Rheinland-Pfalz
Wie ein Azubi der Pirmasenser Stadtverwaltung für Unmut bei arabischen Hausbesitzern sorgte
Ein Paradebeispiel für die Weisheit „Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht“ hat dieser Tage in Pirmasens für Furore gesorgt. Die dortige Stadtverwaltung hat sich im Ton vergriffen – und zwar gegenüber arabischen Hausbesitzern.
Das Ganze gipfelte darin, dass Oberbürgermeister Markus Zwick (CDU) sich öffentlich wortreich entschuldigte und sich gleichermaßen gegen Vorwürfe aus der Opposition verwahren musste, dass seine Behörde „instinktlos“ und diskriminierend gegenüber Ausländern sei.
Zuvor war ein Vorgang bekannt geworden, der bei nicht wenigen Pirmasensern für Kopfschütteln, bisweilen sogar handfeste Verärgerung sorgte. In Pirmasens gibt es etliche arabische Immobilienbesitzer. Die leben zwar nicht dauerhaft in der Südwestpfalz, verbringen dort aber gerne ein paar Wochen, wenn es in ihrer Heimat allzu heiß und ungemütlich ist. Pfälzerwald statt Wüste, sozusagen.
80.000 Euro Rückstände
Das kann und will ihnen niemand verübeln, allerdings hat die Stadt ein Problem mit einigen Hausbesitzern. Die wissen nämlich oft nicht, dass in Deutschland gewisse Abgaben zu entrichten sind. Gleichzeitig ist es nicht einfach, gültige Bescheide an die weit entfernten Heimatadressen zu schicken. Laut Oberbürgermeister Zwick haben sich deshalb im Lauf der Jahre 80.000 Euro Rückstände summiert – und die mit weit über 300 Millionen Euro verschuldete Stadt kann wahrlich jeden Cent gebrauchen.
Da traf es sich gut, dass die weltoffene Stadtverwaltung einen Azubi in ihren Reihen hat, der nicht nur die arabische Sprache, sondern auch die Schrift beherrscht. Er sollte deshalb ein Anschreiben verfassen, das in die entsprechenden Briefkästen in Pirmasens eingeworfen wurde. Die Idee: Wenn die Araber das nächste Mal da sind, lesen sie die Information und können sich bei Fragen an die Stadtverwaltung richten.
Alles ging schief
Allerdings ging dabei alles schief, was nur schiefgehen konnte. Der Azubi erhielt nämlich keine Vorgaben, was er schreiben sollte, sondern formulierte nach Gutdünken. Die Kontrolle durch Vorgesetzte blieb aus, der Azubi unterschrieb die Briefe der Einfachheit halber selbst im Namen der Stadt.
Während Arabern bisweilen eine blumige Ausdrucksweise unterstellt wird, formulierte der Azubi „knapp und pointiert“, wie ein zerknirschter OB Zwick einräumen musste. De facto drohte der junge Mann den Hausbesitzern mit einer Zwangsvollstreckung und letztlich, dass die Stadt ihre Immobilien einziehen werde, wenn sie nicht gefälligst ihre Abgaben zahlen. Von einem „kulturellen und sprachlichen Missverständnis“ sprach der Oberbürgermeister nun.
Mit Kanonen auf Spatzen geschossen
Aber nicht genug damit, dass hier verbal mit Kanonen auf Spatzen geschossen wurde – nein, der Brief erreichte auch völlig unschuldige arabische Hausbesitzer, die sich seit Jahr und Tag an die deutschen Vorschriften halten und alle Abgaben bezahlt haben. Deren Entrüstung war groß.
Oberbürgermeister Zwick konnte letztlich nichts mehr beschönigen, verwies darauf, dass, wo gehobelt werde auch mal Späne fallen, und redete von einem „bedauerlichen Schreiben – vor allem in der Art, wie es geschrieben war“. Eigentlich sollte den arabischen Hausbesitzern auf „wertschätzende Art“ mitgeteilt werden, dass man sich freue, dass sie hier Häuser gekauft haben, und nebenbei wollte man sie auf ihre Pflichten hinweisen.
Aber das ging gewaltig daneben: Gut gemeint ist eben noch lange nicht gut gemacht.