Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Rheinland-Pfalz: 265 verletzte Menschen durch Hundebisse

Die meisten Bissvorfälle in Rheinland-Pfalz gehen auf das Konto von Schäferhunden.
Die meisten Bissvorfälle in Rheinland-Pfalz gehen auf das Konto von Schäferhunden. Foto: herbera

Landesregierung will dennoch Hundehaltern nicht den Abschluss einer Haftpflichtversicherung vorschreiben

In Rheinland-Pfalz sind im vergangenen Jahr 265 Menschen durch Hundebisse verletzt worden. In der Tendenz ist seit 2001 eine Zunahme dieser Schadensfälle zu beobachten. Die Landesregierung lehnt es dennoch weiterhin ab, in Rheinland-Pfalz eine Hundehaftpflichtversicherung vorzuschreiben. Verschiedene andere Bundesländer haben eine solche Versicherungspflicht dagegen eingeführt.

Drei Fälle aus den vergangenen Wochen

In Pirmasens geht eine 17-Jährige in eine Tiefgarage, dort sieht sie einen großen, weißen Hund auf sich zurennen. Sie versucht zu flüchten, der Hund springt sie aber von hinten an. Die junge Frau stürzt und verletzt sich – sie wird im Krankenhaus behandelt. Gegen den Hundehalter, der nicht eingegriffen hatte, wird Strafanzeige erstattet. In Edenkoben (Kreis Südliche Weinstraße) joggt eine 34-jährige Frau auf einem Wingertsweg. Ihr kommt eine Frau mit zwei Hunden entgegen, von einem der Tiere wird die Joggerin angesprungen, sie verletzt sich. In Mannheim ist eine 66-jährige Frau vergangene Woche am Rhein unterwegs, als sie von zwei Hunden angegriffen und mehrfach in Hüfte und Rücken gebissen wird. Die Halterinnen der Hunde nehmen die Tiere erst danach an die Leine. Die Seniorin ist so geschockt, dass sie nicht nach den Personalien fragt. Jetzt ermittelt die Polizei.

Behörde führt seit 2001 eine „Beißstatistik“

Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier führt seit 2001 eine „Beißstatistik“, die Vorkommnisse mit Hunden in Rheinland-Pfalz auflistet: Für 2018 weist sie – neben den 265 verletzten Menschen – auch 281 verletzte und 76 getötete Hunde aus. Auffällig: In den wenigsten Fällen waren es Exemplare der in Rheinland-Pfalz als gefährliche Hunde eingestuften Rassen American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Pit Bull Terrier, die zubissen und Menschen verletzten. Die meisten Vorfälle wurden 2018 dagegen durch Schäferhunde registriert: 34 verletzte Menschen, 33 verletzte und vier tote Hunde.

Ministerium verweist auf alte Antwort

Trotz dieser Schadensbilanz ist die Landesregierung in Mainz dagegen, Hundehalter zum Abschluss eine Hundehaftpflichtversicherung zu zwingen. Als jetzt der CDU-Landtagsabgeordnete Matthias Lammert die Haltung der Regierung zu diesem Thema hinterfragte, machte sich Innenstaatssekretär Randolf Stich (SPD) wenig Mühe: Er verwies einfach auf eine Antwort des Innenministeriums aus dem Jahre 2014. Damals hatte Innenminister Lewentz (SPD) erklärt, eine solche Hundehaftpflicht für alle Rassen sei in Rheinland-Pfalz im Rahmen präventiver Gefahrenabwehr „nicht erforderlich“. Viele Tierhalter hätten ohnehin auf freiwilliger Basis eine Versicherung.

Hundehaftpflicht in sieben Bundesländern

Andere Bundesländer sehen dies anders. Seit 2007 ist eine Hundehaftpflichtversicherung in Hamburg obligatorisch. Berlin, Niedersachsen und Thüringen haben diese Verpflichtung 2011 eingeführt, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt 2016. Nordrhein-Westfalen geht bereits seit dem Jahr 2000 einen Sonderweg: Dort müssen zumindest die Halter großer Hunde (Widerristhöhe von mindestens 40 Zentimeter oder ein Gewicht von mindestens 20 Kilogramm) für ihre Vierbeiner eine Haftpflichtversicherung abschließen.

Was ein Landtagsabgeordneter und Hundehalter sagt

CDU-Parlamentarier Lammert ist selbst Hundebesitzer. Für seinen Labrador hat er eine Haftpflichtversicherung, die ihn 52 Euro im Jahr kostet. Sein Hund sei ein „ganz lieber“, sagt Lammert. Aber ein Hund müsse nur jemanden anspringen, der dann unglücklich stürzt, oder in ein Auto rennen, was zu einem Unfall führt, dann sei man als Halter in der Pflicht. Die normale Privathaftpflicht decke solche Schäden in der Regel nicht ab. Also eine Versicherungspflicht? Er sei kein Freund von Regulierungen, bekennt Lammert. Er sagt aber gleichzeitig: „Ich bin da ganz offen.“ Ein Hund sei ohnehin mit Kosten verbunden. Wer sich solch ein Tier halte, dem sei es auch zuzumuten, eine Versicherung abzuschließen. Für soziale Fälle, für Obdachlose oder bedürftige Senioren sollten aber Freistellungsmöglichkeiten greifen. Hier lesen Sie einen Kommentar zu diesem Thema.

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