Der Weintipp
Der andere Auxerrois
Der Genforschung verdanken wir neben vielem anderem auch das Wissen um die genaue Verwandtschaft verschiedener Rebsorten, wobei es schon manche Überraschung gab, etwa, als man herausfand, dass Müller-Thurgau gar keine Kreuzung von Riesling und Silvaner ist. Auch beim Auxerrois sorgten die Gene für Klarheit. Er ist nur ein Cousin der „echten“ Pinots. Dennoch wird er gerne zu den Burgundersorten gezählt. Mit seiner Tendenz zu früherer Reife, eher verhaltener Säure und weicher Struktur betrachtet man den Vetter als eine Art kleinen Bruder des Weißburgunders – ähnlich dem Verhältnis von Früh- und Spätburgunder. Das heißt: Große Gewächse oder Grands Crus erwartet man nicht von ihm. Gute, anpassungsfähige Essensbegleiter liefert der Auxerrois recht zuverlässig. Kaum mehr als das könnte man angesichts des Preises auch vom 23er Auxerrois aus dem Dürkheimer Weingut Dambach erwarten.
Vielschichtiges Aroma, tolles Schnäppchen
Umso überraschender verläuft die Verkostung. Sven Ohlinger und Philipp Seeger, erfahrene Winzer durch langjährige Tätigkeit im Weingut Knipser, haben das alte, ehemals angesehene Gut Dambach vor fünf Jahren übernommen und neu aufgebaut. Von alter Pracht zeugt noch der familieneigene Dambach’sche Park als abgeschlossener Teil des Kurparks, der nur beim kleinen, feinen Weinfest an der Grotte geöffnet wird.
Die Verkostung zeigt rasch: Hier werkeln zwei sehr gute Burgunderexperten. Eine hervorragende Cuvée von Chardonnay und Weißburgunder sowie zwei exzellente Chardonnays sind angesichts ihrer überdurchschnittlichen Qualität recht preiswert.
Den Vogel schießt jedoch der Auxerrois ab, der für weniger als 10 Euro natürlich auch ein guter Essensbegleiter ist, aber nicht nur. Der Wein aus einem 20 Jahre alten Weinberg beeindruckt durch für die Sorte ungewohnte Würze, Gelbfrucht, zarte Nussigkeit und Rosinenreife, feinste Säure und salzige Mineralik: ein außergewöhnlich vielschichtiger Auxerrois und ein tolles Schnäppchen.
Der Wein
2023 Auxerrois, Weingut Dambach, 67098 Bad Dürkheim. Telefon 06322/7909740. Preis: 9 Euro. Im Netz: www.dambach-wein.de
Der Autor
Jürgen Mathäß ist Weinjournalist und Seminarleiter, er war Chefredakteur verschiedener Weinzeitschriften und ist Experte für Pfälzer Weine sowie für die Weine der iberischen Halbinsel und Südamerikas. Seit 2007 schreibt alle zwei Wochen den „Weintipp“ für die RHEINPFALZ am SONNTAG. Er lebt in Landau-Arzheim.

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