Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Verkehrsblockaden am Rhein: Baustellen belasten den Einzelhandel

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Besonders gut besucht ist Speyer an verkaufsoffenen Sonntagen. Wegen der 26-monatigen Sperrung der Salierbrücke befürchten Händler, dass viele Kunden von der rechten Rheinseite der Stadt fernbleiben.

Schon im jüngsten Weihnachtsgeschäft haben Einzelhändler gerade auch in der Pfalz über eine geringe Frequenz in den Innenstädten geklagt. Die Citys und damit die Geschäfte seien wegen vieler Baustellen nur schwer zu erreichen, klagten viele bei einer Umfrage des Handelsverbands Rheinland-Pfalz. Den Händlern in Speyer steht nun mit der 26-monatigen Sanierung der Salierbrücke eventuell eine längere Durststrecke bevor.

Einst die großen Märkte auf der grünen Wiese als Konkurrenz und jetzt der zunehmende Druck durch den Online-Handel: Einzelhändler haben es seit vielen Jahren nicht leicht, Kunden in die Städte und zu locken und dann auch als Käufer zu gewinnen. Baustellen und Sperrungen sind weitere Belastungen für die Geschäftsleute in den Gemeinden und Städten. Während die Arbeiten bei Wörth für die Händler dort nur wenig Bedeutung haben, sieht es wenige Kilometer nördlich ganz anders aus. In Speyer, wo die vielbefahrene Salierbrücke seit 21. Januar für 26 Monate gesperrt ist und damit die Bundestraßenverbindung nach Hockenheim und Schwetzingen, sorgen sich viele Geschäftsinhaber. Sie fürchten, dass viele Kunden aus Baden einen großen Bogen um die Stadt machen, statt die etwas längere Umleitungsstrecke über die A 61 zu nehmen.

Ähnliche Werte bei Verkehrszählung

Kunden aus der Umgebung von Hockenheim und Schwetzingen spielen eine große Rolle in Speyer. Auf „bis zu 30 Prozent“ beziffern etwa Galeria Kaufhof und das große Schuhhaus Bödeker deren Anteil, sogar noch etwas höher geht Andrea Veth, Inhaberin des weit kleineren Fachgeschäfts Hut-Beisel. Eine von der städtischen Wirtschaftsförderung initiierte Verkehrszählung hat ähnliche Werte ergeben: Laut Kfz-Kennzeichen auf großen Speyerer Parkflächen kam „fast ein Viertel“ Besucher aus dem Badischen. „Mir war schon bei der Ankündigung der Sanierung vor zwei Jahren klar, dass wir da etwas machen müssen“, sagt Liliana Gatterer, Speyerer Unternehmerin und Landesvorsitzende des Bunds der Selbständigen (BDS). Es sei dann im Sommer vergangenen Jahres zwar eigentlich alles zu spät gestartet worden, aber trotzdem ist sie froh, dass jetzt eine Marketingkampagne anläuft, um gerade im Badischen für Speyer als Einkaufs- und touristischen Standort zu werben. Zur Finanzierung dieser Kampagne will die Stadt Speyer nach Angaben eines Sprechers in der Wirtschaft 50.000 Euro für jedes der drei Sperrungsjahre einsammeln.

Sanierung treibt Händler um

Das Sportgeschäft Sakul in der Maximilianstraße ist kreativer Vorreiter mit speziellen Rabatten – je nach Länge des brückenbedingten Umwegs – für badische Kunden. Auf die Forderung der Händler, während der Zeit der Brückensperrung in Speyer keine Parkgebühren zu erheben, war die Stadt nicht eingegangen. Trotzdem treiben die Sanierung der täglich von rund 20.000 Fahrzeugen genutzten B-39-Rheinquerung bei Speyer, aber auch die Arbeiten an der Rheinbrücke bei Wörth sowie die Hochstraßenpläne in Ludwigshafen  die Händler um. Thomas Scherer, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands Rheinland-Pfalz, weiß von einigen Geschäften in der Pfalz, die überlegen, ihren Sitz zu verlegen. Raus aus der Innenstadt, hin zu Randgebieten, die für die Kunden besser zu erreichen sind.

Noch kein Kopfzerbrechen

Neben Kunden sind auch Zulieferer von Sperrungen oder Umleitungen betroffen. Der Handelsriese Metro und die Discounter-Kette Aldi beispielsweise betreiben in Grünstadt große Logistikzentren, von wo aus die Filialen bedient werden. Der Internetgigant Amazon hat im August vergangenen Jahres bei Frankenthal sein deutschlandweit 13. Logistikzentrum eröffnet. Kopfzerbrechen mach sich nach ersten Auskünften wegen der Brückenarbeiten noch niemand. „Wir arbeiten seit vielen Jahren mit sehr erfahrenen Transportunternehmen zusammen, die ihrerseits die nötige logistische Expertise aufweisen, um ihre Routenplanung bei Bedarf anzupassen“, heißt es etwa bei Amazon. Zudem beliefere der Konzern von Frankenthal aus nicht die Endkunden, sondern weitere Sortier- und Verteilzentren, teilte der Konzern auf Anfrage weiter mit.

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