Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Prozess um BASF-Explosionsunglück: Auftritt des wichtigsten Gutachters

Im BASF-Prozess: Der Ankläger Dieter Zehe (links) unterhält sich Dirk Ley (rechts), einem Spezialisten für Brandursachenforschun
Im BASF-Prozess: Der Ankläger Dieter Zehe (links) unterhält sich Dirk Ley (rechts), einem Spezialisten für Brandursachenforschung. Er wird am Montag sein Gutachten zum Inferno am Nordhafen präsentieren.

Der Spezialist für Brandursachenforschung soll am Montag sagen, ob die Ankläger mit ihrer Theorie zur Ursache des Infernos richtig liegen. Eine Vorab-Einschätzung hat er bereits abgeliefert.

Bislang hat der Anzugträger mit dem hippen Männer-Dutt am Hinterkopf vor allem zugehört und gelassen Kaugummi gekaut. Am Montag allerdings wird Dirk Ley im Frankenthaler Gerichtssaal zum Hauptakteur: Er soll erklären, wie es im Oktober 2016 zum Ludwigshafener BASF-Explosionsunglück mit fünf Toten und Dutzenden Verletzten gekommen ist. Denn als Experte für Brandursachenforschung ist er der wichtigste Gutachter in einem Verfahren, für das die Justiz schon mehrere Experten beigezogen hat. Ein Team aus verschiedenen Tüv-Spezialisten etwa überprüfte nachträglich, ob bei der BASF vor dem Unglück die Anlagen immer vorschriftsmäßig kontrolliert und in den Arbeitsabläufen die üblichen Sicherheitsstandards eingehalten worden waren. Und eine Werkstoffkundlerin analysierte die Trümmer der Unglücksstelle, um herauszufinden, von wo aus das Verhängnis seinen Lauf genommen hatte. Schließlich waren bei den Löscharbeiten nach der verheerenden Explosionsserie an verschiedenen Stellen Brandherde entdeckt worden.

Alle verfügbaren Daten zusammengetragen

Doch die Sachverständige fand lauter Rohre, die wie eine „aufgeplatzte Bratwurst“ aussahen. Woraus sie schloss: Die Leitungen waren geborsten, weil sie von außen zu stark erhitzt worden waren – durch eine Feuerwalze, die von einer einzelnen Stelle im Rohrgraben am BASF-Nordhafen ausgegangen war. An der hatte ein externer Schlosser gearbeitet, der eine für die Demontage geleerte Leitung zerlegen sollte. Nun sitzt dieser Mann auf der Anklagebank: Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er versehentlich ins falsche, mit einer Chemikalie gefüllte Rohr flexte. So soll der 63-Jährige einen ersten Brand entfacht haben, der dann die unheilvolle Kettenreaktion auslöste. Doch ob der Ablauf damit tatsächlich korrekt rekonstruiert ist, können die Juristen nicht alleine beurteilen: Das letzte Experten-Wort hat da der Anzugträger mit dem hippen Haar-Dutt. Um den Unglückshergang zu ergründen, hat Ley alle verfügbaren Daten zusammengetragen. Informationen bekam er zum Beispiel von den Betreibern einer Ethylen-Fernleitung, die in Bayern beginnt und über Karlsruhe bis aufs Ludwigshafener BASF-Gelände führt.

Wie genau wurde die erste Flamme entfacht?

Diese Pipeline gilt als die erste, die der Brand im Rohrgraben bersten ließ. Als in ihrem Innern plötzlich der Druck abfiel, wurde das in einer Steuerzentrale im nordrhein-westfälischen Marl registriert. Denn von dort aus wurde sie nach RHEINPFALZ-Informationen abgeriegelt, noch ehe auch BASF-Mitarbeiter in Ludwigshafen auf Not-Knöpfe drückten. Neben solchen gespeicherten Daten hat der Gutachter auch Videos ausgewertet: Ein Lastwagenfahrer etwa filmte mit seinem Handy die aus dem Rohrgraben aufsteigende Feuersäule, bevor es zur ersten Explosion kam. Und auch Überwachungskameras nahmen die Stelle ins Visier. Doch keine der Aufzeichnungen lässt erkennen, wie genau die erste Flamme entfacht wurde. Rückschlüsse auf die Ursache hat Ley trotzdem gezogen. Sein Vorab-Gutachten hält die Justiz zwar noch geheim. Doch nach RHEINPFALZ-Informationen ging auch er zunächst davon aus, dass das Verhängnis mit einem Flex-Schnitt ins falsche Rohr begann. Allerdings saß er die ganze Zeit im Prozess, um seine Einschätzung auch noch ändern zu können, falls im Verfahren etwas für ihn Überraschendes aufgedeckt wird. Ob es dazu gekommen ist, erfahren die Juristen am Montag. Bislang haben sie nur gesehen: Der Anzugträger mit dem hippen Männer-Dutt am Hinterkopf hat in den vergangenen Wochen nichts vernommen, das seine Gelassenheit erschütterte.

x