BeziehungskisteDarf ich Kindern „Max und Moritz“ überhaupt noch vorlesen?
»Max und Moritz – Eine Bubengeschichte in sieben Streichen« von Wilhelm Busch wurde erstmals im Oktober 1865 veröffentlicht.
Historische Kinderbücher können martialisch wirken. Müssen die Erzählungen von Witwe Bolte und Lehrer Hämpel pädagogisch wertvoll sein?
„Meine Schwiegermutter liest meinen Kindern zum Schlafengehen Max und Moritz vor und will damit auch nicht aufhören. Ich denke, das ist zu brutal. Was soll ich tun?“
Liebe Ratsuchende! Zunächst ist es positiv, dass Ihre Schwiegermutter Ihren Kindern vor dem Schlafengehen vorliest. Ich kann jedoch Ihre Aufregung verstehen und die Angst davor, dass Max und Moritz zu brutal für Ihre Kinder ist. Aber zunächst würde ich gerne wissen, wie Ihre Kinder das finden? Amüsieren sie sich über die Streiche der beiden oder haben Sie das Gefühl, das sie durch das Buch verängstigt sind ? Sollte Letzteres der Fall sein, sollte Ihre Schwiegermutter dringend mit dem Vorlesen dieses Buches aufhören. Max und Moritz ist sicher ein Buch, das zwei besondere Charaktere beschreibt, die gerne ihren Schabernack treiben. Man könnte sie tatsächlich auch als bösartig bezeichnen. So finden sich einige Szenen von Gewalt und respektlosem Verhalten zu Tieren wieder. Am Ende landen die beiden in der Mühle und werden zu Korn verarbeitet und von den Hühnern verzehrt. All das klingt nicht unbedingt nach leichter Kost. Sollten Ihre Kinder schon alt genug sein und verstehen, um was es tatsächlich geht, können Sie mit ihnen über das Buch sprechen und reflektieren, was dort beschrieben wird. Leider sind viele Märchen und alte Geschichten aus pädagogischer Sicht nicht für Kinder geeignet. Aber muss denn alles pädagogisch wertvoll sein? Man sollte immer im Hinterkopf behalten, dass Kinder über das Fernsehen weitaus mehr an Brutalität und Gewalt ausgesetzt sind als über ein Buch. Wichtig sind der individuelle Fall und die Reaktion der Kinder auf ein Buch. Haben Sie tatsächlich das Gefühl, dass dieses Buch zu brutal für Ihre Kinder ist, dann dürfen Sie das Ihrer Schwiegermutter sagen. Als Eltern sind Sie es, die die Regeln aufstellen und nicht die Schwiegereltern. Legen Sie Ihrer Schwiegermutter doch ein paar schöne andere Bücher auf den Nachttisch und lassen Sie sie ein neues Buch auswählen. Denn im Grunde ist das Vorlesen für Kinder sehr wertvoll. Gutes Gelingen !
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Isabel Asaro arbeitet als systemische Therapeutin in Frankenthal.www.Isabel-Schroth.com
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Isabel Asaro schreibt alle zwei Wochen ihre Kolumne »Beziehungskiste« in der RHEINPFALZ am SONNTAG.
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