Neustadt
Rheinland-Pfalz-Tag: Paraden begeistern Festbesucher
Aus Erstaunen wird Begeisterung: Als plötzlich Biene Maja durch die Neustadter Innenstadt läuft, sind einige Kinder kaum noch zu halten. Die berühmte Biene ist Teil der wohl markantesten Neuerung des Rheinland-Pfalz-Tags: Statt eines großen Umzugs am Sonntag, schlängeln sich an den drei Festtagen immer wieder die Paraden aus Fuß- und Musikgruppen durch die Festmeile. Insgesamt sind es laut Veranstalter acht Stück mit 1600 Teilnehmern.
Die Abkehr vom Umzug begründen die Verantwortlichen beim Land damit, dass dieser viel Aufmerksamkeit von den Ständen und anderen Attraktionen abgezogen habe. Eine Rolle spielte sicher auch, dass es immer schwieriger wird, attraktive Umzüge auf die Beine zu stellen, nicht zuletzt wegen gestiegener Sicherheitsanforderungen. Die bunten, kreativen Paraden kamen jedenfalls bei den Besuchern gut an und wurden von vielen als schöne Überraschung wahrgenommen – auch weil nicht jedem klar war, wann und wo sie verlaufen.
Tanzveranstaltung wird Publikumsmagnet
Bei der Abschlusspressekonferenz am Sonntagnachmittag zeigte sich der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) ebenfalls sehr angetan. Die Paraden „waren ein belebendes Element“. Er könne sich gut vorstellen, dass diese auch in anderen Städten funktionierten. Festlegen wollte er sich hier nicht, das sei Thema in der Nachbereitung des Festes.
Für den Dämmerschoppen der Landesregierung, den Bürgerempfang und das Format „Rheinland-Pfalz tanzt“ kündigte Schweitzer indes eine Wiederholung an. Insbesondere die Tanzveranstaltung war ein Publikumsmagnet. Es traten dabei zehn Gruppen auf dem Neustadter Kohlplatz auf, eine vierstellige Anzahl an Besuchern verfolgte die Auftritte. Wobei „verfolgte“ nicht der richtige Ausdruck ist: Die Menschen ließen sich von den Aktiven auf der Bühne mitreißen und gingen richtig mit.
Vor den Bühnen dem Regen getrotzt
Traditionelle Höhepunkte eines Rheinland-Pfalz-Tags sind die Musikdarbietungen – und da war auch für so ziemlich jeden Geschmack etwas dabei. Als Michael Schulte am Freitag auftrat, musste zeitweise ein Einlassstopp verhängt werden, weil zu viele Menschen zur Bühne strömten. Am Samstagabend trotzten viele Menschen dem Regen und feierten mit Kamrad, den regionalen Größen Woifeschdkänich und Anonyme Giddarischde sowie Nik Kershaw und Coverbands. Den Schlusspunkt setzte am Sonntagabend Joris.
Es waren aber nicht nur die lauten, Momente, die den Rheinland-Pfalz-Tag ausmachten. So lockten etwa kulturelle Angebote in die Hinterhöfe der Innenstadt. Besonders faszinierte eine Lichtinstallation des Künstlers Simon Reichert in der Stiftskirche, der an der Orgel dazu Werke von Arvo Pärt spielte.
Uneinsichtiger Autofahrer
Dass sich die Verantwortlichen viele Gedanken zum Thema Sicherheit machten, war für die Festbesucher offensichtlich. Die Zufahrten zum Festgelände waren mit Barrieren unterschiedlicher Art blockiert. Sie stammten aus mehreren Städten des Landes, die hier geholfen haben. Die Polizei zog am Sonntagnachmittag ein überaus positives Fazit. Das Fest sei friedlich gewesen, sagte Harald Brock, Leiter der Neustadter Polizeidirektion. Betroffen machte nur ein Vorfall: Ein uneinsichtiger Autofahrer beleidigte Brock zufolge an einer Verkehrssperre erst einen Mitarbeiter des Ordnungsdienstes und fuhr dann auf ihn zu, wobei der Mann verletzt wurde. Die Verletzungen seien glücklicherweise wohl nicht so gravierend.
Bezeichnend für den Rheinland-Pfalz-Tag war dies aber nicht: Veranstalter, Aussteller und auch viele Besucher hoben immer wieder die positive, fröhliche und entspannte Stimmung hervor.


