Kommentar
Auf der FCK-Tribüne: Walter-Werte verhöhnt
Die Westkurve im Fritz-Walter-Stadion gehört zu den größten Fantribünen im deutschen Fußball. Fast 16.000 Fans passen auf die Tribüne. Nur die Südkurve von Borussia Dortmund mit mehr als 24.000 Plätzen ist größer. Die Stimmung, die von diesen beiden Fankurven ausgeht, ist zweifelsohne atemberaubend. Zuletzt explodierte die Atmosphäre im Fritz-Walter-Stadion förmlich, als der FCK gegen Heidenheim in der Nachspielzeit noch ein 2:2 erkämpfte und gegen den Hamburger SV 2:0 gewann.
Es gibt aber auch Schattenseiten. Da wären die wild pinkelnden Fans, weil sie es, wegen ihres Alkoholkonsums, nicht mehr zu den Toiletten packen. Auch, weil die Westkurve zu voll ist. Ein Problem, das nicht neu ist. Immer wieder schmuggeln sich Fans in die Westkurve, obwohl sie kein gültiges Ticket dafür haben. Die Vorgehensweise ist einfach: Ein Fan geht in den Block, nimmt drei Karten eines Kumpels, geht wieder raus und nimmt andere Spezis mit in diesen Block. Das führt zu brenzligen Situationen. Und es ist rechtswidrig. Die Leute verschaffen sich auf illegale Weise Zutritt zu einer Tribüne.
Ein Warnschuss
Der FCK ordnete am Samstag gegen Hansa Rostock deshalb erstmals in dieser Saison eine Sektorentrennung an. Sprich: Die Zuschauer im Stadion durften sich vor und während der Partie nicht frei bewegen. Es ist ein Warnschuss. Nur wird der Zweitligist damit kein Umdenken bei den Fans bewirken. Es wird nur über mehr und konsequentere Kontrollen gehen oder über personalisierte Karten. Das aber will der Klub nicht, weil es die Fans nicht wollen. Doch der FCK darf vor seinen Anhängern nicht einknicken. Wenn dem FCK die Sicherheit der Zuschauer wirklich am Herzen liegt, dann muss er auch strikt dafür sorgen. Die Fans pochen auf ihre Freiheiten, dann müssen sie sich an die Regeln halten. Beim Spiel gegen den HSV, so berichten Zuschauer, sei es zeitweise lebensbedrohlich gewesen. Die zentralen Blöcke hinterm Tor waren überfüllt. Hätte das Spiel einen anderen Verlauf genommen, wäre es wohl zu ernsthaften Zwischenfällen gekommen. Menschen hätten erdrückt werden können. Im Hillsborough Stadium in Sheffield kam es 1989 deshalb zu einer Tragödie.
Ein Fußball-Stadion ist kein rechtsfreier Raum. Wer die Regeln nicht beachtet, muss mit Sanktionen rechnen, so wie im Straßenverkehr auch. Gegen den HSV rollten die FCK-Fans ein Riesenbanner mit Fritz-Walter aus. Er lebte Werte vor. Doch manche FCK- Anhänger verhöhnen diese.
