Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Warum sich Jutta Steinruck ihren Auftritt beim Politik-Talk nicht angesehen hat

Markus Lanz, Boris Palmer und Jutta Steinruck, die Bund und Länder für schlechte Gesetze kritisierte und eine Finanzreform forde
Markus Lanz, Boris Palmer und Jutta Steinruck, die Bund und Länder für schlechte Gesetze kritisierte und eine Finanzreform forderte.

Anfangs etwas nervös, aber dann beherzt wie gewohnt – so war der Auftritt der Ludwigshafener OB Jutta Steinruck bei Markus Lanz.

Für die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (parteilos) war es eine Premiere: Die 62-Jährige war am Dienstag erstmals Gast in einer Talkshow – bei Markus Lanz im ZDF. Thema: das Verhältnis zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Eines von Steinrucks Kernthemen, denn sie kämpft schon seit Jahren gegen die Unterfinanzierung der Kommunen.

Aus Protest gegen die Finanzpolitik von Bund und Land, die ihrer Stadt immer neue ungedeckte Ausgaben bescheren, ist die Oberbürgermeisterin im Sommer 2023 nach 27 Jahren Mitgliedschaft aus der SPD ausgetreten. Und weil der finanzielle Spielraum für die Kommunalpolitik immer enger wird, tritt Steinruck auch bei der OB-Wahl im September in Ludwigshafen nicht mehr an. Die größte Stadt der Pfalz (knapp 180.000 Einwohner) gehört mit über einer Milliarde Euro Schulden zu den meistverschuldeten Kommunen in Deutschland.

Nervosität legt sich schnell

Als die Redaktion von Markus Lanz anrief und sie als Gast für die Talkshow in Hamburg einlud, sagte Steinruck sofort zu. Ein wenig TV-Erfahrung hatte die OB schon, weil sie wegen der Hochstraßenbauprojekte in Ludwigshafen schon in den Nachrichtensendungen „Tagesthemen“ und „Heute Journal“ interviewt wurde. Doch eine 73-minütige Talkshow mit einem bekannten Moderator war für Steinruck absolutes Neuland.

„Ich war sehr nervös und hatte großen Respekt vor Markus Lanz, dessen Nachfragen ja gefürchtet sind. Aber er war sehr sympathisch“, sagt sie am Tag nach der Ausstrahlung. Während der Aufzeichnung der Sendung ab 18.30 Uhr legte sich die Nervosität schnell – zumal Steinruck zwei der weiteren Talkgäste kannte: den Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (parteilos) und den Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises, Achim Brötel (CDU). Die Ludwigshafener OB taute schnell auf und beteiligte sich rege an der Diskussion, die sich um die Erwartungshaltung an die künftige Regierungskoalition aus Union und SPD in Berlin drehte.

Sendung nicht ganz angesehen

Steinruck forderte von Bund und Land bessere Gesetze und eine angemessene finanzielle Ausstattung der Kommunen, damit sie die übertragenen Aufgaben etwa im Bildungsbereich ohne neue Schulden bewältigen können. Die OB sprach ähnlich beherzt vor einem Millionenpublikum wie im Ludwigshafener Stadtrat, wohin sich in der Regel nur wenige Zuschauer verirren: „Mein Kopf war voll mit weiteren Themen. Ich hätte gerne mehr transportiert, aber man hat ja nur eine begrenzte Redezeit.“

Ihr Fazit: „Es war toll, dass ich dabei sein durfte. Die Rückmeldungen waren sehr positiv. Ich glaube, durch so eine Sendung finden die Probleme der Kommunen Gehör.“ In die Talkshow, die ab 22.45 Uhr ausgestrahlt wurde, hat Steinruck nur kurz reingeschaut. „Ich sehe mich nicht gerne im Fernsehen. Ich bin dann ins Bett.“

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