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Pfingsten und Neun-Euro-Ticket: Volle Bahnsteige und Züge in der Pfalz
Die Wolken hängen tief über dem Bahnsteig in Neustadt am frühen Pfingstmontag. Die Menge der Menschen, die auf den „Rheintal-Express“ warten, der an Sonn-und Feiertagen von Karlsruhe über Neustadt nach Koblenz fährt, übersteigt fast die Kapazität des Bahnsteigs. Vor allem Ausflügler sind darunter, erkennbar an Wanderstöcken und Rucksäcken. Einzelne sind mit großem Gepäck unterwegs. Als der Zug schließlich einfährt, ist er bereits mehr als voll. Fahrgäste stehen im Gang und sitzen auf den Treppen an den Türen der Waggons. Trotzdem schafft es die Menschenmenge auf dem Bahnsteig, sich in den Zug zu quetschen.
Dass es am Pfingstmontag voll werden könnte, hat Martin Mendel, Landesvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn, bereits vermutet: „Es war schönes Wetter vorhergesagt, dann das verlängerte Wochenende und Ferienanfang in Baden-Württemberg. Und zum ersten Mal scheint auch Corona vergessen zu sein – da kommt alles zusammen.“
Die Züge sind zwar voll, dennoch bleibt das Chaos auf den Strecken in der Pfalz aus: Im „Bundenthaler“ zum Beispiel, der von Neustadt aus über Landau Ausflugsziele im Pfälzerwald anfährt, hätten am Montagvormittag sogar noch einige Fahrräder Platz gehabt. In Karlsruhe sah es da schon anders aus: Der Bahnsteig 102, von dem unter anderem Züge nach Neustadt abfahren, ist am Montag überfüllt. Viele sind mit Fahrrädern unterwegs, andere mit Wanderstöcken und Rucksäcken. In der App der Deutschen Bahn wird für die Strecke zwischen Karlsruhe und Neustadt eine ungewöhnlich hohe Auslastung angegeben.
Lieber in den Zoo statt in den vollen Zug
Eng wird es vor allem in den Zügen in Richtung Schwarzwald. Beim Regionalexpress mit der Nummer sieben nach Konstanz kommt alles zusammen: Wer einen Tagesausflug an den Bodensee oder in den Schwarzwald plant – etwa zu den berühmten Wasserfällen in Triberg – fährt genauso mit diesem Zug, wie Reisende, die mit dem Neun-Euro-Ticket durch Deutschland unterwegs sind und in Richtung Süden wollen. Dementsprechend voll ist der Zug um kurz nach 10 Uhr, als er den Bahnhof Karlsruhe verlässt. Jeder einzelne Sitz ist belegt, Fahrräder, Kinderwagen und stehende Fahrgäste müssen sich den Platz in den Gängen teilen.
Eine kleine Familie bleibt sogar am Bahnsteig zurück. Die vier wollten eigentlich einen Ausflug nach Konstanz machen, doch der Zug war ihnen zu voll. Unglücklich sind sie aber nicht: „Wir gehen jetzt einfach in den Zoo“, sagt der Vater. Sie entscheiden, es an einem anderen Tag unter der Woche noch einmal mit Konstanz zu versuchen. Die Bahn reagiert auf den vollen Zug mit einem Hinweis in der Bahn-App: „Außergewöhnlich hohe Auslastung. Mitfahrt kann nicht garantiert werden.“
Keine Fahrräder mehr erlaubt
An den Bahnhöfen in Mannheim und Kaiserslautern ist ebenfalls viel los. Zu chaotischen Zuständen kommt es zwar nicht, doch die Züge sind überfüllt. Im Regionalexpress, der von Mannheim über Neustadt und Kaiserslautern in Richtung Trier fährt, drängen sich die Reisenden in den Gängen, einige sitzen auf dem Boden. Für diesen und einige andere Züge verhängt die Bahn daher ein Verbot, Fahrräder mitzunehmen.
Die vollen Züge am Pfingst-Wochenende könnten ein Vorgeschmack darauf sein, wie es zu bei Beginn der Sommerferien werden könnte, sagt Fahrgastverband-Vorsitzender Mendel. Dass es immer wieder zu Engpässen bei den Kapazitäten der Züge komme, sei bereits vor dem Neun-Euro-Ticket ein Problem gewesen. Seines Wissens werde bei einigen Strecken derzeit überlegt, aufzustocken. Doch diese Dinge bräuchten im ÖPNV häufig einige Zeit.
Keine Gedanken um Ticket mehr machen
Bei einigen Linien in der Pfalz wurde die Kapazität erst kürzlich – zumindest für die Wochenenden – erweitert. Unter anderem auf der Strecke von Neustadt nach Weißenburg. Dementsprechend sind die Züge auf dieser Linie am Pfingstmontag zwar voll, aber nicht überfüllt. Ein Paar aus Speyer ist zum Beispiel positiv überrascht vom ersten Versuch, Freunde in Annweiler mit der Bahn zu besuchen anstatt mit dem Auto. Die beiden müssen dabei zwar drei Mal umsteigen und die Fahrt dauert deutlich länger – mit dem Neun-Euro-Ticket in der Tasche wollten sie es aber dennoch versuchen. Was ihnen dabei besonders gefalle, sei die Tatsache, dass man sich einfach in den Zug setzen könne, ohne sich viele Gedanken über das Ticket machen zu müssen.
Das bestätigt der Fahrgast-Verband-Vorsitzende Mendel: Hier sei das Land aufgefordert, grundsätzlich etwas zu ändern. Ihm schwebt zum Beispiel eine Art Mobilitäts-Flatrate vor. „Ich kann es verstehen, wenn Leute davon abgeschreckt sind, wenn es in Mainz zum Beispiel fünf verschiedene Fahrkartenautomaten gibt und man erst einmal herausfinden muss, wo man eine Karte kaufen muss.“
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