Rheinland-Pfalz Zum Pilgern extra nach Spanien?

Begleitet die Buspilger: Franz Vogelgesang.
Begleitet die Buspilger: Franz Vogelgesang.

Das Bistum Speyer will Gläubige zum Pilgern bringen. Ziel der Diözesanwallfahrt vom 3. bis 13. Oktober ist Santiago de Compostela. Um sich zum Grab des Heiligen Jakobus aufzumachen, können die Teilnehmer unterschiedliche Routen und Pilgerarten wählen: Wanderpilgern, Flug- oder Buspilgern. Über Sinn und Zwecke dieses Pilgerns spricht der dafür zuständige Domkapitular Franz Vogelgesang mit Anne-Susann von Ehr.

Mit der Diözesanwallfahrt wollen Sie Menschen die Möglichkeit geben, die Erfahrung des Unterwegs-Sein miteinander zu teilen. Muss man dazu unbedingt ins spanische Santiago?

Nein, das muss man nicht. Aber Santiago de Compostela ist ein sehr berühmter Wallfahrtsort, der viele Menschen magisch anzieht. Mit der Diözesanwallfahrt wollen wir ausprobieren, wie es ist, mit vielen gemeinsam zu einem so wichtigen Wallfahrtsort der Kirche zu pilgern. Auch in der Pfalz gibt es gut ausgeschilderte Jakobswege. Hätte man nicht auch hier auf unterschiedlichen Pfaden zu einem gemeinsamen Ziel pilgern können? Klar, hätte man das machen können. Aber die Erfahrung zeigt: Wenn jemand das Pilgern in der Gruppe einmal erlebt hat, dann bekommt er Lust, weitere Pilgerpfade zu gehen – so wie die Jakobswege in der Pfalz. Das erhoffen wir uns jedenfalls auch für die Zeit nach Santiago. Die einen kommen mit dem Flugzeug und erkunden Santiago und die Umgebung, andere wandern ein Stück des französischen oder portugiesischen Camino. Wo ist das große Gemeinschaftserlebnis geplant? Gemeinsame Programmpunkte für alle Wallfahrerinnen und Wallfahrer aus dem Bistum sind am 9. Oktober eine feierliche Pilgermesse in der Kathedrale von Santiago, eine Fahrt an die Küste und zum Felsenkap Finisterre sowie der große Abschiedsgottesdienst in dem Marienwallfahrtsort Muxia am 10. Oktober. Nach Muxia werden wir als große Pilgergemeinschaft ein kurzes Stück gemeinsam gehen, so ein oder zwei Kilometer. Reisen und vor allem Fliegen produziert Treibhausgase und CO2-Emissionen, die dem Klima schaden. Ist es da zu verantworten, Hunderte Pilger per Flugzeug nach Spanien oder Portugal zu schaffen? Unter diesem Aspekt sicher nicht. Im Prinzip hat aber jede Fahrt – ob mit Auto, Bus, Flugzeug oder Schiff – Auswirkungen auf das Klima. Da muss sich jeder selbst fragen, inwieweit Reisen überhaupt verantwortlich ist – außer zu Fuß. Gedanken dazu führen vielleicht zu mehr Sensibilität bei dem Thema. In der Broschüre, mit der für die Wallfahrt geworben wird, findet sich kein Hinweis dazu, dass man den CO2-Ausstoß mit einem Klimaschutzbeitrag kompensieren sollte. Im Falle von Santiago wären das etwa 21 Euro. Oder überweist das Bistum etwa einen Gesamtbetrag? Dazu gibt es noch keine Überlegungen. Der Preis für diese Diözesanwallfahrt beläuft sich so um die 1000 Euro, für die Jugendwanderpilger im Mehrbettzimmer auf etwa 600. Wie groß ist bislang das Interesse? Das Interesse ist sehr groß. Fast täglich gehen Anfragen ein. In den ersten Wochen nach der Ausschreibung meldeten sich schon über 250 Personen an. Am beliebtesten ist das Pilgern auf dem portugiesischen Camino von Porrino nach Santiago, gefolgt vom kürzesten Angebot, der reinen Flugreise. Die Jugend ist sich noch am Organisieren. Was ist mit denjenigen, die zwar gerne mitpilgern, sich aber die Reisekosten nicht leisten können? Gibt es dafür vielleicht ein Budget? So etwas gibt es nicht. Das Bistum bezuschusst bereits die Reisekosten für die organisatorischen und geistlichen Reisebegleiter. Diese Kosten werden nicht auf die Reiseteilnehmer umgelegt. Der Reisepreis ist gut ausgehandelt – besser geht es für unsere Verhältnisse nicht. Wer wirklich Wallfahrtserfahrungen machen will, hat ja auch andere Möglichkeiten. Die Pfälzer Jakobswege, zum Beispiel. Kultur-, Bus- oder Wanderpilger – zu welcher Spezies gehören Sie auf dem Weg nach Santiago? Ich werde die Pilger begleiten, die mit den Bussen anreisen und pro Tag kurze Strecken zwischen drei und neun Kilometer marschieren können. Wir rechnen mit fünf Bussen. Diese Organisation habe ich übernommen. Und welcher Gruppe schließt sich Bischof Wiesemann an? Der Bischof reist mit der reinen Fluggruppe, wird sich aber an einem Tag wandernden Diözesanpilgern wohl auf dem französischen Camino anschließen.

Blick auf die Kathedrale von Santiago de Compostela.
Blick auf die Kathedrale von Santiago de Compostela.
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