Satire Das Sudelbuch zu Merz’ Sozialstaat, Klingbeils Agenda und Chinas Panzern
Schieflage (1) : Kleines Geld
Wahrnehmungen können schief sein. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zum Beispiel hat jetzt beim Sozialstaat eine Schieflage wahrgenommen. Wir sehen das so: Erst lässt Merz sich von einer ganz, ganz großen Koalition, Grüne inklusive, 500 Milliarden Euro Spielraum genehmigen. Dann verpulvert er fünf Milliarden davon gießkannenmäßig für die Mütterrente (auf Geheiß von Markus Söder, CSU) – und noch mehr Geld für Agrardiesel und die Gastronomie (weil’s halt Spaß macht). Und nun macht er Hetzjagd auf fünf Milliarden Euro Bürgergeld. Wer das nicht schräg findet, hat einfach zu viel Kohle.
Schieflage (2): Großer Schritt
Mit der Diagnose schräge Wahrnehmung ist Merz aber nicht allein. Die SPD nimmt sich seit 2005 als Partei wahr, die mit aller Vehemenz die Sozialreformen des SPD-Kanzlers Schröder und seiner rot-grünen Bundesregierung (1998-2005) zu verdammen hat. Mit dem Ergebnis, dass die SPD seither sich und anderen ihren größten wirtschaftspolitischen Erfolg madig macht, die Agenda 2010. Diese Woche hat nun SPD-Chef Lars Klingbeil, wenn auch in hoher Regierungsnot, Schröders einstige Reformen – Achtung! – gelobt. Ob sich die SPD von diesem Schock erholt und vielleicht sogar wieder reformfähig wird? Sagen wir so: Wir halten ein Parteiausschlussverfahren gegen Klingbeil für wahrscheinlicher.
Schieflage (3): Kleiner Gedanke
Wie schief die Welt hängt und wie schräg die eigene Wahrnehmung zu werden droht, haben wie bei Xis Militärparade vor dem TV selbst erlebt. Bei aller Bedrohung, die von Chinas Waffen für die Welt, also für uns, ausgeht, blieb in unserem schrägen Hirn doch Raum für einen kleinen, schiefen Gedanken: Wenigstens haben diesmal – anders als neulich bei Trumps Geburtstagsdefilée – die Panzer nicht gequietscht. Und die Soldat*innen sind auch noch marschiert wie die Preußen.
(*Sorry, Sternchengegner: Xi hat beim Personal aufs Gendern geachtet. Dem tragen wir hier Rechnung.)