Rheinland-Pfalz
Weit mehr als 100 Schüler wegen einzelner Corona-Fälle in Quarantäne
An dem Gymnasium in Montabaur gilt die Maskenpflicht jetzt vorerst auch im Unterricht – an den anderen Schulen im Lande aber weiterhin nicht. Nach Angaben des Mons-Tabor-Gymnasiums hatte eine Oberstufenschülerin in den Sommerferien ihre Familie in einem Risikogebiet besucht. Nach ihrer Rückkehr war sie routinemäßig getestet worden – zunächst mit einem negativen Resultat. Das Gesundheitsamt des Westerwaldkreises testet Rückkehrer aus Risikogebieten jedoch nach einer Woche erneut, dieses Mal war das Ergebnis bei der Schülerin positiv.
Die rund 60 Kontaktpersonen der Infizierten – Schüler und auch Lehrer – befinden sich deshalb seit Montagabend in häuslicher Quarantäne. Von einer kompletten Schulschließung wurde in Montabaur abgesehen, Konsequenzen hat der Vorfall aber trotzdem auch für die anderen Klassen: „Alle Schülerinnen und Schüler werden für die nächsten zwei Wochen auch im Unterricht prophylaktisch Masken tragen, um das Ansteckungsrisiko insbesondere durch Reiserückkehrer zu minimieren“, sagte Schulleiter Armin Pleiss.
Die Fälle in Trier
In Trier hatten sich zwei Schüler von zwei verschiedenen Schulen mit dem Coronavirus infiziert. Nach Angaben der Kreisverwaltung Trier-Saarburg sind eine Unterstufenklasse des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums sowie eine Klasse der bischöflichen Grundschule am Dom betroffen. Die Infektion der beiden Schüler sei dem Gesundheitsamt am Dienstagabend und Mittwochmorgen mitgeteilt worden. Insgesamt 55 Kontaktpersonen kamen in Quarantäne. Weitere Maßnahmen seien zunächst nicht vorgesehen, das Gesundheitsamt werde die Situation aber aufmerksam beobachten, teilte die Kreisverwaltung mit.
Die Fälle in Koblenz und in Alzey
Auch im Kreis Alzey-Worms gibt es Corona-Fälle an einer Schule: Quarantäne-Maßnahmen seien bereits umgesetzt, teilte die Kreisverwaltung mit, ohne die Schule zu nennen. Nach Medienberichten handelt es sich um das Elisabeth-Langgässer-Gymnasium in Alzey. Nachdem an einer Grundschule in Koblenz ein positiver Coronafall bekannt wurde, kam es zu Testabstrichen in zwei Klassen. Eine Klasse sei am Mittwoch in Quarantäne gekommen, teilte ein Sprecher der Koblenzer Stadtverwaltung mit.
Merkels Wort zur Maskenpflicht
Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Dienstag die Maskenpflicht im Schulunterricht, wie sie in Nordrhein-Westfalen zunächst bis Ende August generell vorgeschrieben ist, angesichts des Infektionsgeschehens in diesem Bundesland als „sehr konsequentes“ Vorgehen begrüßt. Das Maskentragen stelle zwar ein Handicap dar; aber dieser Weg sei besser, als nach zwei Wochen Schulen eventuell wieder schließen zu müssen, sagte Merkel bei ihrem Besuch in Nordrhein-Westfalen.
In Rheinland-Pfalz gilt bisher am Platz im Klassenzimmer für die Schüler keine Maskenpflicht. In Nordrhein-Westfalen sei das Infektionsgeschehen enorm hoch, sagte am Mittwoch die Sprecherin des Mainzer Bildungsministeriums, Sabine Schmidt. Sollte sich die Lage in Rheinland-Pfalz ähnlich darstellen, werde man den Weg der Maskenpflicht im Unterricht auch gehen. „Aber wir haben beim Infektionsgeschehen in Rheinland-Pfalz zum Glück eine deutlich andere Situation“, sagte Schmidt.
105 Neuinfektionen in Rheinland-Pfalz
Gleichwohl nimmt auch in Rheinland-Pfalz die Anzahl der Neuinfektionen zu. Am Mittwoch meldete das Landesuntersuchungsamt (LUA) 105 neue Fälle (Stand: 10.15 Uhr). Darin enthalten sind jetzt auch jene 25 Fälle, die das Gesundheitsamt des Rhein-Pfalz-Kreises für Ludwigshafen, Speyer, Frankenthal und den Kreis bereits am Montag bekannt gegeben hatte, die aber am Dienstag in der Aufstellung des Landesuntersuchungsamtes nicht berücksichtigt wurden. Grund war offenbar eine Übertragungspanne: Das Gesundheitsamt habe die Fälle im System zwar rechtzeitig angelegt, sagte am Mittwoch ein LUA-Sprecher, übermittelt worden seien die Daten aber erst im Laufe des Dienstagnachmittags.
Die Sieben-Tages-Rate pro 100.000 Einwohner liegt in Rheinland-Pfalz jetzt landesweit bei 10,6 Fällen. Zum Vergleich: In Nordrhein-Westfalen beträgt dieser Wert derzeit 14,7. Aktuell sind in Rheinland-Pfalz derzeit laborbestätigt 849 Menschen mit dem Virus infiziert – die Anzahl der Betroffenen hat sich damit im Verlauf der zurückliegenden zwei Wochen mehr als verdoppelt.
Appell der Gesundheitsministerin
Die Mainzer Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler sagte, Rheinland-Pfalz beobachte den aktuellen Anstieg der Fallzahlen aufmerksam und mit Sorge: „Wir nehmen die Entwicklung sehr ernst und fordern eindringlich, die AHA-Regel weiterhin ernst zu nehmen und einzuhalten – Abstand, Hygiene und Alltagsmasken sind wirkungsvoll.“ Dabei komme es auf jeden einzelnen an.