Fußball
Bundesliga: Wie Mainz 05 dem VfB Stuttgart den Saisonauftakt vergällt
Es gibt Spiele, bei denen meint man schon nach den ersten drei, vier Spielminuten zu wissen, dass es am Ende nur einen Sieger geben kann. Am Samstag, beim Spiel des VfB Stuttgart gegen Mainz 05, war so ein Tag. Schon nach 15 Minuten führte der VfB nach Toren von Enzo Millot (8.) und Jamie Leweling (15.) mit 2:0 und hatte im gleichen Zeitraum noch vier weitere gute Gelegenheiten liegen lassen, das Ergebnis noch höher zu schrauben. Allein Deniz Undav hatte zwei (3./4.).
Wer es mit den 05ern hielt, fragte sich derweil nach 25 Minuten, ob das Team in dieser Partie überhaupt schon mal länger als zwei Sekunden am Ball gewesen war. Der Plan von Trainer Bo Henriksen, „die Halbräume zu besetzen und das Zentrum zu verdichten“, scheiterte in der ersten halben Stunde daran, dass der Gast fast gar nicht in die Nähe der Spielfeldmitte kam. Dass es dann doch mit 1:2 in die Pause ging, hatte zwei Gründe. Zum einen den, dass die bis dato völlig desorganisierten Mainzer ab der 25. Minute nun ordentlich mitspielten. Und zum anderen den, dass es seit einiger Zeit vor einem Elfmeterpfiff für einige Schiedsrichter keine vorangegangene Torchance braucht. Vor dem Elfer, den Nadiem Amiri sicher zum 1:2-Anschlusstreffer verwandelte (43.), hatten sich die Laufwege von Enzo Millot und Jonathan Burkardt nach einer zu weiten Flanke gekreuzt, wobei der Stuttgarter den Mainzer berührte. Beide waren zu diesem Zeitpunkt mit erhöhter Geschwindigkeit auf dem Weg aus dem Strafraum heraus. „Wir hatten ein bisschen Glück mit dem Elfmeter“, gab 05-Sportdirektor Niko Bungert nach dem Spiel zu. Die VfB-Fans sahen das derweil nicht ganz so gelassen und überzogen Referee Timo Gerach auch nach dem Schlusspfiff noch mit Pfiffen und „Schieber“-Rufen. Tatsächlich hatte Gerach vor dem Mainzer 2:2 ein deutliches Handspiel des Mainzers Jae-Sung Lee übersehen.
In der Halbzeit hätte nur eine Minderheit unter den 3000 Mainzer Fans damit gerechnet, dass ihr Team die einseitige Partie noch drehen würde. Und doch stand es am Ende 3:3, nach einem erneuten Mainzer Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit: „Wir haben Moral gezeigt“, freute sich Bungert, „und sind nach einem 0:2 und einem 2:3 zweimal zurückgekommen. Das wäre in der Anfangsphase der letzten Saison wohl noch anders gewesen.“ Noch besser aus Mainzer Sicht: Das 3:3 war trotz der erschreckend schwachen Anfangsphase letztlich nicht einmal ungerecht: Zwischen der 35. Minute und dem Schlusspfiff waren die 05er, bei denen die Last-Minute-Zugänge Moritz Jenz und Gabriel Vidovic im Gegensatz zu Hyonseok Hung, den Trainer Bo Henriksen als „Maschine“ lobte, noch nicht im Kader waren, prima im Spiel und kamen durch einen tollen Flugkopfball von Burkardt zum 2:2 (62.). Dann überschlugen sich die Ereignisse: In der 88. Minute prallte ein Freistoß des eingewechselten Fabian Rieder vom Pfosten an den Rücken von Mainz-Keeper Robin Zentner und von dort zur erneuten Stuttgarter Führung ins Tor (88.). Mainz schien doch noch als Verlierer vom Platz gehen zu müssen. Doch während Keeper Zentner noch resigniert den Kopf schüttelte, traf Maxim Leitsch in der vierten Minute der Nachspielzeit per Kopf zum 3:3 und ermöglichte seinem Sportdirektor („tolle Serie“) ein saisonübergreifend positives Fazit. Tatsächlich sind die 05-er seit elf Spielen ungeschlagen.
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