichtigste Faktor. Er kann bei Wettkämpfen über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Wer die Technik beherrscht und ausreichend Wissen und Erfahrung erworben hat, kann sich mit anderen Spielerinnen und Spielern bei Wettkämpfen messen. Die funktionieren wie ein Mehrkampf in der Leichtathletik, bei denen die Teilnehmenden in verschiedenen Disziplinen antreten.

Die häufigsten sind Genauigkeit, Ausdauer, Geschwindigkeit, Langzeitfliegen, Australische Runde und Trickfangen. Sie werden auf Bumerang-Turnieren in Deutschland und der ganzen Welt geworfen. Außerdem treffen sich jedes Jahr Werferinnen und Werfer abwechselnd für die Europa- und Weltmeisterschaften.

Viele Formen zum Fliegen

Besonders bei Turnieren wird mit den unterschiedlichsten Bumerang-Formen geworfen. Außer einem Kreis und Stab lässt sich tatsächlich auch fast jede Form zum Fliegen bringen. Viele Wettkampfmodelle besitzen drei oder mehr Arme und werden teils für Disziplinen maßgeschneidert. So gibt es besonders leichte Modelle für eine hohe Flugdauer und schwere, schnelle Bumerangs für Präzision und Geschwindigkeit.

Wettkampfmodelle bestehen häufig aus Hightech-Materialien wie Carbon, speziellen Kunststoffen oder Glasfaser. Das sorgt für hohe Formstabilität und optimale Flugeigenschaften auch bei schwierigen Wetterbedingungen. „Bei viel Wind werden die Bumerangs bei Wettkämpfen zudem mit Gummis, Klebebändern oder Gewichten beschwert, damit sie besser durch den Wind kommen“, erklärt Vincent Faika.

Freizeit-Bumerangs sind dagegen meist zweiarmig und besitzen somit die klassische L-Form. Sie bestehen häufig aus Holz, leichten Kunststoffen oder Schaumstoff – letzterer eignet sich vor allem für Kinder. Auch diese Materialien haben Vor- und Nachteile: Sie sind zwar günstiger, dafür aber weniger robust und formstabil.

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Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.

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