Bahnverkehr Lieber Fernzug als 9-Euro-Ticket

Der EC 115 gehört zu den Fernzügen, die schon seit Jahren von Mannheim (Foto) aus günstige Direktverbindungen zu attraktiven Url
Der EC 115 gehört zu den Fernzügen, die schon seit Jahren von Mannheim (Foto) aus günstige Direktverbindungen zu attraktiven Urlaubszielen bieten.

Das 9-Euro-Ticket ist in aller Munde. Viele kommen auf den Gedanken, dass man damit auch in den Urlaub fahren könnte. Das ist aber nicht in jedem Fall eine gute Idee. Vor allem sollte man nicht im Vertrauen auf das 9-Euro-Ticket versäumen, frühzeitig ein Fernzug-Ticket zu buchen.

Im Juni, Juli und August gibt es eine Monatskarte, die in ganz Deutschland im öffentlichen Nahverkehr gilt und nur 9 Euro kostet. Die in der Pfalz sehr zahlreichen Besitzer einer Jahreskarte für das komplette Gebiet des Verkehrsverbunds Rhein Neckar (VRN) wie Job-Ticket, Karte ab 60 und Rhein-Neckar-Ticket haben in diesen drei Monaten deutschlandweit freie Fahrt zu den Konditionen des 9-Euro-Tickets.

Da liegt der Gedanke nahe, dass man beispielsweise mit seinem Job-Ticket oder einem 9-Euro-Ticket auch in Urlaub fahren könnte. Das sollte man sich allerdings gut überlegen. Denn mit dem 9-Euro-Ticket lässt sich zwar tatsächlich jeder Bahnhof in Deutschland erreichen – aber eben nur mit Regionalzügen. In Fernzügen wie ICE und Intercity (IC) gilt das 9-Euro-Ticket nicht, abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen, zu denen vor allem die IC-Züge auf der Gäubahn von Stuttgart über Horb und Rottweil nach Singen gehören.

Längere Fahrzeit und oft umsteigen

Wer mit dem 9-Euro-Ticket weite Strecken zurücklegen will, muss in aller Regel nicht nur mit deutlich längerer Fahrzeit und häufigerem Umsteigen rechnen, sondern auch mit einer eher strapaziösen Fahrt. Anders als in Fernzügen ist mit dem 9-Euro-Ticket in den Regionalzügen keine Platzreservierung möglich und gerade auf den Linien, über die viele Reisende lange Strecken zurücklegen, ist die Gefahr groß, dass die Züge an Tagen mit hohem Verkehrsaufkommen überfüllt sind.

Für die Reise in einem ICE oder IC spricht zudem, dass die Ticketpreise relativ günstig sein können, wenn man frühzeitig ein Sparpreis-Ticket bucht. Wenn man mit der Buchung zu lange wartet, sind die preisgünstigsten Ticket-Kontingente aber meist schon ausverkauft.

Spät buchen kann teuer werden

Ganz blöd wäre also folgende Situation: Man versäumt, frühzeitig ein preisgünstiges IC-Ticket zu kaufen, weil man sich darauf verlässt, ja (fast) kostenlos mit dem 9-Euro-Ticket zu fahren. Dann stellt man aber kurz vor der Reise fest, dass einem der 9-Euro-Ticket-Trip wegen langer Fahrzeit oder häufigem Umsteigen zu mühsam ist und man doch lieber mit einem Fernzug fahren will. Dann sind aber meist die günstigsten Sparpreis-Tickets weg und die Fernzug-Reise wird unnötig teuer.

Je nach Ziel und Qualität der Verbindung können die Vorteile einer Fernzugreise im Vergleich zum 9-Euro-Ticket unterschiedlich groß sein. Direkte Intercity- oder Eurocity-Züge gibt es ab Mannheim beispielsweise nach Klagenfurt, Oberstdorf und Innsbruck über Lindau. Der Zug nach Klagenfurt hält unter anderem in Salzburg und einigen touristisch interessanten Orten in Oberbayern.

Die Unterschiede verdeutlicht das Beispiel Prien am Chiemsee. Der EC 115 fährt ab Mannheim um 11.02 Uhr und erreicht Prien um 15.12 Uhr. Für eine Reise beispielsweise am 3. August kostet für den EC 115 derzeit das günstigste Supersparpreis-Ticket 35,90 Euro, mit Bahncard-Rabatt 26,90 Euro. Will man mit dem 9-Euro-Ticket fahren und etwa zur gleichen Zeit ankommen, muss man in Mannheim um 8.34 Uhr abfahren und vier Mal umsteigen: in Heilbronn, Plochingen, Ulm und München.

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Eckhard Buddruss ist der Bahn-Experte der RHEINPFALZ. In seinem kostenlosen Newsletter informiert er Sie alle zwei Wochen über Investitionen, Entwicklungen und Abseitiges bei der Deutschen Bahn und im öffentlichen Nahverkehr der Pfalz. Für alle, die wissen wollen, wie es mit dem Zugverkehr in der Region weiter geht.

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