Rheinland-Pfalz
Wahlabend am Sonntag ohne Party
Nach dem Hygienekonzept, das der Landtag von der Dekra hat erarbeiten lassen, dürfen in die Fraktionsräume der großen Parteien SPD und CDU jeweils 18 Personen, bei der FDP sind es nur acht.
Die gewohnten 18-Uhr-Bilder wird es deshalb nicht geben, Gefühlsausbrüche in der großen Gemeinschaft lässt die Pandemie nicht zu, allenfalls in Kleinstgruppen. Das Innere des Abgeordnetenhauses in Mainz wird fast zur journalistenfreien Zone. Dabei sind laut Landtagssprecher Marco Sussmann 187 Berichterstatter akkreditiert. Das Interesse ist groß, weil die Wahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg am Sonntag der Auftakt zu einem Superwahljahr sind, an dessen Ende Angela Merkel (CDU) aller Voraussicht nach nicht mehr Kanzlerin sein wird.
Die großen Fernsehsender bauen bereits seit Tagen ihre Wahlstudios auf dem Ernst-Ludwig-Platz und auf dem Helmut-Kohl-Platz auf. Beide Plätze liegen direkt zwischen dem Abgeordnetenhaus und der Staatskanzlei.
Im Innenhof des Abgeordnetenhauses werden rund um die gläserne Pyramide „Interviewpoints“ und „Statementflächen“ ausgewiesen, das sind Zelte mit offenen Wänden, in denen Politiker zum Wahlausgang Stellung beziehen. Leinwände hängen dort, um die Prognosen und die ersten Hochrechnungen verfolgen zu können. SPD, CDU, FDP und AfD werden im Innenhof vertreten sein. Die Grünen haben sich ein Ausweichquartier gesucht. Der Club „Schon Schön“ ist auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Auch dort erlaubt das Hygienekonzept nur eine Veranstaltung mit wenigen Menschen.
Berichterstatter können immerhin einen „Mini-18-Uhr-Moment“ einfangen - mit Masken und auch bei Regen. Belastbare Hochrechnungen werden wegen des hohen Briefwähleranteils deutlich später als sonst erwartet. Dass es zwischen Prognose und Hochrechnung im Innenhof eng werden kann, befürchten auch die Parteien.
Mit der Verlegung ins Freie will der Landtag vorbeugen, dass der Wahlabend eine Corona-Infektionswelle nach sich ziehen wird. Die Verantwortlichen haben zudem Kapazitäten im Corona-Testzentrum in Mainz-Hechtsheim reserviert und alle Journalisten und Politiker aufgefordert, Schnelltests vornehmen zu lassen.
Ein typisches Bild jedes Wahlabends wird ganz ausfallen: der Einzug der Spitzenkandidatin oder des Spitzenkandidaten auf der Wahlparty. Gewöhnlich kommen sie zu einer Zeit, in denen sich ein stabiler Trend abzeichnet. Sie werden gefeiert – oder getröstet. Dann folgt die Ansprache an die eigenen Leute. Ministerpräsidentin Malu Dreyer, die Spitzenkandidatin der SPD, wird die Worte ans eigene Parteivolk nach jetzigen Plänen in einem fast leeren Fraktionssaal in eine Fernsehkamera sprechen, so hält es auch der CDU-Kandidat Christian Baldauf. Wann beide in den Innenhof kommen, ist ungewiss.