Alltagsmanager RHEINPFALZ Plus Artikel Blutfettwerte: Eier essen ist erlaubt

Die Große liebt Eier. Vor allem wenn ihre glücklichen Hühner sie legen, ist sie auch glücklich.
Die Große liebt Eier. Vor allem wenn ihre glücklichen Hühner sie legen, ist sie auch glücklich.

Den Lebensstil zu ändern, bringt gegen einen zu hohen Cholesterinwert nicht allzu viel. Trotzdem lässt sich das Infarktrisiko einfach verringern.

Den Cholesterin-Spiegel mit natürlichen Mitteln senken“ – so oder so ähnlich sind viele Artikel, Ratgeber und Werbungen für Nahrungsergänzungsmittel überschrieben. Allerdings: Viel ist mit Ernährung und Bewegung nicht zu erreichen gegen eine hohe Konzentration des sogenannten schlechten Cholesterins, des LDL, im Blut. „Durch den Lebensstil lässt sich das schlechte Cholesterin häufig nur um fünf bis zehn Prozent verringern“, sagt Nicolas Rodondi, Chefarztder Poliklinik und Lipidsprechstunde am Universitätsspital in Bern.

Ratgeber versprechen insbesondere eine große Wirkung durch eine Ernährungsumstellung. „Durch eine mediterrane Kost, also eine fleischarme Diät, mit viel Fisch und Gemüse, die reich an ungesättigten Fettsäuren ist, lässt sich das LDL-Cholesterin zwar senken“, bestätigt Stephan Baldus, Professor für Kardiologie und Direktor des Herzzentrums der Uniklinik Köln. „Doch die Wirkung ist begrenzt.“ Auch er spricht von bestenfalls fünf bis zehn Prozent Reduktion. Nur wer sich zuvor extrem ungesund ernährt hat und auf eine mediterrane Ernährung umstellt, könne eine stärkere Verbesserung erreichen.

Ein deutliches Anzeichen dafür, dass die einfache Aufnahme von Cholesterin aus Lebensmitteln nicht entscheidend für die Konzentration des schlechten LDL-Cholesterins ist: Mehrere große Studien haben gezeigt, dass der Verzehr von viel Cholesterin mit der Nahrung nicht bedeutet, dass man auch viel davon im Blut hat. Denn das Molekül wird zu 80 Prozent vom Organismus selbst in der Leber gebildet.

„Wenn der LDL-Cholesterin-Wert stark erhöht ist oder bereits Herz-Kreislauferkrankungen bestehen, reicht eine Lebensstiländerung meist nicht aus, um LDL-Werte ausreichend zu senken“, erklärt Baldus. „Dazu braucht es dann Medikamente.“

Viele wollen es nicht wissen

Die wichtigste Wirkstoffgruppe sind die Statine. Sie hemmen ein Enzym, das zur Herstellung von LDL, vornehmlich in Leberzellen, gebraucht wird. Durch das Blockieren wird einerseits die Menge an LDL direkt gesenkt, andererseits bewirkt der Mangel an LDL, dass die Zellen mehr Andockstellen bilden, die dann vermehrt LDL aus dem Blut aufnehmen. Zuletzt ergab eine große Überblicksanalyse, dass Statine das Risiko für einen Herzinfarkt bei Menschen mit Risikofaktoren um 85 Prozent herunterfahren.

Neben den Statinen gibt es mit Ezetimib einen Wirkstoff, der die Aufnahme von Cholesterin aus der Nahrung im Dünndarm hemmt. Studien haben gezeigt, dass die Kombination von Ezetimib mit einem Statin LDL-Werte nach unten drückt – und gleichzeitig auch das Risiko für Herz-Kreislaufereignisse. Auch andere Wirkstoffe, die LDL-Werte senken, verringern das Risiko für einen Herzinfarkt: So etwa Bempedoinsäure und Antikörper, die das Enzym PCKS9 blockieren. Auch das neuartige Medikament Inclisirian wirkt gegen PCKS9.

Trotz der vielfältigen Möglichkeiten der medikamentösen Behandlung: Umfragen ergaben, dass selbst Hochrisikopatienten hierzulande oft LDL-Werte haben, die doppelt so hoch sind wie empfohlen – und die Mehrheit der Bevölkerung hat eine LDL-Konzentration jenseits der Grenzwerte im Blut.

„Heute ist das größte Problem, dass wir viele Menschen mit zu hohen LDL-Werten nicht erreichen – diese Personen leben mit einem ständigen Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, das sich sehr leicht mit gut verträglichen Medikamenten lindern ließe“, sagt Experte Baldus.

Nicht gut: Fleisch, Butter, Palmöl, Kokosfett

Medikamente wären also dringend notwendig für viele, doch das bedeutet nicht, dass eine Umstellung des Lebensstils sinnlos wäre. „Fettreiche Ernährung führt zu einem erhöhten Cholesterinspiegel und wir raten dringend davon ab“, so Baldus.

Fette Speisen erhöhen über einen Umweg den LDL-Wert, und zwar über die Menge an gesättigten Fetten, die Menschen aufnehmen. Die sind insbesondere enthalten in rotem Fleisch, Geflügel mit Haut, Butter, Palmöl und Kokosfett.

Damit könnte das Missverständnis zusammenhängen, dass insbesondere Eier schlecht für unseren Cholesterinwert sind. Europäer und US-Amerikaner, die viele Eier essen, haben zwar ein höheres Risiko für Herzerkrankungen als Menschen, die in diesen Regionen der Erde weniger Eier zu sich nehmen. In Asien, wo ebenfalls viele Eier gegessen werden, gilt das aber nicht. Das spricht dafür, dass in Europa und den USA Menschen, die viele Eier essen, einen insgesamt ungesünderen Lebensstil haben.

Das könnte eben schon bei der Zubereitung der Eier beginnen: Werden sie gebraten oder gar mit Speck gegessen, nimmt man gleichzeitig mit dem Ei viele gesättigte Fette auf. In Asien dagegen werden Eier oft roh oder eingelegt zum Essen gereicht – und damit ohne zusätzliche gesättigte Fettsäuren.

Auch unabhängig vom Cholesterinwert rät der Berner Mediziner Nicolas Rodondi zur mediterranen Ernährung. Dadurch könne man das Risiko für einen Herzinfarkt um bis zu einem Drittel senken.

Bewegung ist das A und O

Zudem sollte man auf ausreichend Bewegung achten. Denn vom Sport profitiert das Herz-Kreislaufsystem in mehrfacher Hinsicht: Zum einen stärkt er das Herz und fördert die Ausdauer, zum anderen lässt sich durch das Training die Menge an HDL erhöhen. Schon länger ist aus der Forschung bekannt, dass eine hohe Konzentration des guten Cholesterins HDL das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen verringert.

Doch alle Versuche, diese Effekte des Sports mit Medikamenten zu erreichen, schlugen bislang fehl. „Durch sportliche Belastung werden in den Gefäßen Enzyme freigesetzt“, sagt Martin Halle, Professor und Ärztlicher Direktor für Präventive Sportmedizin am Klinikum rechts der Isar, dem Universitätsklinikum der TU München. „Diese docken in der Leber und in der Muskulatur an und verändern die Cholesterinpartikel zu weniger gefäßschädigendem Cholesterin und weniger schädlichen Blutfetten.“

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Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.

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