Meinung
OB-Wahl in Ludwigshafen: Dünnes Eis für direkte Demokratie
Die erste Runde der Oberbürgermeisterwahl in Ludwigshafen ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Eine Zahl aber schlägt in negativer Hinsicht alles Dagewesene: Lediglich 29,3 Prozent der rund 120.000 Wahlberechtigtem haben ihr Stimmrecht genutzt, mehr als 70 Prozent sind ganz schlicht zu Hause geblieben. Zieht man noch diejenigen Stimmen ab, die bewusst ungültig in der Urne gelandet sind, dann reichen für einen der beiden Kandidaten beim Stechen in drei Wochen rund 16.000 Stimmen, um OB der größten Stadt der Pfalz zu werden – sofern nicht noch ein Ruck durch die Ludwigshafener Wählerschaft geht.
Unabhängig davon, ob unter solchen Bedingungen dann Klaus Blettner (CDU/FWG) oder Jens Peter Gotter (SPD) die Nase vorn hat – mit Blick auf die Legitimation des Nachfolgers von Jutta Steinruck (parteilos) ist das dünnes Eis für diese Form der direkten Demokratie. Die Reaktionen, die bislang aus dem politischen Mainz in die Pfalz dringen, zeugen von einer gewissen Ratlosigkeit angesichts dieses offenkundigen Desinteresses der Bürger. Es lohnt ein Blick nach Koblenz, wo der SPD-Mann David Langner auf Anhieb mit 67,1 Prozent sein Amt verteidigt hat – übrigens auch gegen einen AfD-Bewerber.
