Fragen und Antworten
So läuft der Ausbau von Windenergie in Rheinland-Pfalz
Wie viele Windkraftanlagen wurden 2022 in Rheinland-Pfalz gebaut und in Betrieb genommen?
„Im ersten Halbjahr 2022 wurden elf Windkraftanlagen in Betrieb genommen. Das entspricht einer installierten Leistung von 42 Megawatt“, informiert Dietmar Brück, Pressesprecher des rheinland-pfälzischen Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität, auf RHEINPFALZ-Anfrage. Zum Verständnis: Mit einem Megawatt können rund 580 durchschnittliche Haushalte für ein Jahr mit Strom versorgt werden. Damit konnte das Land zwischen April und Juni nachlegen, nachdem im ersten Quartal 2022 lediglich eine Anlage in Betrieb genommen wurde.
Für das zweite Halbjahr könne lediglich eine Prognose abgegeben werden. „Der mögliche Zubau liegt bei 15 bis 20 Anlagen“, so Brück. Das entspreche einer Leistung von 60 bis 80 Megawatt.
Wo wurden diese aufgestellt?
Von den elf Windrädern aus dem ersten Halbjahr fanden laut Ministerium drei ihren Platz in der Pfalz: zwei im Donnersbergkreis und eins im Kreis Kaiserslautern. Fünf neue Anlagen wurden im Kreis Alzey-Worms errichtet, jeweils eine neue steht nun im Kreis Mainz-Bingen, in Bernkastel-Wittlich sowie in Mainz. Für das zweite Halbjahr liegen noch keine Daten vor.
Entspricht das der Zielsetzung des Landes für 2022?
Nein. Die Ampelregierung in Rheinland-Pfalz – bestehend aus SPD, Grünen und FDP – hat sich in ihrem Koalitionsvertrag zum Ziel gesetzt, den Ausbau von Windenergie mit einer zusätzlichen Leistung von 500 Megawatt pro Jahr voranzutreiben. Selbst im Idealfall werden für 2022 maximal 122 Megawatt erreicht, wodurch das Ziel deutlich verpasst wird. „Die Differenz des diesjährigen Zubaus bei der Windenergie zum jährlichen Zielwert soll in den folgenden Jahren durch einen zusätzlichen Ausbau ausgeglichen werden“, kündigt Brück an. Als Erklärung nennt das Ministerium gesetzliche Änderungen, die es auf Bundesebene gegeben habe. So habe etwa die Einführung von Mindestabständen für Windräder den Ausbau ausgebremst. Das übergeordnete Ziel sei, bis 2030 den gesamten Strombedarf von Rheinland-Pfalz mit erneuerbaren Energien zu decken, betont Brück.
Wie viele Anlagen sind für 2023 geplant?
„Wir können nur Gesamtzahlen angeben. Sie lassen sich nicht auf das Jahr 2023 eingrenzen“, erklärt Dietmar Brück. Geplant seien derzeit 65 Windenergieanlagen. Diese würden eine Leistung von 265 Megawatt mit sich bringen. Zusätzlich wurden 231 neue Anlagen (1043 Megawatt) bisher beantragt.
Wie viele sind aktuell genehmigt?
99 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 375 Megawatt haben laut Brück mittlerweile das Genehmigungsverfahren hinter sich. Diese sollen nun in den nächsten Jahren gebaut werden – wie viele schon 2023 errichtet werden, stehe noch nicht abschließend fest.
Betreffen die Pläne den Pfälzerwald?
Als sich die Ampelparteien in ihrem Koalitionsvertrag darauf einigten, auch an bestimmten Stellen im Pfälzerwald – in sogenannten Entwicklungszonen, etwa entlang von Autobahnen und Bahntrassen sowie auf ehemaligen Militärgeländen – Windräder aufstellen zu wollen, sorgte das für Proteste in der ganzen Region. Hier kann Dietmar Brück Entwarnung geben: Keine der aktuell geplanten Windkraftanlagen soll im Pfälzerwald gebaut werden – weder im Biosphärenreservat noch in den Entwicklungszonen.
Wie viel des Gesamtstrombedarfs in Rheinland-Pfalz wird aus erneuerbaren Energien gewonnen?
„Der Bruttostromverbrauch von Rheinland-Pfalz betrug im Jahr 2020 insgesamt 28,5 Milliarden Kilowattstunden“, berichtet Ministeriumssprecher Brück. Der Anteil erneuerbarer Energien habe rund 11,8 Milliarden Kilowattstunden betragen, was etwa 41 Prozent entspricht. Damit liegt Rheinland-Pfalz unter dem Bundesschnitt: 2020 betrug der Stromanteil aus erneuerbaren Energien laut Umweltbundesamt 45,2 Prozent. Das wird etwa vom Kreisverband Südwestpfalz der Grünen bemängelt.
Wie viel davon trägt Windkraft bei?
Wie Brück mitteilt, konnten die rheinland-pfälzischen Windenergieanlagen 2020 7,6 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugen. Der Anteil am Gesamtstromverbrauch im Land liegt damit bei 26,7 Prozent. Die weiteren in Rheinland-Pfalz genutzten erneuerbaren Energien sind Photovoltaik – also Solarenergie –, Biomasse und Wasserkraft.
Was sagt die Opposition?
Auf Anfrage der RHEINPFALZ kritisiert der Mainzer Landtagsabgeordnete Gerd Schreiner (CDU) die Koalition: „Die Ampelregierung reißt nicht nur ihre eigenen Ausbauziele bei Wind und Photovoltaik krachend, beim erforderlichen Ausbau der Wasserkraft formuliert sie noch nicht mal ein Ausbauziel.“ Schreiner prangert im Namen seiner Fraktion an, dass die Genehmigung für ein Windrad in Rheinland-Pfalz sieben Jahre daure – zu lang, wie der Christdemokrat meint. Sein Fazit: „Leider ist unser Land kein Vorbild für die Energiewende.“
