Jugend Forscht RHEINPFALZ Plus Artikel Schülerinnen erfinden biologisch abbaubares Feuerwerk

Das Logo des diesjährigen „Jugend forscht“-Wettbewerbs.
Das Logo des diesjährigen »Jugend forscht«-Wettbewerbs.

Wie wirkt ein Pflanzenschutzmittel aus Brennesseljauche? Wie gut sind die Bedingungen für Radfahrer in Kaiserslautern? Wie wächst ein frost-resistenter Pilz auf gefrorenem Boden? Diese und andere Fragen haben sich Jugendliche aus der Pfalz dieses Jahr beim Wettbewerb „Jugend forscht“ vorgenommen – und teils überraschende Antworten gefunden.

Auch beim 57. Wettbewerb der Reihe konnten sich die Teilnehmer, unterstützt von der BASF, pandemiebedingt nur Online vernetzen und ihre jeweiligen Projekte präsentieren. Die BASF habe das Beste aus diesen Bedingungen gemacht, lobten Jonas Mannweiler und Philipp Sahm vom Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium aus Neustadt. Die Präsentation ihres Projektes stützte sich ohnehin auf Filmmaterial und Messdaten: Es geht um eine Drohne zur Überwachung der Luftqualität. „Der Vorteil ist, dass wir damit beispielsweise Feinstaub nicht nur an einer festen Messstelle, sondern flexibel erfassen können.“ Zusätzlich kann die Drohne beachtliche drei Kilogramm zuladen, und sie hat Arbeitsplätze für Sensoren, die unterschiedliche Stoffe in der Luft erfassen können. Dass sie die Drohne dafür auch noch selbst entwickelt und gebaut haben, sei dabei nur eine Randerscheinung. „Uns geht es in erster Linie um die erfassten Daten“, so die beiden Nachwuchsforscher.

Umweltverträgliche Schönheit stand hingegen im Mittelpunkt der Überlegungen von Sophie Conrath (15) und Zoe Holler (16), die beide die zehnte Klasse am Gymnasium im Alfred-Grosser-Schulzentrum in Bad Bergzabern besuchen. „Wir finden beide Feuerwerk schön und haben versucht, die Nachteile daran wie Feinstaub, Lärm und Dreck auszuschalten“, erklärten sie. Herausgekommen sind bunte wasserfallartige Kaskaden, die sich im Nachthimmel ergießen, umweltfreundlich in die Luft geschossen über eine herkömmliche Schleuder. Das Geheimnis: Partikel mit fluoreszierender Farbe, die auf natürlich abbaubare Oblaten gestrichen wurden.

Elias Fosselmann und Leon Dudenhöffer waren hingegen im Wald unterwegs. „Wir sammeln beide gerne Pilze“, erklärten die 18-jährigen vom Gymnasium im Pamina-Schulzentrum aus Herxheim. Dabei begegnete den beiden der Samtfußrübling. Dieser Pilz wächst auf gefrorenem Boden. „Wir wollten wissen, wie die Pilze das machen.“ Dabei entdeckten sie ein Protein mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. „Es schützt zum einen den Pilz nach innen und gibt die Kälte nach außen ab.“ Dadurch könne das Protein beispielsweise in der Produktion von Kunstschnee, aber auch als natürlicher Frostschutz eingesetzt werden. Weitere Einsatzmöglichkeiten wollen sie in Experimenten herausfinden, „denn wir stehen erst am Anfang.“

Wie die meisten Teilnehmer war auch David Sauer ein alter Hase. Im Vorjahr stellte er ein Pflanzenschutzmittel aus Brennesseljauche vor. „Mittlerweile habe ich daran weiter geforscht“, erklärte der 18-jährige Abiturient, der bis zu seinem Schulabschluss am Gymnasium am Kaiserdom in Speyer die Schulbank drückte. Immerhin habe er deshalb mittlerweile entdeckt, dass die Pflanzenschutzmittel nicht, wie gehofft, lediglich für die Insekten, sondern auch für die Pflanzen schädlich sind. „Deshalb habe ich zu den Wirkungsmechanismen nachgeforscht“, umschrieb er in wenigen Worten, was sich hinter dem sperrigen Titel „Wirkungsmechanismen von Dihydroxybenzenen in Pflanzen“ verbirgt. Mit seiner Forschung überzeugte er die Jury ganz offensichtlich. Er sicherte sich damit Platz eins in der Interdisziplinären Kategorie.

Weitere Preise gab es im Landeswettbewerb für einen Vokalbeltrainer, einen Ansatz, das Wachstum von Krebszellen zu verhindern, ein kostengünstiges professionelles Videobeweis-System, Forschung zur experimentellen Redox-Flow-Akku-Technologie, ein selbstgebautes digitales Messinstrument, Erdbebenmessungen mit Infraschall und Untersuchungen zur Gravitation.

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