Rheinland-Pfalz Tour de Pfalz (7): Unglaubliches Glück für die Büffel

Der Almensee (oben) wurde in den 1970er Jahren angelegt. Draußen sengende Hitze, im Tipi (unten) genießt Petra Depper-Koch die a
Draußen sengende Hitze, im Tipi genießt Petra Depper-Koch die angenehme Kühle.

Heute: Kurzurlaub im Tipi am Almensee in Bad Dürkheim. Die Pfalz. (Fast) unendliche Weiten, Ebenen, Berge, Wasser, Wiesen. Und viel Wald. Die RHEINPFALZ hat sich wieder auf den Weg gemacht. Kreuz und quer durch die Pfalz. In unserer Sommerserie berichten Redaktionsmitglieder, was sie bei der „Tour de Pfalz 2018“ erlebt haben.

Die moderne Technik ist dem traditionellen Handwerk oft unterlegen. Das lässt sich nach zwei Nächten im Indianer-Tipi eindeutig feststellen. Gezeigt hat sich das schon auf der Fahrt zum Knaus Campingpark in Bad Dürkheim. Das Display im Auto zeigt an, dass Wischwasser nachgefüllt werden muss, und nervt mit einem permanenten Warnsignal. Also rasch zur Tankstelle. Doch die alarmierenden Piepstöne halten an, erhöhen ihre Frequenz im Minutentakt. Der Blick in die Bedienungsanleitung hilft auch nicht weiter. Leichte Panik, dass irgendetwas ernsthaft dem Motor schaden könnte. Bis der sechsjährige Max von hinten empört schreit: „So ein Mist! Wir sind doch alle angeschnallt!“ Da fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Auf dem Sitz neben mir steht die prall gefüllte Kühltasche. Mein Auto moniert, dass dieser schwergewichtige „Beifahrer“ keinen Gurt angelegt hat … Hough!

Bratwürste statt Büffel

Die restliche Fahrt verläuft in friedlicher Stille, unterbrochen nur von gemeinsamen Überlegungen, wie wir als „echte“ Indianer einen Büffel fürs Abendessen erlegen könnten. Schließlich der Beschluss, es angesichts der Hitze zunächst einmal bei Bratwürsten zu belassen. Auf dem Campingplatz Almensee werden wir auf 15 Uhr vertröstet, dann öffnet sich die Schranke wieder, und man kann das für drei Tage gemietete Tipi beziehen. Gut, das war bei den Indianern einfacher. Egal, als Späher müssen wir eh zuerst einmal das Gelände erkunden. Vielleicht grast ja eine Büffelherde direkt am See. Glücklicherweise ist das nicht der Fall, dafür gibt es Kanadagänse und Enten, die das Ufer vollkacken. Der Platz gefällt uns trotzdem. Der Badesee ist mit vier Hektar größer als erwartet, das Getümmel im Wasser hält sich trotz Hochsaison in Grenzen.

Ernährung vorerst gesichert

Etwas unindianisch entscheiden wir uns für ein Eis und Biolimonade an der Beachbar. Hier lässt es sich mit Blick auf den See aushalten. Fast wie im Urlaub: Sand unter den Füßen, altmodische Holzliegestühle, Pflanzkübel und eine ausgesprochen nette „Bardame“. Ein Holzschild am Eingang des Platzes verspricht, dass die Strandbar bei Sommerwetter immer um 12 Uhr öffnet. Das klingt vielversprechend. Hinter der Bar ist die Gaststätte Almensee, auf deren Terrasse sich Gäste ihr Mittagessen schmecken lassen. Auch ohne Büffel scheint die Ernährung vorerst gesichert. Um drei beziehen wir Tipi Numero Vier. Max ist begeistert. Das weiße Zelt ist mit sechs Metern Durchmesser sehr geräumig, und drinnen ist es kühl. Es gibt eine Feuerstelle, auf der man grillen kann. Oben hat ein Tipi eine schornsteinartige Öffnung, so dass der Rauch problemlos abziehen kann. Das haben sich die Indianer schlau ausgedacht. Ein Matratzenlager bietet jede Menge Platz für eine kleine Gruppe oder eine große Familie. Das Einräumen ist bei einer Außentemperatur von mindestens 35 Grad schweißtreibend, aber es gibt einen Kühlschrank für kalte Getränke – also einen Ehrenpunkt für die moderne Technik. Die Einrichtung ist übersichtlich. Ein paar Holzregale und drei schmale Bänkchen. Geschirr: Fehlanzeige. Da Rauchsignale jetzt wenig hilfreich wären, ist ein Anruf in Speyer erforderlich mit der Bitte an den noch arbeitenden Göttergatten, aus der Büroküche Besteck und Teller mitzubringen. Gläser hatte ich vorsorglich mitgebracht. Genau wie Campingtisch und Stühle.

Adlerfeder gelüstet es nach Keksen

Max saust gerade als „Adlerfeder“ durch die Gegend, knüpft schon Kontakte auf dem gut besuchten Platz. Mich tauft er „Schneller Pfeil“, obwohl ich bei diesem Wetter eher im Schneckentempo unterwegs bin. Opa Klaus trudelt mit dem Geschirr ein, nennt sich „Großer Rieslingschorle-Trinker“, ein Name, der dem Enkel nicht so ganz ins Ohr geht. Indianer hin oder her, das Kind verlässt das Wasser nur, um gewissen menschlichen Bedürfnissen nachzugehen. Mit Büffelfleisch hat der Sechsjährige jetzt eh nichts am Hut. Adlerfeder gelüstet es nach Keksen, Eis, belegten Brötchen, Tomaten, Wassermelone und Apfelsaftschorle. Der Almensee ist nicht ganz so trüb, wie er auf den ersten Blick aussieht. Vor allem morgens in der Frühe ist das Schwimmen herrlich.

Das Indianerdasein genießen

Nach dem Duschen im blitzsauberen Sanitärgebäude ist Klaus nicht zu beneiden. Ich bin heilfroh, dass ich nur Gurkensalat machen muss und die Kartoffeln daheim vorbereitet habe. Die Sitzbänke sind für große Männer arg klein. Das Grillen im Tipi ist bei 40 Grad eine Tortur, die der Häuptling mit dem komplizierten Namen tapfer auf sich nimmt. Trotz dicker Schweißtropfen grillt er perfekte Würstchen. Auch er ist erleichtert, dass der Büffel vom Speiseplan gestrichen wurde. Punkt 22 Uhr fällt Adlerfeder groggy ins Bett. Der plumpe Versuch seiner geliebten Mama, ihn mit einem molligen Winterschlafsack umzubringen, misslingt. Schneller Pfeil überredet das schwitzende Kind, das unter diesem Monstrum liegt, doch lieber ein Laken zu benutzen. Max sinkt in Tiefschlaf, während seine sich gar nicht so alt fühlenden Großeltern draußen den Sternenhimmel, die laue Luft, eine Flasche Rosé und das Camper-, äh Indianerdasein genießen.

Zelte reichen bis dicht ans Ufer

Es schläft sich definitiv himmlisch im Tipi. Und der Sprung frühmorgens in den noch jungfräulichen See ist ein Genuss. Frühstück im Halbschatten, dann zurück ans Wasser. Die Liegewiese verdient ihren Namen nicht. Sie ist hart wie ein Brett. Zum Glück haben wir eine Luftmatratze. Auch die Holzbänke ohne Lehne lassen sich als Liege missbrauchen. Indianer sollten allerdings auf dem Weg zum See ihren Blick stets gen Boden richten, um nicht in die Hinterlassenschaften der Enten zu treten. Mächtige Gummiboote anderer Camper – Flamingos, Einhörner und Schwäne – die am Ufer liegen, versperren die Sicht auf die planschenden Kinder, so dass man sich den Hals verrenken muss. Proviant müssen wir aus dem Tipi holen, da Strandbar und Restaurant mittwochs geschlossen sind. Und das in der Hochsaison … Die Zelte reichen bis dicht ans Ufer. Am Strand tummeln sich aber nicht nur Camper aus aller Welt, sondern auch Badegäste von außerhalb. Alle ärgern sich über die verrammelte Bude und stürmen am Nachmittag den kleinen Laden, um doch noch ein Eis zu ergattern.

Saumagen für Adlerfeder

Die Büffel überleben unseren zweiten Abend nur, weil neben dem Campingplatz der Flugplatz liegt. Dort befindet sich das Restaurant Cockpit mit einer schönen Terrasse. Adlerfeder futtert also Saumagen und findet es spannend, Motorflugzeugen und Ultraleichtfliegern beim Start zuzusehen. Noch ein Punkt für die Moderne.

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Der Almensee wurde in den 1970er Jahren angelegt
„Adlerfeder“ hält auch am späten Abend vor dem Tipi noch Ausschau nach einer Büffelherde.
»Adlerfeder« hält auch am späten Abend vor dem Tipi noch Ausschau nach einer Büffelherde.
Max bewacht die Bratwurst, während der Grillmeister Luft schnappt.
Max bewacht die Bratwurst, während der Grillmeister Luft schnappt.
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