Heidelberg
Rechtsmedizinerin: So identifiziert man Verstorbene
Grundsätzlich gebe es mehrere Methoden, die bei der Identifizierung von Verstorbenen als sicher gelten, sagt die Heidelberger Rechtsmedizinerin Kathrin Yen. Diese setzten allerdings voraus, dass es Vergleichsmaterial von der betreffenden Person oder Verwandten gibt. Ein DNA-Abgleich könne innerhalb von einem oder zwei Tagen zu einem Ergebnis führen, auch über einen Abgleich des Zahnstatus’ könne man schnell Erkenntnisse zum Verstorbenen bekommen. Da es mitunter schwierig sei, kurzfristig an Vergleichsdaten zu kommen, werde dieses Verfahren eher selten gewählt, berichtet die Ärztliche Direktorin am Institut für Rechtsmedizin und Verkehrsmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg. Eine weitere sichere Methode, um die Identität von Verstorbenen zu klären, sei es, Fingerabdrücke zu nehmen – allerdings sei dies bei Menschen, die bei Bränden ums Leben gekommen oder nach dem Tod verbrannt sind, oft nicht mehr möglich. Radiologische Verfahren eigneten sich hingegen nach Bränden oder Verkehrsunfällen ebenfalls sehr gut, um herauszufinden, wer der Tote ist. Mit einer postmortalen CT-Untersuchung könne man medizinische Informationen über den Leichnam bekommen – etwa, ob der Mensch im Rahmen eines Unfalls bestimmte Verletzungen erlitten hat, ob er operiert wurde oder Implantate getragen hat. Letztere tragen manchmal Nummern, die eine eindeutige Identitätssicherung ermöglichen. Die Rechtsmedizinerin betont, dass selbst in Fällen, bei denen die Verstorbenen zuvor einer längeren Hitzeeinwirkung ausgesetzt waren und deutliche Brandzehrungen aufweisen – wie das bei Haus- oder Pkw-Bränden oft der Fall ist – immer noch so viel vom menschlichen Körper übrig bleibe, dass daraus eindeutige Erkenntnisse für die Identifizierung gewonnen werden können. Das gelte auch dann, wenn es für Laien den Anschein habe, dass ein Wagen komplett ausgebrannt ist, sagt die Professorin: „Die Befundung kann in den meisten Fällen trotzdem gut durchgeführt werden kann. Auch DNA ist immer noch vorhanden.“ Schwieriger mit der Identifizierung werde es hingegen, wenn es kein Vergleichsmaterial gibt. Hier sei Polizeiarbeit gefragt.