Rheinland-Pfalz
Schad: Auch kleinere Kirche ist Volkskirche
Auch eine kleiner werdende Kirche sei eine Volkskirche, die sich argumentativ Gehör verschaffen und zu Wort melden müsse. Das sagte am Dienstagabend Kirchenpräsident Christian Schad beim Adventsempfang der evangelischen Landeskirche der Pfalz in Bad Dürkheim. Trotz sinkender Mitgliederzahlen werde die Kirche als verlässliche Institution gebraucht und habe ihren christlichen Auftrag zu erfüllen.
Schad kritisierte die Verrohung der Sprache, den Umgang mit Flüchtlingen und den wachsenden Antisemitismus: „Dass Juden sich in diesem Land nicht mehr sicher fühlen, ist ein Alarmzeichen.“ Der Anschlag auf die Synagoge in Halle habe gezeigt, dass Rassismus, Antisemitismus und Fremdenhass offenbar noch nie aus der Mitte der Gesellschaft verschwunden gewesen seien. Als Zeichen der Verbundenheit will der pfälzische Kirchenpräsident am 27. Januar 2020 – 75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz – gemeinsam mit Bischof Karl-Heinz Wiesemann die Synagoge in Speyer besuchen.
Signal für Flüchtlingshilfe
Als wichtiges Signal bei der Flüchtlingshilfe nannte der Kirchenpräsident den Beschluss der Evangelischen Kirche Deutschlands, mit Hilfe von Spendengeldern ein zusätzliches Schiff für die Seenotrettung zu finanzieren. Schon der Gedanke, Menschen bewusst ertrinken zu lassen, um andere abzuschrecken, ihre Heimat zu verlassen, sei zynisch. Die Rettung von Flüchtlingen aus dem Meer dürfe nicht gegen die Bekämpfung von Fluchtursachen ausgespielt werden, betonte Schad. Er wies darauf hin, dass die Integration von Flüchtlingen besser als erwartet gelungen sei. Fast 400.000 Menschen hätten bereits Arbeit gefunden, auch im Handwerk, in der Industrie und in der Pflege – also dort, wo dringend Fachkräfte gebraucht würden. Die Kirche werde sich auch weiterhin dafür einsetzen, geflüchtete Menschen aufzunehmen, zu integrieren und Mittel dafür zur Verfügung stellen.
Werbung für Presbyter-Wahl
Hinsichtlich der im nächsten Jahr anstehenden Presbyteriumswahlen in Pfalz und Saarpfalz hofft der Kirchenpräsident, dass die Wahlbeteiligung wieder bei mindestens 30 Prozent liegen wird. Dazu wurde die Werbekampagne „Mach mit – Mach Mut. Kirchenwahlen 2020“ angestoßen. Plakate und Videos sollen auch junge Leute dazu animieren, zu kandidieren. Er sei verblüfft gewesen, wie viele Pfälzer Presbyter – Frauen und Männer – Interesse bekundet hätten, als Werbebotschafter ihr Gesicht zu zeigen und sich öffentlich zur Kirche und zum Glauben zu bekennen, sagte Schad.