Rheinland-Pfalz
Mehr als 12.000 Quarantänefälle an Schulen: Was der Strategiewechsel des Landes bewirkt
Das Gesundheitsamt Kaiserslautern kommt bei Corona-Infektionen an den Schulen mit der Kontaktnachverfolgung nicht mehr hinterher. Das hat der für das Gesundheitsamt zuständige Kreisbeigeordnete Peter Schmidt (FWG) auf RHEINPFALZ-Anfrage eingeräumt. Laut Schmidt wurden die Tests an den Schulen stark eingeschränkt. „Die Test- und Laborkapazitäten erlauben es nicht mehr, große Testreihen durchzuführen“, so Schmidt. Das Mainzer Gesundheitsministerium empfehle, dass Schüler nur noch dann getestet werden, wenn sie Kontaktperson 1 sind, also direkt vor beziehungsweise neben einem Mitschüler saßen, der sich mit dem Virus infiziert hat.
Bereits am 10. November hatte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) bestätigt, dass es eine Empfehlung des Landes an die Gesundheitsämter gebe, auf Quarantänemaßnahmen ganz oder teilweise zu verzichten, sollte ein Infektionsfall auftreten und die Klasse sich zuvor konsequent durch Masken geschützt haben. Seit Anfang November gilt ab den 5. Klassen Maskenpflicht auch während des Unterrichts.
Rheinland-Pfalz: 12.700 Lehrer und Schüler in Quarantäne
Ohne diesen Strategiewechsel und die Probleme der Gesundheitsämter bei der Kontaktnachverfolgung wäre die Anzahl der Lehrer und Schüler in häuslicher Quarantäne im Land um ein Vielfaches höher als derzeit gemeldet – wahrscheinlich um das Dreifache. Das zeigt ein Blick auf die Zahlen der rheinland-pfälzischen Schulaufsicht (ADD). Am Dienstag gab es 12.697 Quarantänefälle an den Schulen im Land.
Täglich melden die Schulleiter der ADD die Anzahl der Infektions- und der Verdachtsfälle ihrer Schule. Als Infektionsfall gelten Lehrer und Schüler, die in Quarantäne sind, weil sie positiv auf das Coronavirus getestet wurden; als Verdachtsfall gelten Lehrer und Schüler, die entweder noch auf das Ergebnis ihres Corona-Tests warten, oder ohne Corona-Test vom Gesundheitsamt in häusliche Isolation geschickt wurden. Ordnet das Gesundheitsamt also an, dass sich Schüler einer Klasse wegen eines nachgewiesenen Corona-Falls zuhause isolieren sollen, dann zählen diese Schüler so lange als Verdachtsfall, bis die Quarantäne aufgehoben wird, oder – im Falle eines Tests – eine Infektion nachgewiesen wurde.
Am Dienstag meldeten die rheinland-pfälzischen Schulen 1129 Infektionsfälle und 11.568 Verdachtsfälle. Das heißt: Auf jeden nachgewiesenen Infektionsfall an einer Schule in Rheinland-Pfalz kamen im Schnitt neun Personen, die als Verdachtsfall zählten und deshalb ebenfalls in Quarantäne waren.
Vor den Herbstferien im Oktober lag die Anzahl der Verdachtsfälle pro Infektionsfall an rheinland-pfälzischen Schulen zwischen 34 und 40. Im November, also seit im Unterricht Maskenpflicht gilt und das Gesundheitsministerium empfiehlt, Schüler nicht mehr klassenweise in Quarantäne zu schicken, bewegen sich die Werte zwischen fünf und zwölf Verdachtsfällen pro nachgewiesener Corona-Infektion.
Was uns die Zahlen (nicht) sagen
Die Strategieänderung des Landes hilft also, den Präsenz-Schulbetrieb trotz steigender Infektionszahlen aufrechtzuerhalten: Hätte das Land die Quarantäne- und Teststrategie bei Corona-Fällen an Schulen nicht geändert, wäre die Zahl der Quarantänefälle an Schulen wahrscheinlich um ein Dreifaches höher, als sie es aktuell ist. Wie sich die neue Strategie aber auf das Infektionsgeschehen an Schulen auswirkt, lässt sich anhand der Statistik noch nicht sagen: Das wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen.