Rheinland-Pfalz
Pfälzer Lüftungstechniker kritisiert das bisherige Corona-Konzept in den Schulen
Wenn man in den Klassenzimmern den Vorgaben der Landesregierung folgt, wird es beim Stoßlüften im Raum immer nur zwei bis drei Grad kälter, sagt das rheinland-pfälzische Bildungsministerium. In seinem Corona-Hygieneplan für Schulen hält das Ministerium fest, dass im Unterricht alle 20 Minuten stoß- und in den Pausen quergelüftet werden soll.
Mathias Kurz, Geschäftsführer von Kurz Lüftungstechnik in Hanhofen (Rhein-Pfalz-Kreis), sieht das anders. Diese Aussage sei zu pauschal. „Man muss ja immer von der Außentemperatur ausgehen“, betont er. Wenn es draußen minus acht Grad Celsius seien und im Schulgebäude herrschten 19 Grad, senke sich die Temperatur beim Stoßlüften um mehr als bloß diese zwei bis drei Grad. Außerdem komme es auch auf die Personenanzahl im Raum und dessen Größe an.
Kurz hält das Querlüften als Maßnahme der Frischluftzufuhr in den Pausen für sinnvoll, findet es aber falsch, alle 20 Minuten den Unterricht fürs Stoßlüften zu unterbrechen. „Wenn viele Leute in einem Raum zusammenkommen, muss man zusätzlich etwas tun“, sagt er. Es gebe verschiedene Geräte auf dem Markt, die in der Lage seien, Aerosole mit Viren aus der Luft zu filtern. Das betreffe auch andere Virusarten, nicht bloß das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2. „Wenn man hochgeheizte Klassenräume mehrere Minuten querlüftet, hat man übrigens auch energetisch eine Sechs geschrieben“, sagt der Fachmann. Das sei ja nicht der Sinn des Heizens im Klassenzimmer.
„Geld wird über Gesundheit gestellt“
Zwar seien die Luftfilteranlagen durchaus eine große Investition, sagt Kurz, allerdings auch eine, die sich im Laufe der Zeit amortisieren würde. Das sage er nicht bloß als Geschäfts-, sondern auch als Fachmann. Auf den Lüftungstechniker wirkt die aktuelle Debatte jedenfalls so, als sei Lüften das erklärte Allheilmittel. Und als würde die technische Lösung des Problems von der Hand gewiesen, weil sie zu teuer sei: „Da wird Geld über Gesundheit gestellt.“
Kurz’ Firma, die neben Hanhofen auch in Kleinsteinhausen bei Zweibrücken einen Standort hat, stelle ein Gerät her, das mit zwei hintereinandergeschalteten Filtern arbeite – und zusätzlich mit desinfizierender UV-Strahlung: „Hätte es die Corona-Pandemie nicht gegeben, hätten wir dieses Gerät sicherlich nicht entwickelt.“ UV-Filter kämen zum Beispiel auch im Schwimmbad zum Einsatz, um das Wasser zu reinigen. Die Filterklasse HEPA (Schwebstofffilter) hingegen, die in der Debatte eine große Rolle spielt, hat nach Ansicht des Fachmanns einen zu hohen Widerstand: „Da muss der Ventilator viel Energie aufwenden, um die Luft durch den Filter zu pressen.“