Rheinland-Pfalz
Pirmasens: Polizisten nicht für Todesfall nach Einsatz verantwortlich
PIRMASENS. Im Januar ist in Pirmasens ein Mann gestorben, nachdem ihn die Polizei mit einem Taser attackiert hatte. Ein Gutachter kommt nun zum Schluss: Der Angriff war nicht der Grund für den Todesfall.
Der Pirmasenser Vorfall löste eine bundesweite Debatte aus. Erstmals war hierzulande jemand gestorben, nachdem die Polizei die Elektrostoßwaffen gegen ihn eingesetzt hat. Die Staatsanwaltschaft Zweibrücken hatte daraufhin bei der Uniklinik Homburg ein rechtsmedizinisches Gutachten in Auftrag gegeben. Es sollte klären, ob der Tod in Zusammenhang mit dem Taser steht. Die Expertise liegt seit September vor. Gestern hat die Staatsanwaltschaft ihre Schlüsse daraus veröffentlicht: Die Ermittlungen werden eingestellt.
Gutachten: Todesursache war Herzinfarkt
Die Behörde kann kein Fremdverschulden erkennen. Aus der Expertise sowie der Obduktion des Mannes geht hervor, dass er diverse Vorerkrankungen hatte. Er starb letztlich an einem Herzinfarkt. Den erklären die Homburger Rechtsmediziner unter anderem mit der Stresssituation durch den Polizeieinsatz. Den Angaben zufolge hatte der Pirmasenser schon früher einmal einen Infarkt erlitten.
So funktioniert ein Taser
Taser können auf zwei Arten verwendet werden. Aus der Distanz können Menschen attackiert werden, indem zwei Pfeile auf sie abgeschossen werden. An ihnen hängen Kabel, die dafür sorgen, dass durch die getroffene Person fünf Sekunden lang Strom fließt. Das löst Schmerzen und krampfhafte Muskelkontraktionen aus. Wer so attackiert wird, kann sich in der Regel nicht bewegen.
Die andere Möglichkeit, den Taser zu benutzen, gelingt nur bei direktem Kontakt. Dann funktioniert er wie ein Elektroschocker. Das bedeutet, der Angegriffene spürt zwar Stromimpulse, aber die sind nicht so stark, dass die Muskeln davon gelähmt werden.
Das passierte im Fall Pirmasens
Im Fall des Pirmasensers hat die Distanzvariante nicht funktioniert. Einmal landete ein Pfeil im Türrahmen, ein anderes Mal kann nicht nachgewiesen werden, dass Strom durch den Körper des Mannes floss. Die deutlich schwächere Kontaktvariante kam laut Staatsanwaltschaft jedoch dreimal zum Zug.
Der 56-Jährige sollte damals auf richterlichen Beschluss in eine Psychiatrie gebracht werden. Allerdings widersetzte er sich dabei Polizei und Ordnungsamt. Unter anderem hob er eine Tür aus den Angeln, um sie auf die Sicherheitskräfte zu werfen. Später bedrohte er sie mit einer Spraydose und einem Feuerzeug, das er zünden wollte. Selbst als ihn die Beamten gefesselt ans Auto brachten, spuckte er in deren Richtung und trat gegen ein Auto des Pirmasenser Ordnungsamtes.
Tod im Auto des Ordnungsamtes
Auf der nur wenige Minuten dauernden Fahrt von der Wohnung des 56-Jährigen ins städtische Krankenhaus Pirmasens kollabierte der Mann und verstarb, noch bevor der Wagen die Klinik erreichte.