Rheinland-Pfalz Westpfalz-Klinikum stellte beschuldigten Arzt ein

«Kaiserslautern». Der Assistenzarzt, dem sexueller Missbrauch von Kindern am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) in Homburg vorgeworfen wird, war nach seiner dortigen fristlosen Entlassung ab 2014 am Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern beschäftigt. Bisher gebe es aus dieser Zeit keine Hinweise auf möglichen Kindesmissbrauch, teilte das Klinikum gestern Abend mit.
Der Mann habe bis zu seinem Tod im Juni 2016 in der Klinik für Neurologie am Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern gearbeitet. Nach derzeitigem Kenntnisstand habe der Mann allerdings in seinem dienstlichen Umfeld in dieser Klinik keinen Kontakt mit Kindern und Jugendlichen gehabt. Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe habe die Geschäftsführung des Westpfalz-Klinikums eine Taskforce eingerichtet, hieß es. Derzeit sei man dabei, die Patientenkontakte des Arztes „im Detail zu ermitteln“. Anschuldigung in Homburg: 34 Kinder missbraucht Am Montag war durch einen Bericht des ARD-Magazin „Monitor“ publik geworden, dass der ehemalige Assistenzarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie am UKS in Homburg von 2010 bis 2014 womöglich 34 Kinder bei Untersuchungen sexuell missbraucht hat. Zehn dieser Kinder kommen aus Rheinland-Pfalz, darunter sind offenbar auch welche aus der Pfalz. Die Eltern der meist fünf bis acht Jahren alten Kinder wurden bis vor kurzem nicht über die Missbrauchsvorwürfe gegen den Arzt informiert. Erst am Montag ging das UKS an die Öffentlichkeit. Eine erste anonyme Beschwerde über den Mann erreichte das Homburger Klinikum im Juli 2011. Danach habe es körperliche Untersuchungen durch den Arzt nur noch im Beisein einer dritten Person gegeben, heißt es. 2014 wurde erneut der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs gegen den Assistenzarzt geäußert. Das Homburger Klinikum hatte deshalb nach eigenen Angaben Ende 2014 gegen den Beschuldigten Strafanzeige gestellt und ihm fristlos gekündigt. Was stand im Arbeitszeugnis des Arztes? Zur Frage, wieso das Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern den Arzt anschließend dennoch eingestellt hat, sagte der Sprecher des Westpfalz-Klinikum Dennis Kolter gestern Abend: Zum Termin seines Einstiegs hätten weder der Personalabteilung noch der Klinikleitung der Neurologie negative Informationen vorgelegen. Vertragsabschluss sei Ende Februar 2014 gewesen. Das vorgelegte aktuelle Arbeitszeugnis sei einwandfrei gewesen und auch im vorgelegten aktuellen polizeilichen Führungszeugnis hätten sich keine Einträge gefunden. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Saarbrücken wurden damals nicht abgeschlossen, weil der Mann 2016 überraschend starb. Wie wird das Westpfalz-Klinikum mit möglichen Erkenntnissen umgehen, die sich nun bei der Überprüfung der Patientenkontakte des Arztes ergeben? Thorsten Hemmer, Vertreter des Geschäftsführers: „Sollten sich dort Anhaltspunkte für ähnliche Vorkommnisse wie an der Uniklinik Homburg zeigen, werden wir unmittelbar die Staatsanwaltschaft und die Betroffenen informieren.“